Werse mal gefahren!

Der vergangene Samstag stellte die Betreiber dieses Blogs vor große Herausforderungen, denn mit dem Spiel der Amateure vom BVB gegen Wuppertal, dem Auswärtsspiel vom asozialen Super-RWE in Ahlen und natürlich der Hochzeit vom Süßen, hielt dieser eine Terminflut par excellence für uns bereit. Und das obwohl wir bereits arg gebeutelt sind, nur noch in 193 von 194 Ländern dieser Welt frei empfangen werden können und uns wahrscheinlich auch das kommende Zentralkomitee aus AfD und CSU am liebsten sofort verbieten würde. Dennoch haben wir es mal wieder geschafft, zu all diesen Großereignissen einen Vertreter zu entsenden. Aber der Reihe nach:

Für den Stahlbich und den Tischtennisbich begann der Tag pünktlich um 12:29 Uhr im Raucherbereich des Essener Hbfs, ausgerüsfortuna3tet mit einigen Dosen des zu guten Lebens und natürlich ausreichenden, zur Erdung vorgesehenen Getränken aus dem Hause Stauder. Im angenehm leeren RE 6 waren außer uns nur noch die Jungs von der Porno Crew unterwegs zum Spiel, die uns freundlicherweise auf ihren Tickets mitnahmen. In deren Begleitung befand sich außerdem ein vollkommen normaler Waliser, der kompetent die weiteren Halte vorhersagte: “Jetzt kommt Scheiß Wattenscheid, dann kommt Scheiß Bokum, dann kommt Scheiß Dortmund. Wir hassen alle!” Ohne weitere Zwischenfälle gelangten wir so nach Ahlen. Vor Ort entschieden wir uns kurzfristig dazu, das Spiel doch im Gästeblock, anstatt wie ursprünglich geplant auf der Tribüne anzugucken. Das stellte sich bei tropischen Temperaturen als großer Fehler heraus, denn der Gästeblock lag komplett in der Sonne, weswegen wir vorerst auf Bier verzichteten. Auch die anderen RWE-Fans kamen offensichtlich zum selben Schluss, denn zur Halbzeit waren auf einmal die alkoholfreien(!) Getränke ausverkauft. Sicherlich ein Novum bei einem Spiel von den Roten, kann man das Gekicke doch eigentlich nur bei ausreichendem Bierkonsum ertragen. Auch dieses Spiel hielt wieder einmal, was es versprach und so war RWE von zwei schlechten Mannschaften immerhin die leicht bessere, allerdings ohne große Torgefahr ausstrahlen zu können.

Bis zur 41. Minute. Da fasste sich Tolga Cokkosan ein Herz und knallte einen Ball, den ein Spieler mit seinen Fähigkeiten normalerweise über die Tribüne hauen würde, einfach mal volles Rohr in den Winkel. Der Brustlöser! Der Dosenöffner! Der Momefortuna4nt, ab dem die PS endlich auf die Straße gebracht werden konnten. Der Bock war umgestoßen! Das brutal dicke Ahlener Brett fast gebohrt. Rot-Weisser Rahnsinn! Nur vier Minuten später gelang RWE dann sogar noch das 2:0, bevor man beschloss, das Spielen wieder einzustellen. Vier Minuten voller Glückseligkeit also, das kommt einem irgendwie bekannt vor…

In der zweiten Halbzeit wurde das Ergebnis dann geschickt “verwaltet” und kurz vor Schluss sogar noch ein weiterer Treffer nachgelegt. Einziger Aufreger nach der Pause der Moment, als Ex-Spieler Emre Yesilova den Ball vollkommen unnötig in den Essener Block jagte. Auswärtssieg, zu Null gespielt, erstmals in dieser Saison drei Tore geschossen. Alles in allem also eine erfolgreiche Auswärtsfahrt. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Roten gegen einen erschreckend schwachen Gegner kein gutes Spiel zeigen konnten.

Mit drei Punkten im Gepäck machten wir uns also auf den Rückweg, der uns zunächst nach Dortmund führen sollte. Den Zug mussten wir uns mit KIZ-Fans und mit Bill Kaulitz teilen, der sehr empfindlich reagiert, wenn man sich auf seine Sachen setzt, die so wertvoll sind, dass sie einen eigenen Sitzplatz im Zug benötigen. Scheiß Tokio Hotel!

