Vielen Dank in 1312 Worten

Vielen Dank an Scholle für diesen außergewöhnlich guten Bericht

Das erlebte Wochenende begann mit einem Running Gag gleichen Battle:

Herwig, 17:28:19: Was machste heute Abend?

Scholle, 17:28:47: schlafen

Herwig, 17:28:54: okay

Herwig, 17:29:04: HoKe und ich werden Bochum gegen Frankfurt gucken

Scholle, 17:29:11: och…

Scholle, 17:29:18: Da könnt ich ja auch vorbei kommen…

Folglich marschierte diese Troika auf schnellstem Wege über Bankomat und Bierausgabestelle wie einst Thorsten Legat die Castroper Straße hinauf zum altehrwürdigen Ruhrstadion. Mein eigentlich angedachter und nach dem England-Trip redlich verdienter Meditationsabend mit Saint Pennematz muss aufgeschoben werden. Der Grund für den Abstecher in die kleine Minderstadt war die wiederholt gastfreundliche Versorgung der Bochumer Studentenschaft mit Ticketgeschenken was uns ebenfalls, wenn auch als Selbstzahler, dazu bewog diesem Gewaltspiel beizuwohnen. Der Gast aus Frankfurt wollte diese Gastfreundschaft nicht unvermindert weitergeben und lud uns nicht in seine Fankneipe Haus Frein ein sondern begrüßte uns martialisch dreinblickenden Passanten-Kutten mit einem herzallerliebsten „Wenn ihr was wollt, greift uns doch an!“. Frankfurt lässt sich halt einfach nichts gefallen. Schnell noch ein paar bekannte Gesichter begrüßt und über die gute alte Zeit geplaudert und dann ab auf den Tribüne um das Geschehen auf Rasen und Rängen verfolgen zu können.

Das Geschehen lässt sich recht einfach beschreiben. Die Herrenultras aus der Hauptstadt des Verbrechens beherrschten die armselige und fast schon bemitleidenswerte Osttribüne und wussten durch konsequenten Support zu gefallen. Optisch mit Sicherheit nicht so viel und laut wie zwei Wochen zuvor der magische Ballspielverein, für ein Freitagsabendspiel jedoch sehr ordentlich. Tifo war jedoch für Bochumer Gäste typisch nicht allzu präsent. Dabei hätte ich doch so gerne noch einmal die Knüll-Adler-Fahne gesehen. Die Bochumer Seite trat einzig nur durch eine viel zu hohe Erwartungshaltung und peinliche Stimmungsbekundungen auf. Da spielt der kleine graue Verein für Leibesübungen gegen einen überlegenen Gegner solide mit, führt sogar, muss dann den Ausgleich hinnehmen, lässt aber sonst nicht allzu viele Chancen des Gegners zu. Und was macht die in blau gewandte graue Maus? Die pfeift die eigene Mannschaft aus. Nachdem die S… G… E… SG Eintracht Frankfurt den Führungstreffer markierte wurden sogar Klassiker wie „Wir woll’n euch kämpfen seh’n!“ und „Schiri, durch Arschloch!“ zum Besten gegeben. Das Spiel endete vor rund 25.000 zahlenden und nicht zahlenden Zuschauern mit 1:2.

