Wider die Freitagslethargie!

Da es bekanntlich nichts Besseres gibt als Wochenenden, die mit einem Fußballspiel eingeleitet  werden, fieberte der sympathische Familienfettling noch spirituell berauscht vom Ausflug nach Kevelaer schon ab Donnerstagmorgen dem Feierabend am Freitag entgegen. Schließlich hatten die Spielplangestalter aus Frankfurt ein Einsehen und tatsächlich in Ermangelung eines Grottenkicks an der Hafenstraße 97a das Bundesligaspeil zwischen dem ruhmreichen BVB und dem Sportclub aus dem Scheißgau auf den Freitagabend terminiert.

Also das studentische Klapprad und den stilechten Jutebeutel übers Wochenende in Deutschlands Elitehochschule eingelagert und mit Bus und Bahn das östliche Ruhrbeat ohne GE durchquert. Wohlweislich entschied ich mich für die acht Minuten längere dafür aber immer pünktliche Verbindung mit der Eurobahn und wurde prompt mit der Anwesenheit von Max aus Kamen belohnt, so dass sich auch die zusätzlichen Minuten kurzweilig gestalteten. In Dortmund ging es dann über Zorbas, Bude, rote Erde und Bierbude im Stadion auf direktem Wege in Block 13, der auch dieses Mal wieder (zu) gut gefüllt war. Leider nahmen die Vorsänger keine Rücksicht auf die hart am Limit trinkenden Suffis und so musste sich schon nach nulldreipluseiner Minute eingehakt werden. Dies resultierte leider in einer Bierdusche, die auch noch komplett das gut gekleidete Pärchen gesetzteren Alters – ja das aus meinem Mund, ihr jungen Dödel – durchnässte, die das überhaupt nicht witzig fanden. Glücklicherweise war der Tischtennisbich heute zum ersten Mal seit 45 Jahren nicht im Westfalenstadion und somit wurden keinerlei weitere Komplimente ausgetauscht. Da wir aber davon ausgehen, dass die beiden nicht mehr an dieser Stelle stehen werden, kommen wir beim nächsten Heimspiel vielleicht was später…

Gegen gut gestaffelte Freiburger tat sich der BVB etwas schwerer als zuletzt und so dauerte es bis zum – Achtung richtig, richtig geile Reporterphrase – psychologisch wichtigen Zeitpunkt in der 45. Minute ehe unser Chancentod (O-Ton Sebi) das erste Mal netzte. Auch im zweiten Durchgang spielte von Beginn an nur der BVB und nach Piszczeks Tor zum 2:0 schien das Ding schon durch. Doch so brilliant die Dortmunder Offensive so wackelig die Hintermannschaft und somit witterten die Freiburger nach dem Anschlusstreffer noch einmal Morgenluft. Glücklicherweise gelang dem eingewechselten Europameister Guerreiro noch der dritte Streich (höhö) und er veredelte eine tolle Kombination zum Endstand. Ein echtes Traumtor und bezeichnend für die technische Beschlagenheit der Sturm und Drangtruppe auf dem Rasen. Auch die Südtribüne reagierte meisterlich und schmetterte die beliebte Pipi-Langstrumpf Melodie lautstark („alle jetzt“) in den Dortmunder Nachthimmel.

Im Nachgang gab es noch einige aufgeregte Diskussionen über den auf dem Boden gebliebenen Ex-Münchener, Ex-Instagrammkönig und Ex-WM-Helden, der bei seiner Auswechslung von „den 300“ mit nicht gerade erstes-Treffen-mit-den-Eltern-der-neuen-Freundin-kompatiblen Gesängen verabschiedet wurde. Wobei sich erstens die Frage stellt, wie sehr die Psyche des Jungmillionärs damit geschädigt wird und zweitens wer bei so einem Ereignis überhaupt singt.  Schizophrenerweise beschweren sich natürlich die Leute am lautesten über die unflätigen Gesänge, die sich sonst immer darüber aufregen, dass sich nicht mit den Spielern beschäftigt wird und die Südtribüne nur „ihre Playlist runterrattert“. Wie dem auch sei, wer ernsthaft noch Emotionen für Spieler entwickelt, der wird vermutlich noch oft enttäuscht werden, insbesondere wenn der sportliche Höhenflug weiter anhält. Vermutlich wird man erstmal keinen Spieler in der Mittagspause in der Kantine oder nach der Schicht in der Kaue treffen…

Nach dem Spiel ging es noch auf ein kurzes Treffen in die Räumlichkeiten der FA und obwohl ich als erstes die Sitzung verließ, machte ich die Rechnung auf dem Heimweg ohne das Unternehmen Zukunft: Ausnahmsweise war der RE1 pünktlich und so durfte ich eine ganze Stunde am HBF verbringen. Danke an den Bichsteuerberater und Kai-Uwe mit Ehefrau für das solidarische Warten und die Versorgung mit Flüssigbrot. Zusammen!

