Vier Spiele in vier Tagen und ein makelloses Wochenende

Geliebte Fans, Freunde und Eisenstangenträger,

Der bichige Vieraugenmensch hat Euch glücklicherweise den Ausklang der vergangenen Woche versüßt, so dass sicherlich die meisten von Euch den Amateurbericht vom Spiel gegen den FCC nicht sonderlich vermisst haben. Trotzdem will ich noch kurz auf die Ereignisse bei besagtem Spiel eingehen, schließlich soll dieser Blog schön vollständig bleiben…

Da ich am vergangenen Mittwoch selbstredend meinen Zug verpasste, blieb mir nur die Möglichkeit mit dem Schnurzelmobil nach Dortmund zu reisen. Glücklicherweise entschied mich für den Umweg über das malerische Herne-Börnig, so dass ich nicht wie der Hubich in der Vorwoche 75 Minuten auf dem Ruhrschnellweg parken musste. Hoffentlich wird dieses Verkehrsnadelöhr, wie von integeren Lokalpolitikern versprochen, pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft 2006 überall dreispurig ausgebaut sein…

In Dortmund angekommen stellte ich mein treues Gefährt neben dem Westfalenstadion ab und begab mich mit dem Ökotrophologen (Extra für Eier-Moritz mit Erklärung) K-Schlau in die beschauliche Rote Erde. Dort hatte sich auch eine stattliche Anzahl Gästefans eingefunden, wobei ich schon behaupte, dass die zweite Mannschaft des Ballspielvereins mindestens genauso viele  Fans zum Hinspiel mitgebracht hatte. So viel also zu dem ständigen Rumgenöhle gegenüber den zweiten Mannschaften.

Die Ultras von die Amateure hatten sich wie gewohnt im H-Block auf der Tribüne eingefunden, und da in Dortmund ja bei den Amateuren sogar gesungen wird, legten sie sich auch wie gewohnt ins Zeug, so dass die Gäste akustisch eigentlich nur beim gemeinsamen, lautstarken Protest gegen Stadionverbote vernommen wurden. Trotzdem durften die Wendeverlierer am Ende jubeln, hatte der kleine BVB doch ohne Gegenwehr das Spiel hergeschenkt, so dass die Jenenser recht ausgelassen zurück in ihre „blühenden Landschaften“ reisen konnten. Die dritte Liga scheint für unsere junge Mannschaft doch zur Zeit eine Nummer zu groß zu sein, doch dazu später mehr…

Nach dem Spiel ging für Hubich, den schlauesten und den ältesten Menschen der Welt, sowie für Herwig noch auf einige Gratis Malzbier in die Stube (Danke an den generösen Marco W. aus Antalya), wo wir aber direkt im Anschluss an die Demontage des VfB Stuttgart durch den FC Barcelona die Segel strichen.

Leider musste der gemeine Bich den gesamten Donnerstag ohne Stadionbesuch auskommen und konnte sich nur mit der Ersatzdroge Uefa Cup Euroleague zumindest innerlich auf das Topspiel am Freitag Abend vorbereiten. Glücklicherweise hatten wir uns in großer Runde verabredet, mal wieder Fußball auf höchstem spielerischen Niveau zu erleben – nämlich in der vierten Liga, wo am vergangenen Freitag der Tabellenletzte aus Worms an der Hafenstraße gastierte. Die illustre Runde bestehend aus drei von vier Bichs (Horst-Kevin musste dem FC die Daumen halten), den obligatorischen Umfeldern Hubich und JvL, einem tapferen Ritter, einem Comicbösewicht, einem kartoffelerfahrenem Theaterkritiker sowie dem Rechtsgelehrten Ben Jo Gerner aus Berlin versammelte sich kurz vor Anpfiff auf der mittleren der mittlerweile völlig herruntergekommenen Tribünen. Auch den circa 50 mitgereisten Gästefans scheint der desolate Zustand des Georg-Melches Stadions bewusst zu sein, zeigten sich doch sogar ein Spruchband für den Stadionneubau in Essen. Die Essener mobilisierten zeitgleich für die am nächsten Tag stattfindende Demonstration für ein neues Stadion, welches die Politik im Kommunalwahlkampf versprochen hatte. Auch wenn ich an anderer Stelle immer gegen lieblose Einheitsbauten plädiert habe, muss ich zugeben, dass es für RWE eigentlich keine Alternative mehr gibt. Zu sehr hat man das einzige Schmuckkästchen verwahrlosen lassen und zu allem Überfluss in den letzten 17 Jahren auch noch anderthalb Tribünen ersatzlos abgerissen. Eine Schande für jede Großstadt, aber insbesondere für eine Stadt, die sich ihrer Industrie- und Malocherkultur so sehr rühmt, dass sie sogar Kulturhauptstadt 2010 wurde – schließlich ist der Fußball die Kultur des kleinen Mannes und sicherlich in Stadt und Bevölkerung  tiefer verwurzelt als Philharmonie und Theater! Der vorherrrschcnden Tristesse passte sich auch das Spiel der Roten an, ging der RWE doch schlussendlich sang- und klanglos mit 0:3 unter. Der einzige Trost für die Fans dürfte sein, dass man sich sowieso im Niemandsland der Liga befindet und daher die richtige Schlacht zur Zeit außerhalb des Stadions geschlagen wird (Stadionneubau, nicht das was Ihr wieder denkt…)