Pflichtbewusst ging ich Schlusspfiff direkt in die Koje um für die anstehende Ochsentour gestärkt zu sein. Die anderen beiden mussten leider noch auf eine kleine Nachhilfestunde in Sachen Mühle, Schocken und Siegermentalität über sich ergehen lassen. Während der eine oder andere also direkt durchmachte und in der Folge Probleme bei der Unterteilung zwischen Gestern, Heute und Morgen hatte, durfte ich mich schlaftrunken morgens um 4 wieder zu den ganzen Fahnenträgern in der U-Bahn gesellen. Wieso haben wir eigentlich nicht die prädestinierte U-Bahn gen Osten genommen? Die müsste doch bei entspannt wenigen Zwischenhalten über Berlin führen. Aber so ein von Polen und Koreanern pilotierter Karaokebus hat ja auch seine Vorzüge. Dass Fritz Brinkhoff gedacht wurde erschließt sich jedem regelmäßigen Leser sicherlich. Somit konnte um 9:50 ein erstes „am Ende des Tages“ und erste Anmeldungen zum Trainingslager nach Marbella notiert werden. Trotzdem war ein Großteil der Mitfahrer ob der Abfahrtszeit noch sehr müde. So wurde neben der Gesang wahlweise auch etwas dem heiligen St. Pennematz gefrönt oder aber Seelenbalsam und Lebensplanung kreiert. Ebenso wurde dem europäischen Gedanken und der A2 als Völker verbindenden Autobahn gedacht. Polnische LKW wurden paarweise durch Waschlösungen mit leicht erniedrigtem pH-Wert gereinigt, der Selbstgebranntige schloss Freundschaft mit einer litauischen Autoschieberbande.

Eben jener Selbstgebranntige sorgte dann auch für den ersten Aufreger des Tages. Nachdem in unserem Bus ein seit Mittwoch bekannter Defekt aufbrach mussten nach einer kleinen sportlichen Übung die komplette Besatzung auf die übrigen Busse verteilt werden. Alle? Nein, ein kleiner Abenteurer leistet nach wie vor der Vernunft Widerstand und stand folglich ein paar Minuten später allein am Rastplatz. Wir lassen aber niemanden stehen! Mit diesen beiden ungeplanten Tücken und einer für eine Bundeshauptstadt unwürdigen Verkehrsinfrastruktur stand man dann doch schon um sage und schreibe 14:30 am Stadion. Da die Aushändigung der Eisenstangen an die sogenannten Störer sich jedoch als sehr langwidrig gestaltete stand ich erst um 15.15h unten im Block (Grüße an Eier-Meyer!). Stramme Leistung! Der restliche Bichhaufen musste aufgrund fortschreitender Adipositas leider im Behindertenblock sitzen und dort nahrhafte und gesunde Naturprodukte zu sich nehmen. Der Selbstgebranntige hat wahrscheinlich wie schon in Muc in der Heimkurve gestanden. Den Marathon-Bich habe ich nur kurz beim Einlass gesehen.

Zum Spiel lässt sich eigentlich nur folgendes konstatieren: Wenn man als Tabellenvierter zum bisher desolaten Schlusslicht reist, mit Europapokal-Ambitionen kokettiert und eine Euphorie und ein Momentum im Rücken hat – dann MUSS man in Berlin gewinnen. Auch wenn die Hertha am Spieltag zuvor den aktuellen Meister deklassiert hat darf man nicht derart uninspiriert und passiv auftreten. Das war garnichts! Einfach jeden Ball hoch auf Lucas Barrios zu spielen, der gegen drei Gegenspieler steht und keine Möglichkeiten zum Abspielen hat, ist nach den zweifellos überzeugenden Leistungen der letzten Wochen eine Frechheit. Wieso ist Dortmund so scheiß unberechenbar? Enttäuschend, zumal der Punkt auch noch schmeichelhaft ist und die aktuelle Debatte zum passiven Abseits sicher neu befeuert werden dürfte! Aber wahrscheinlich ist das genau das wo wir hingehören und alle Ambitionen nach oben basieren gänzlich auf den Teilzeitvollgasveranstaltungen der letzten Zeit. Ohne Kowalski geht’s hier halt gar nicht rund.

Auf den Rängen das gewohnte Bild der letzten Jahre. Sicher wieder 10.000 Dortmunder im Rund. Trotzdem sollte sich die Lethargie unserer Borussen auch auf unsere Kehlen übertragen, sodass der Funke nicht wirklich überspringen wollte. Könnte auch daran liegen, dass die bauliche Konstruktion und die Weite des Runds einfach das musikalische Repertoire ziemlich einschränkt und vieles einfach zu asynchron dargeboten wird. Hinzu kommt, dass die lange Fahrt, die fehlende Nacht, die Anreisestrapazen und der bei vielen gesteigerte Suff leider nicht viel mehr Möglich macht. Es geht hier allerdings immer noch um Borussia Dortmund, darum, unsere Liebe zum Sieg zu schreien und nicht um irgendeine Sufftour wo man sich 39 Pils reinschraubt und dann sinn- und bewusstseinsentleert im Bademantel zum Affen macht! Haut doch ab zum Flippers-Konzert!