Am Samstag schloss sich nahtlos das Heimspiel der Amateure an. Die vor Wut schnaubende ZIS konnte das Spiel leider nicht parallel zu den Profis legen – zwei BVB-Heimspiele gleichzeitig kriegt halt selbst der größte Sicherheitsfanatiker und Fußballhasser in Duisburg (Die ZIS sitzt in DUISBURG! Nicht wie die Lügenpresse von den Unities berichtet in Düsseldorf) nicht ohne weiteres bewerkstelligt und bei einer Verlegung nach Lünen hätte wahrscheinlich selbst der BVB den Ordnungshütern den Vogel gezeigt. Also schön bei Sonnenschein in der Roten Erde. Sahen aber wohl nur wenige andere so, denn der große Andrang, den die Amateure zuletzt noch erfuhren, hat sich augenscheinlich stark abgeschwächt. Folglich konnte der Ordnungsdienst, dem laut UvdA sonst sogar ganze Öltanker durchgleiten, sein volles Potenzial entfalten und wirklich ausnahmslos jeden bloßen Arm abtasten. Sportlich zeigten sich die kleinen BVB-Pferde konstant und spielten trotz Feldüberlegenheit bei gleichzeitiger Uninspiriertheit nur Unentschieden gegen die Zweitvertretung aus Düsseldorf. Das vierte Remis in Folge und damit Wasser auf die Mühlen der ewig Hoffnungsfrohen an der Hafenstraße. Die wichtigste und zugleich überraschendste Erkenntnis des Spiels war jedoch, dass das Stadionumfeld und die ganze Stadt nach den 90 Minuten nicht Aleppo glich. Und das trotz – die Mathebichs würden sagen: disjunkter Spielansetzung! Leider wird diese Info wohl nie die infamen Schreibtischhengste der ZIS erreichen.

Aber das Wochenende wäre natürlich nicht vernünftig zu Ende gebracht, ohne den Besuch eines Spiels vom glorreichen RWE. Früher konnte man sonntags noch in Ruhe die Oberliga vorbereiten, aber die Spieltagsterminierer gönnen einem nichts mehr und so fand das Spiel in Aachen am Tag Gottes statt. Der regelmäßige Leser dieses Blogs wird sich nun fragen: Aachen? Da war doch mal was. Richtig beobachtet. Und da Horst-Kevin schließlich stets aus seinen Fehlern lernt, ging er nicht unbewaffnet in diesen Kampf. Mehrere Dosen des zu guten Lebens sollten uns bereits die Hinfahrt versüßen und das Spiel erträglicher gestalten.

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Alle Mann auf Aachen!

Denn wir sind ja mittlerweile erfahren und kennen uns mit dem Club aus unserer Heimatstadt aus. Sportlich sah es nach zwei Siegen in Folge ganz gut aus und auch die Konkurrenz aus Dortmund, Köln und Gladbach hatte zuletzt geschwächelt. Vollkommen klar also, dass das Unterfangen, in Aachen drei Punkte zu holen, in die Hose gehen musste. Immerhin mussten wir nicht wie noch 2011 mit dem Regionalexpress anreisen, sondern konnten einen Fahrer für diese weiteste Auswärtsfahrt der Regionalliga West organisieren.

In Aachen angekommen mussten wir dann leider konstatieren, dass sich an der Scheißigkeit von 2011 nichts geändert hat. Nur zwei Kassenhäuschen waren geöffnet, Millionen von Bullen und Sicherheitskräften waren anwesend, man musste sich zwei Kontrollen unterziehen und auch wieder den Tunnel passieren, um in den Gästeblock zu gelangen. Immerhin gibt es auch zwei positive Aspekte zu vermerken: Zum einen wurde mir diesmal kein Kugelschreiber abgenommen, zum anderen kommen Rentner mit einer Norwegen-Flagge auf dem Polohemd nicht einfach so ins Stadion. Das wäre ja auch noch schöner! Positiver formuliert: Thor Steinar Klamotten sind tatsächlich verboten und die Sicherheitskräfte achten auch darauf, haben aber offensichtlich keine Ahnung, wie diese aussehen.