Nach dem Spiel sollte es noch zur Familienzusammenführung in der bekannten Bichlieblingskneipe kommen, wo aber die Vernunft einmal mehr die Oberhand behalten sollte und man aufgrund des ereignisreichen Samstags schon früh den 1. FC gebührend anfeuerte.

Da wir erst um 12.00 Uhr nach Wuppertal aufbrechen sollten, konnte ich den Samstagvormittag tatsächlich für spießige Dinge wie den Uniflohmarkt und den Wocheneinkauf nutzen. Einfach erschreckend, wie voll die Supermärkte samstags sind – ein Glück, dass ich an diesem Tag normalerweise keine Zeit für diese belanglosen Dinge habe.  Nachdem Zwischenstopp bei ortsansässigen, arbeitnehmerfreundlichen Discounter also etwas länger gedauert hatte, geleitet mich der tapfere Snör Bertram netterweise zu HBF, so dass ich sogar pünktlich im Zug saß. Leider hatte sich das Bichumfeld heute aufgeteilt, so dass Herwig, mit dem Umfeld im Zug anreiste, während die Amateurkutten Kai-Uwe und Ewald die bequeme Autovariante bevorzugten. Trotz allem erreichten alle sicher (das Material ging schließlich in der Mitte), das Zoostadion in Wuppertal, welches man von innen nicht mehr wiedererkennt. Die eigentlich kultige Radrennbahn ist nun mehr völlig verschwunden und Gästeblock und Nordtribüne sind deutlich näher ans Spielfeld gerückt – das Stadion erinnert sehr an den alten Bökelberg, es fehlt nur die reine Stehtribüne auf der Gegengerade.

Rund 500 sogenannte Fans in Anführungszeichen fanden sich im riesigen Gästeblock ein, glücklicherweise hatte die Exekutive aber vorgesorgt und eine sympathische BFE Einheit rund um das Stadion zusammengezogen, so dass kein Dortmunder Angst vor der handvoll Wuppertalultras haben musste. Außerdem musste sich heute endlich einmal kein Stadionbesucher mehr vor herumfliegenden Gürteltaschen oder Rucksäcken fürchten, diese gefährlichen Gegenstände wurden glücklicherweise am Eingang konfisziert und sicher weggeschlossen. Die nun teilweise unkostümierten  Ultras von die Amateure sammelten sich nun zentral im Block und versuchten wie immer die Mannschaft lautstark und kreativ zu unterstützen. Leider fehlte heute etwas die „Passion“, was wohl sicher mit der Tatsache geschuldet war, dass wir bereits 15 Minuten vor Ende aufbrechen mussten, um dem immens wichtigen Spiel der Profis beizuwohnen. Das Spiel, geprägt von viel Kampf und Krampf, plätscherte in der ersten Halbzeit ohne Höhepunkte vor sich hin, eben ein typisches Duell zwei Abstiegskandidaten. Nach dem Seiten Wechsel dreht die Wuppis aber auf und kamen zu einigen Torchancen, doch glücklicherweise bewahrheite sich die alte Fußballweisheit, von den Dingern, die man vorne nicht macht – und so lag der BVB plötzlich 1:0 in Führung. Grenzenloser Jubel und spürbare Erleichterung im Gästeblock und das obwohl man kurz zuvor Zeuge einer überragenden Aktion der Ultras Wuppertal wurde. Ich muss mich korrigieren, wenn ich die Bochumer als peinlichste Ultra Gruppe aller Zeiten bezeichnet habe, die Wuppertaler sind mindestens ebenbürtig. Keine hundert Mann stark (sicherlich auch keine 16 Jahre alt…) kritzelt man ein Spruchband, das keiner lesen kann und schmeißt ein paar Kuttenschals in hohem Bogen auf den Rasen. Wenn man denkt, so kann man für Aufmerksamkeit sorgen und im Konzert der Großen mitspielen, hat man sich allerdings getäuscht. Die Reaktion, eine kurze verbale Beleidigung, muss auch dürftig gewesen sein. Entschuldigung, aber unsere Amateure gehen einfach vor.