Zu allem Überfluss gestaltete sich die Rückfahrt noch besser als die Hintour und wir durften, nachdem die Abreise vom Stadion über Hamburger Chaussee und A10 sich wesentlich besser gestaltete als über die Avus, nochmal wieder 30 km zurück Richtung Berlin gondeln um den Fahrer des gestrandeten Busses aufzunehmen um uns dann wiederrum in Magdeburg zu treffen und auf eine angemessene und angestammte Anzahl von Bussen zu verteilen. Wenn man bedenkt, dass diese Bustour eine der teuersten jeder Saison ist kann einem da schon der Kaffee aufgehen. Es war somit auch nur konsequent, dass ich auf der Rückfahrt irgendwann von der Nanny auch zur Rabenmutter wurde. Trotzdem darf man an dieser Stelle noch einmal lobend – nomen est omen – unseren Namen zitieren. Es gibt sicher angenehmeres als nach so einem Spiel und solch Reisestrapazen auch noch nachts, im Nichts auf einen versprengten Teil der Gruppe zu warten.

Das restliche Stück gestaltete sich im Nachgang etwas entspannter. Da unser Nobelbus leider keine Toilette besaß, die Musik meist ein halbes dB zu leise und die Heizung meist ein halbes K zu kalt war schoss sich ein Teil direkt mit Schnaps ins Koma, LC und Sconvolts DO zauberten sich in eine andere Welt. Andere zogen es vor sich ohne Beschleuniger in die Traumwelt abzusetzen. Ein letztes Häufchen aufrechter genoss ehrlichst erworbenen und von Hafendirnen gepressten Sekt und lauschte den Schwänken des sensationellen Busfahreres Jürgen! Der Jürgen ist eher ein Feind der derberen Sprachwelt und sein Lebenswandel dürfte grundlegend und wegweisend für Straight Edge gewesen sein: Er berichtete von einem Obolus für homophile Felatio (wie der VfL aufm Rasen, der Hurensohn), der neuen Sexsteuer in Iron City und den prophezeiten geomorphologisch sehr wertvollen Tropfsteinhöhlen, den soziokulturellen Disparitäten in Alexandria, den primären Aufgaben von Prostituierten, der Penetranz von Rosinenpflückern, seinem netten Chef und dem auch sonst sehr gemütlichen Betriebsklima im Hause Nies-Reisen.

Leider ist der Bericht jetzt etwas länger geworden, aber 24 Stunden Auswärtsentmenschung, eine unfähige Mannschaft, ein unfähiges Busunternehmen und eine gewisse Portion Frust brauchen einfach ihren Platz.

Vielen Dank

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10 Gedanken zu “Vielen Dank in 1312 Worten

  1. Pingback: Tinneff's Blog
  2. schnurzeletti schreibt:

    Um mich auch noch mit dem nächsten Blog anzulegen, nur der Hinweis, dass wir für unsere Publicity einfach alle bekannten Blogs mit Pingbacks verlinken 😉

  3. Hen Se schreibt:

    …Aber so ein von Polen und Koreanern pilotierter Karaokebus hat ja auch seine Vorzüge…

    Mist, hab ich was verpasst? Oder einfach nur eine kleine Lücke?

  4. VM schreibt:

    @schnurzeletti:

    Du hast noch vergessen, dass man sich nur der Publicitiy wegen beim Gesichtsbuch und in diesem StudiVZ angemeldet hat. Auch die Kommentierungen in diversen BLOX (Gruß ans BVB-Forum) dienen lediglich der Bekanntmachung der eigenen Rumpelkammer.

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