Auch die Preise haben sich seit 2011 nicht gerade verbessert. Waren es damals noch 12,50 Euro für einen ermäßigten Stehplatz in der zweiten Liga, sind es nun 2,50 Euro weniger in der vierten Liga. Da wir mittlerweile aber für unser sauer verdientes Geld hart schuften gehen und weil man im Stehplatzblock nicht wirklich gut sehen kann, gönnten wir uns sogar einen noch teureren Sitzplatz. Das Spiel bot dann haargenau das, was wir von ihm erwartet haben. Es ist mir einfach schleierhaft, wie man von Essener Seite 60 Minuten lang so eine unfassbare Scheiße anbieten kann. Nach vorne ungefährlich und hinten mit haarsträubenden individuellen Fehlern, sodass man froh sein konnte, dass es bis dahin nur 0:1 stand. In den letzten 30 Minuten raffte sich RWE dann gegen verausgabte Gastgeber noch mal auf, konnte aber kein Tor mehr erzielen. Es nervt einfach nur noch!

Auf der Rückfahrt hatten wir dann doch noch ein positives Erlebnis, als wir den Klängen der WDR-Schlusskonferenz lauschten. Wir erwarten, dass sich das BVB-Forum bald einen vernünftigen IM-Namen für den neuen Manager ausdenkt!

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Herwigs trauriger Blick auf das Geschehen.

Nach all den eher bodenständigen Bratwurstkicks sollte am Dienstag dann auch wieder der Glamour ins Ruhrgebiet einziehen und uns im Rahmen des ersten Champions-League-Heimspiels seit Ewigkeiten mit einem Klassiker beglücken: Borussia Dortmund gegen Real Madrid. Nachdem die Bayern ihren Nimbus als “la bestia negra” verloren haben, ist augenscheinlich allein der BVB mit seiner Muro Amarillo ein ernstzunehmender Gegner für das weiße Ballet. In Abwesenheit von Herwig und um das Herz des ältesten Menschen der Welt zu schonen verfolgte ich die Partie ausnahmsweise zusammen mit dem Bier-Eddi, dem Stahlbich, dem Zweckoptimisten und dem leibhaftigen Captain Jack unten am Zaun um noch näher an CR7 ❤ sein zu können. Mit dem entscheidenden Nachteil, dass man nicht viel vom Spiel insgesamt sehen kann. Spiele gegen Real Madrid sind ja mittlerweile Usus und auch wenn MS29 ❤ gar nicht der direkte Gegenspieler von CR7 ❤ ist und war, konnte er ihn dennoch wieder völlig ausschalten. Ausrasten.

Ganz Real-Madrid-like wurde eben diese Mannschaft dann auch ohne eigene Abwehr an die Wand gespielt – schlussendlich trennte man sich jedoch schiedlich friedlich und hochverdient 2:2 unentschieden. Wer so eine Wackelabwehr hat und nicht so unfassbar effizient im Sturm ist wie die Königlichen, der darf sich bei allem Selbstbewusstsein nicht über ein Unentschieden zu Hause gegen Real Madrid beschweren. Auch wenn dieser letzte Satz unfassbar arrogant klingt und für jeden, sich auf Augenhöhe bewegenden blauen Hurensohn, ein Schlag in die Magengrube bedeutet, ist dies tatsächlich der einzig aktuelle Kritikpunkt. Hervorheben muss man neben Beatrix von Storch, die im Mittelfeld die Strippen zog, noch den (Ersatz-) Torwart der Madrilenen, der zwischen seinen Anstoß-, Abstoß- und Abwurfgebeten das Ballfesthalten offensichtlich vergessen hatte und zu 97% die Schuld am ersten Gegentreffer hat. Vielleicht sollte er sich mal eine Schnitte von Niclas Heimann abschneiden! Ansonsten machen die Jungspunde um Mor, Pulisic und Jünter echt Spaß während sich die arrivierten und hochbezahlten Stars von Lazarett zu Lazarett oder wie die Pummelfee über den Platz schleppen.

Am Samstag heißt es dann endlich wieder Brot-und-Butter-Fußball mit dem verbotenen Spiel des zauberhaften RWE³ gegen die BVB-Pferde und der alljährlichen Vizemeisterfeier zu Leverkusen.

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