Leider mussten wir nun das Stadion verlassen und von draußen weiter mitzittern. Während wir am Bahnhof auf den Zug warteten, erreichte uns aber die frohe Kunde, dass das Großkreutzgen wieder zugeschlagen hat und zum 2:0 einnetzte. Im der Sardinenbüchse S-Bahn sollte es nun zum Dortmunder HBF gehen, doch nach einigem Hin- und Her entschieden wir uns doch in Hagen umzusteigen, da man so tatsächlich eine halbe Stunde eher am Westfalenstadion sein sollte. Leider hatten wir die Rechnung ohne den entspannten Zugfahrer gemacht, der einen außerplanmäßigen zehnminütigen Halt in Wittbräucke (?) einlegte, weil irgendwer irgendwen (sie war hässlich) aus dem Zug komplimentiert hatte. 13 Herzanfälle später konnte es aber weitergehen, so dass wir doch fast eine Stunde vor Anstoß des „Spitzenspiels“ am Stadion ankamen. Nach all den Strapazen und dem alkoholfreien Bier in Wuppertal, gönnten wir uns erstmal ein leckeres Kronen am Freibad (der älteste Mensch der Welt bekam noch eine riesige Handvoll Sammelkronkorken geschenkt, hoffentlich werden die Reinigungskräfte das Ejakulat bis zum nächsten Heimspiel beseitigt haben), bevor wir ausnahmsweise mal den Südtribüneneingang nutzten. Diese klappte aber auch ganz ordentlich und so konnte erstmals in der Bichgeschichte, dass gesamte Bichumfeld zusammenstehen (der Vieraugenjungeverweilte als Sitzplatzkanacke Proseccoschlüfernd auf der Sitzplatztribüne), was der Stimmung zumindest nicht abträglich war. An dieser Stelle auch endlich das gebührende Kompliment an den neuen Trommler von BHH – einfach eine großartige und mitreißende Leistung. Da singt man ja doch direkt noch lieber. Getragen von der guten Stimmung auf der Tribüne machte auch der Gast aus Leverkusen das Spiel, scheiterte aber immer wieder am glänzend aufgelegten Weidenfeller.

Der BVB hatte Glück zur Halbzeit nicht uneinholbar zurückzuliegen, allerdings mußte Leverkusen in Hälfte zwei auf ihren Topscorer verzichten, so dass die Partie kippte. Unter frenetischem Jubel erzielte der Weltnixjäger ein Doppelpack und Wunderstürmer Rangelov machte kurz vor Schluss alles klar. Das Westfalenstadion explodierte heute förmlich, zum Ende des Spiel standen wirklich alle auf (sicherlich auch der Vieraugenjunge) und intonierten die bekannten Klassiker. Einfach Gänsehautatmosphäre, was würde ich dafür geben, diese Stimmung bei jedem Heimspiel zu erleben. Endlich hat man mal wieder gesehen, wie sehr der Funke von der Tribüne auf die Mannschaft überspringen kann.

Noch lange nach dem Spiel hallten die Gesänge durch die Nacht, bis irgendwann sogar wir das Stadion verließen, um die Stadionverboter abzuholen und zumindest etwas an der Atmosphäre teilhaben zu lassen. Leider wollten die sogenannten „Freunde und Helfer“ in Anführungszeichen auch noch noch ein bisschen den heutigen Großeinsatz rechtfertigen, und so drohte man doch tatsächlich Passanten die nicht auf dem Gehweg liefen mit Knüppeln und fuhr noch einmal mit dem Einsatzpanzer durch die Masse. Zu allem Überfluss ließen sich die Fans nicht einmal davon provozieren, so dass der Einsatzleiter  Ende tatsächlich trotz BFE und sicherlich drei weiteren Hundertschaften keine Festnahem vermelden kann – echt ärgerlich, wenn man diesen ganzen Aufwand nicht begründen kann. Vielleicht schaff man es ja wenigstens die Tatsache, dass beim Risikospiel zwischen Dortmund und Leverkusen alles ruhig blieb, eben auf diesen Einsatz zu schieben. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man ja gegenwärtig nur noch lachen, aber nach über 1600 Worten, will ich Euch nicht damit auch noch belehren. Wer sich richtig ärgern will, darf sich gerne noch die Aussagen über die Super Polizei bei Sport im Westen (polizeitaktisch einwandfrei geplanter Sonderzug von Wuppertal nach Dortmund, da weiss man jetzt wenigstens, wofür das „S“ in S-Bahn steht) oder bei bei Sport Inside in der Mediathek anhören.

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3 Gedanken zu “Vier Spiele in vier Tagen und ein makelloses Wochenende

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