Familienspieltag an der Hafenstraße

Werte Leserschaft,

wie immer haben wir es geschafft ein wenig in Verzug zu kommen, schließlich musste der allseits beliebte Familienfettling in der vergangenen Woche mal wieder äußerst verantwortungsbewusst den Sohn hüten und konnte dementsprechend nicht die auf die kreative Inspiration des Flaggschiffs unseres NRW-Nahverkehrs zurückgreifen. Lange Rede, kurzer Sinn, natürlich werden wir Euch nicht die Skandale der mittlerweile vorvergangenen Woche vorenthalten und beginnen gewohnt chronologisch mit dem Spiel der Essener Rot-Weissen gegen die Zweitvertretung des ruhmreichen Ballspielvereins:

Eigentlich hätte dieses Spiel der stimmungstechnische Höhepunkt des Wochenendes werden sollen, da die Anhänger beider Vereine sich (bis auf die schwäbische, die kleinblasige und die uralte Ausnahme) eigentlich gut leiden können und gerne auch mal gemeinsam etwas tiefer ins Glas schauen. Dazu hätte die gewohnt imposante Kulisse an der Hafenstraße auch mit dem sanges- und reisefreudigen Anhang rund um die „Ultras von die Amateure“ endlich mal einen gut gefüllten Gästeblock bestaunen können. Auch die Verantwortlichen bei RWE waren sich der einmaligen Chance auf ein paar leicht verdiente Zusatzeinnahmen bewusst und beantragten auch konsequenterweise eine Vorverlegung auf den in Essen überaus beliebten Freitagstermin. Leider mussten uns aber der Eremiten von ZIS wieder den Spaß verderben und untersagten nicht nur die Austragung am Freitagabend, sondern verschoben das Spiel auch noch direkt am Samstag anderthalb Stunden nach hinten, um bloß sicher zu stellen, dass niemand beide Spiele sehen kann. Was für eine Farce, bedenkt man doch, dass beide Vereine sogar einen gemeinsamen Fanartikelverkaufsshop unterhalten und es überhaupt keine sicherheitsrelevanten Vorgänge gegeben hätte. Wirklich schade, dass Paranoia und Sicherheitswahn mittlerweile sogar die vierte Liga gängeln, dann geht’s wohl bald nur noch in die skandalumwitterte Oberliga Niederrhein.

Zur allgemein tristen Gefühlslage trug dann auch noch bei, dass das aus dem bich‘schen Kühlschrank gegriffene Kaltgetränk der Marke St. Auder das Haltbarkeitsdatum überschritten hatte und somit Herwig auch noch dem Spott der Mitreisenden in der bekannten Ringlinie ausgesetzt war. Glücklicherweise erbarmte sich eine Mitreisende und stellte ihr Feuerzeug zur Verfügung, so dass wenigstens der erste Durst gestillt werden konnte. Der dritte Skandal sollte sich dann an der bekannten 1-Euro-Bude ereignen, wo wir zwar erstens auf den Bichsteuerberater samt Anhang und zweitens drei Getränke für drei Euro erwerben konnten. Allerdings mussten wir feststellen, dass abseits der Spieltage dieses mittelständige Familienunternehmen als 90 Cent Kiosk betrieben wird. Selbst das Rückgrat unserer Wirtschaft zockt uns ab, was ist das nur für 1 Life?

foto-von-jan

Familienspieltag an der Hafenstraße.

Da der erste Bürger Oberhausen und Hauptsponsor von RWO heute auch noch seinen 50. Geburtstag in der Außenküche feiern durfte – herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle – war uns leider keine weitere Unterstützung aus der Stadt des krummen O vergönnt. Dafür erreichte uns aber passenderweise eine SMS (echt jetzt) vom Vorsitzenden des Heisinger Fressclubs, der ebenfalls den Familientag an der Hafenstraße besuchte. Nach dem dritten Bier des Tages und einer Umfüllaktion in Becher, auf die auch die kompetentesten Vertreter der Bierzunft stolz gewesen wären, konnte nicht nur einige Euronen gespart, sondern auch das Stadion pünktlich zum Anstoß betreten werden. Als dann auch ein Reli-Lehrer schimpfend über das Unternehmen Zukunft aber mit einem Doktortitel und vier Bieren in der handlichen 0,5 Vase den Block betrat, war klar, dass dieser Nachmittag doch gewohnt sachlich werden sollte. Insbesondere Lieblingsschiedsrichter Florian Kötter wurde mit zahlreichen zuvorkommenden Worten bedacht.

