Wie aus einem Kecktag ein Keckwochende wurde

Vor einigen Wochen entdeckte unser Vorzeigvierling Horst-Kevin eine durchaus interessante Kostellation, mit der der gemeine Fußballfan bei Wein, Weib und Gesang die Anspannung vor dem Spiel gegen den Mythos vom Niederrhein sinnvoll und produktiv bekämpfen konnte. Bei der obligatorischen Lektüre der Spielpläne der kommenden Woche stellte er wieselig fest, dass wir am vergangenen Freitag direkt zwei Spiele der zweiten Bundesliga live sehen konnten. Zuerst sollte es nach Oberhausen zum Abstiegskrimi zwischen RWO und der Koblenzer Turn- und Spielvereinigung gehen, bevor wir in der Landeshauptstadt noch dem Duell Düsseldorf gegen Fürth beiwohnen wollten.

Problemlos wurde das Bichumfeld aktiviert und so trafen sich am vergangenen Freitag sechs spätrömisch-dekadente Arbeitsscheue im ungewohnten Raucherbereich auf Gleis 7. Mit dem entsprechenden Proviant ausgerüstet fuhren wir mit der S-Bahn in die Heimat des bulligen Kaufmanns, wo wir wie beim letzten Mal in der örtlichen Bahnhofskneipe einkehrten. Leider ist dort das illegale Glücksspiel mit Würfeln. Bechern und Gläsern untersagt, so dass es zeitnah ins städtische Stadion ging. Dort gammelten wir mehr oder weniger erfolgreich bei strömendem Regen vor uns hin,registrierten die nicht unverdiente Oberhausener Führung und zitterten der Halbzeit entgegen. Schnell eine Taxe telefonisch geordert und am Ausgang sehnsüchtig auf ebendiese gewartet. Leider hält die Taxiinnung im westlichen Ruhrgebiet nur wenig von Ortskenntnis und Pünktlichkeit, so dass wir zu sportlichen Höchstleistungen gezwungen wurden, um den Zug nach Düsseldorf noch zu erwischen.

Völlig durchnässt und doch innerlich ausgedörrt ließen wir uns schlussendlich doch in einem Abteil nieder und verwirrten die Schaffnerin mit fünf verschieden Fahrkarten bei sechs Leuten. Kurz danach hatten wir schon die kurze Strecke nach Düsseldorf bewältigt und erreichten nach kurzer Stärkung in flüssiger Form auch das Sponsorennamenstadion. Glücklicherweise hatten wir uns die Karten zu Schnäppchenpreisen im Vorverkauf gesichert und mussten auch nicht lange anstehen. So verpaßten wir lediglich die ersten zwei Minuten, aber die Gäste aus Fürth warten glücklicherweise solidarisch auf uns und betraten den Block ebenfalls erst kurz nach Spielbeginn.

Obwohl wir ein Spiel aus der gleichen Liga sehen sollten, war es doch ein signifikanter Unterschied zwischen dem familiären Malocherstadion in Oberhausen und der mit fast sechs mal so viel Zuschauern gefüllten Multifunktionsarena. Allerdings gefiel der Komfort auch einigen Bichultras, so viel zur Aversion gegen den modernen Fußball.. Unverständlich für mich, wie man den „Komfort“ eines lieblosen Zweckbaus einer durchnässten Jacke und einer phosphathaltigen Holzkohlebratwurst vorziehen kann. Aber jeder wie er will, dann soll man sich im Umkehrschluss aber auch nicht über penetrante Werbeflyerverteiler und entsprechende Überwachungsmöglichkeiten beschweren.

Ein Nullzunull der besseren Sorte mit zugegebenermaßen ordentlicher Stimmung später machten wir uns flugs auf den Heimweg und erreichten pünktlich zur Geisterstunde die viel zitierte kleine Kneipe in unserer Straße. Dort verschoben wir noch gefühlte zwanzigmal den Abschied des schlausten Menschen aller Zeiten und labten uns ein wenig am goldenen Nektar.

Irgendwann verschlug es mich aber dann doch in die Kirche des St. Pennematzes, wo der tapfere S. Bertram sich allerdings beide Decken des heimischen Schlafgemaches zu Eigen gemacht hatte. Ganz Gentleman der alten Schule verzichtete ich also auf meine Bettdecke und erwachte dementsprechend halberfroren in den frühen Morgenstunden. Eigentlich gar nicht so schlecht, war ich doch wenigstens pünktlich wach und in der Lage mich bereits am Vormittag in die Bierhauptstadt zu begeben. Nach einigen administrativen Terminen, stieß ich gegen 14.00 Uhr endlich zu meinen beiden Fanbichbrüdern, dem gestern verlorenen Bichumfeld und dem am Vortag ebenfalls anwesenden 1860-Manuel⁴² (Herz TM), dem die vorabendlichen Abenteuer wohl so gut gefallen haben, dass er sein gesamtes Wochenende seiner Lieblingsfamilie widmen wollte.

Gewohnt eloquent meisterten die Bichs die anstehenden Gesprächsrunden und verzehrten getreu dem sg.de Motto „If you can’t pay the price, don’t roll the dice“ noch einige mehr oder weniger freie Freibier, bevor man ins altehrwürdige Westfalenstadion aufbrach. Dort an der üblichen Stelle diesmal außergewöhnlich gut gesehen, verzichteten doch die Ultraultras diesesmal auf ihr exzessives Fahnenschwenken. Huberto Carlos erwies uns heute die Ehre, mal auf seine Kuttenfreunde zu verzichten und tatsächlich den Ballspielverein von 1909 anzufeuern, so dass die Stimmung auch relativ gut war. Dies kann zugegebenermaßen auch am Spielverlauf gelegen haben, schrubbte der BVB doch die Mythosfohlen mit dem Klappdach (extra für sg.de Slang Magnus) ohne große Gegenwehr mit 3:0. Schade, dass man ein solches Ergebnis nicht einfach acht Tage zu vor hatte feiern können. Trotzdem scheinen sich Mannschaft und Fans ganz gut ausgesöhnt zu haben, bis auf wenige Ausnahmen waren die Fans nach dem Spiel doch zufrieden. Es bleibt zu hoffen, dass wir nun eine ähnliche Serie wie in der Hinrunde starten, dann können wir aus eigener Kraft das Tor nach Europa aufstoßen.

Nach dem Spiel ging es dann mit den Ultras zur Stube, wo wir die leckeren Brötchen der Sek SV verspeisen durften (Danke dafür). Ein rundum gelungener Abend sollte nun folgen. Nächste Woche gerne wieder! Leider machte der eine oder andere Vieraugenbich etwas eher schlapp und ließ sich aber von seinem Ansprechpartner fähig nach Hause begleiten. Glücklicherweise hatte er aber keinen Fisch dabei, so dass am HBF in Kulturhauptstadt nicht mehr getanzt werden musste.

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3 Gedanken zu “Wie aus einem Kecktag ein Keckwochende wurde

  1. El Hombre Abeja schreibt:

    La cucaracha, la cucaracha,
    Ya no puede caminar;
    Porque no tiene, porque le falta
    Marihuana que fumar!

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