Zum allgemeinen Erstaunen hatten die Roten auf dem Rasen im ersten Durchgang alles im Griff und die tapferen BVB-Pferdchen mussten aber der 13. Minute einem Rückstand hinterherlaufen. Da in der zweiten Halbzeit ungefähr alle vor Beginn der RWE-Viertelstunde wohlwissend das Stadion verließen, um nach Leverkusen (S2 nach Oberhausen und dann RE5, liebe ZIS, nächste Mal vielleicht doch für die Sicherheit noch 30 Minuten später…) oder zum ersten Saisonsieg unserer MTG fahren, verpassten sie, wie RWE einmal mehr das Fußballspielen einstellte und versuchte, die knappe Führung über die Zeit zu bringen. Das einzig überraschende an diesem Unterfangen war dieses Mal, dass das Spiel immerhin Unentschieden ausging, was nicht für BVB Amateure spricht.

Die Episode zum Spiel des stotternden Hochgeschwindigkeits-BVB liest sich dahingehend wesentlich kürzer als noch im letzten Jahr, als der schöne Roger sich mit einer Posse fulminant in die Geschichtsbücher der Bundesliga katapultierte. Denn aufgrund eines Kartentauschtricks, der dieses mal gehörig nach hinten losging, durfte ich die Arena aus reiner Gutmenschtümelei nach etwa einer Minute schon wieder verlassen um den Doktor³ nicht um sein verdientes Stadionerlebnis zu bringen. Frage an die Hopperpolizei: Zählt der Ground? Aber statt mir die Beine an der Dhünn in den Bauch zu stehen und der akustischen Pleite zu lauschen, wählte ich als Alternativprogramm die naheliegende Familienfeier in München Klappdach, die natürlich und erwartungsgemäß fürstlich eskalierte. Aber die Bohntjesopp ist jetzt alle.

Da ich nun also zum Sportlichen nichts zu berichten weiß können wir uns vollumfänglich auf den Fußballboulevard stürzen: Tuchel spricht nicht mehr mit Niemandem, der BVB schreibt den diesjährigen Fairplay-Titel ab, Mislintat hat als designierter ‘Leiter Profifußball’ (Von RWE lernen heißt siegen lernen) Trainingsgeländeverbot, Reus kann nach bestandener Führerscheinprüfung wieder geradeaus laufen und Watzke hat sich auf dem Weg zwischen Borsigplatz und Shanghai mit einer fiebrigen Rummenigge infiziert. Stoff genug um in der laufenden Länderspielpause das eine oder andere Skandälchen zu stricken. Irgendwo muss im Ruhr(ge)biet ja der Baum brennen wenn auf Schalke schon die Ruinen gelöscht wurden. Aber davon werden wir in einer späteren Geschichte erzählen.

Den Abschluss des langen Wochenendes sollte das Filetstück der Frauen-Bundesliga bilden, nämlich das Spiel zwischen der SGS Essen und Borussia Mönchengladbach im Stadion für eine ganze Stadt. 1200 Zuschauer sorgten dann auch dafür, dass der Umzug vom Stadion am Hallo vollauf gerechtfertigt erschien. Da ich mir extra für dieses Spiel einen Presseausweis ergaunert hatte, gab es dann bereits beim Betreten des Stadions das Highlight des Tages, als wir um eine Aufstellung baten. Die Antwort lautete nämlich: “Ja, wir drucken aber mit dem Drucker von Rot-Weiss Essen. Da spiegelt die Qualität des Drucks dann den Tabellenstand wider.” Läuft eben bei den Roten!

Das Spiel wollte ich mir unter anderem auch deshalb auf keinen Fall entgehen lassen, weil meine Arbeitskollegin bei den Ponys im Tor steht und erstmals in dieser Saison tatsächlich spielen durfte. Ihre Mannschaftskameraden gaben ihr dann auch genügend Gelegenheiten, sich auszuzeichnen, denn sie waren im Spiel gegen die gut gestarteten Essenerinnen dermaßen chancenlos, dass es an ein Wunder grenzte, dass das Spiel nur 3:0 ausging. Insgesamt muss man sagen, dass das Niveau nicht besonders hoch war. Einfache Ballverluste der Abwehr im Aufbauspiel, Querpässe durch den Strafraum und einige kläglich vergebene Großchancen waren nur ein paar Höhepunkte.

Da der kuschelige Landes-Beamte in spe sich wie üblich dreimal bitten lässt bis er seine paar Buchstaben zu Papier gebracht hat – das am längsten zurückliegende Spiel kommt traditionell immer als allerletztes – ist in der Zwischenzeit RWE schon wieder ein Stück glorreicher geworden und hat das Viertelfinale im Niederrheinpokal erreicht. Und diese Runde sogar gegen einen rechtsrheinischen Vertreter. Und da wir in dieser Saison zumindest in einem Wettbewerb eine Serie hinlegen wollen, müssen wir natürlich auch von diesem Leckerbissen gegen die Sportfreunde aus Baumberg berichten. Aufgrund des zu erwartenden gigantischen Andrangs wurde das Spiel nötigerweise an die Hafenstraße verlegt an der sich dann auch 1500 unverbesserliche Schlachtenbummler einfanden. Eine Zahl, die bei den Erstrundenpartien in Kevelaer und Grevenbroich locker und in Volksfestatmosphäre gestemmt werden konnte – nicht jedoch von der Stadt Monheim, die als eine von nur 13 schuldenfreien Städten in NRW augenscheinlich ähnlich gut mit Geld umgehen kann wie die Gewinnerstadt Essen. Man darf jetzt jedoch nicht davon ausgehen, dass tatsächlich alle vier Vierlinge auf der Haupttribüne zugegen waren. Denn mindestens ein (ziemlich fetter) Vierling zog es vor auf bayerische Art den Frohsinn zu begießen. Gegen den modernen Suff!

Aber zum Spiel: Etwas verspätet bog ich in die Hafenstraße ein und war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz sicher, ob hier heute tatsächlich Fußball gespielt werden würde – gähnende Leere und man hörte absolut nichts. Aber es wurde tatsächlich gegen den Ball getreten und RWE wurde natürlich seiner altbekannten Favoritenrolle vollends gerecht. Die erste Halbzeit war wohl ungefähr das Schlechteste und Uninspirierteste was man seit Langem gesehen hatte und wären die Sportfreunde aus Baumberg im 16er nicht so fahrig und ineffizient gewesen, hätte es zur Halbzeit eine klare und verdiente Führung für die Monheimer gegeben. Es zeigt sich mal wieder, dass RWE einfach keine Spielidee hat.

Da sich Demandts Mannen aber in der zweite Halbzeit am Riemen rissen und der völlig blasse Timo Brauer für den degradierten Benjamin Baier ausgewechselt wurde, lief es deutlich besser. Nachdem Roussel Ngankam den Bock umgestoßen hatte, brachen die Baumberger Versuche zusammen, sodass es kurz vor Schluss schließlich 4:0 stand und eben jener Roussel Ngankam in feinster Goalgettermanier den Ball so unfassbar schlecht und unbedrängt neben das Tor setzte, dass nun auch dem letzten an der Hafenstraße klar geworden ist warum der gute Mann als Mittelstürmer in nun schon ein paar Jahren nur eine Handvoll Tore geschossen hat – und RWE ihn verpflichtet hat. Aber das liegt unserer Meinung nach einzig und allein an der viel zu großen Hose.

Ein Gedanke zu “Familienspieltag an der Hafenstraße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s