Parallel zu diesem epochalen Knotendurchschlag geschahen auch in der Kampfbahn zu Dortmund wunderliche Dinge: Die Roten Erde war ausverkauft! fortuna5Die Fanszene hatte aufgerufen sich des widerwärtigen Brausevehikels aus Leipzig zu verweigern und stattdessen den alten Oberliga West Klassiker Borussia Dortmund – Wuppertaler SV zu gönnen. Und augenscheinlich waren rund 8.000 Traditionalisten gleicher Meinung und genossen Bier, Bratwurst und Borussia in vollen Zügen. Das mit dem Genuss muss allerdings etwas eingeschränkt werden, denn für den BVB kam der Andrang offensichtlich überraschend, sodass man für ein Getränk über eine halbe Stunde anstehen musste und auch die Einlasssituation höchst unprofessionell wirkte. Mit der subjektiven Sicherheit, die dem angsterfülltem Zuschauer durch das Prozedere vorgegaukelt werden soll, ist es nicht weither. Wenn schließlich der Metalldetektor nahezu explodiert wenn er einen Turnbeutel voller Münzen scannt, dieses potenzielle Risiko dann aber überhaupt nicht beachtet wird sondern der Träger einfach weitergeschickt wird ist es genauso lächerlich wie T-Shirt-Trägern die bloßen Arme abzutasten und nicht vorhandene Hosentaschen zu kontrollieren. Freunde: Das ist albern! Vom Spiel kann man nicht viel berichten. 0:0 zur Halbzeit und auch zum Schluss. Tabellenführung passé. Schöpft Rot-Weiss neue Hoffnung?

Es folgte Part 2 der samstäglichen Veranstaltung mit der Radioübertragung des Spiels aus Leipzig, zu der sich auch die Ahlener Reisegesellschaft nebst anderer Kackseckel in der Kurve einfanden. Und wieder passierte das, was zu erwarten war: Immer wenn ein Thema auf der Fanseele brennt, wenn man Hoffenheim in die zweite Liga schießen kann, wenn man den Blauen mal ordentlich einen auf den Deckel geben kann, wenn man zur Heimpremiere Red Bull und dem Geisteskranken mal ordentlich einen einschenken kann – dann greift der BVB tief ins Pomadefass und verkackts zünftig und auf ganzer Linie. Wenn man es nicht besser wüsste und die Mannschaft in anderen Spielen ganz andere Leistungen abruft, könnte man sich in die Zeiten von rotem Sekt und UI-Cup zurückbeamen. Also bleiben vom Abend neben schlechten Erinnerungen nur die eloquenten Zeitzeugnisse vom Ski- und Hubich im WDR, der Glaube an die Fanszene und die Bestätigung, dass die überwiegende Presselandschaft schon längst von Red Bull gekauft wurde.

Sportlich bestätigte sich zudem wieder einmal das altbekannte BVB-RWE-Paradoxon: Es kann nur einer pro Wochenende gewinnen: Seit Anfang der (goldenen) Saison 2010/11 passierte das nämlich nur 42-mal und davon im laufenden Kalenderjahr erst einmal. Andererseits gab es in diesem Zeitraum auch erst sechs absolute Kack-Wochenenden, an denen sowohl der BVB als auch RWE verloren – und das immerhin trotz RWE!

Da der Samstag zumindest die BVB-Sympathisanten nicht wirklich mit Toren verwöhnen konnte, sollte zumindest am Sonntag dem Wochenende noch eine letzte Chance gewährt werden. Unglücklicherweise wurde dem Eliteuniversitäts-Bich Herwig eine Sitzplatzkarte für das Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Greuther Fürth aufgezfortuna2wungen. So begab es sich folglich, dass wir uns, bepackt mit dem der Welt erstberstem und zweitbesten Bier, Richtung Landeshauptstadt aufmachten. Wieder saß – mutmaßlich – Bill Kaulitz in unserem Vierer und verweigerte die Herausgabe der Colaflasche zum Öffnen unserer Erdungsgetränke. Düsseldorf gegen Fürth – wie in alten Zeiten könnte man sagen, nur dass wir damals noch spätrömisch-dekadent und arbeitsscheu waren. Wie damals wollten wir natürlich dem Hauptbahnhof entgehen und die praktischen Shuttle-Busse vom Flughafen nutzen, wurden jedoch wie bereits am Vortag als Ewiggestrige entlarvt und standen perplex an der Bushaltestelle, ohne dass jemals ein Shuttle-Bus gekommen wäre. Folglich mussten wir uns über Umwege Richtunfortuna1g Messeparkhaus durchschlagen um noch rechtzeitig den Kartendealern ‘Hallo’ zu sagen, die billigste Eintrittskarte zu erwerben – was sich in Düsseldorf immer recht fair gestaltet und zum Anpfiff pünktlich auf den billigen Plätzen zu sein. Wahrscheinlich das einzig Positive von Düsseldorf. Perfekt auf die Partie vorbereitet (wir kannten immerhin vier von 22 Spielern) folgten wir dem Spiel, das, wie man immer wieder bemerkt wenn man auf Höhe der Mittellinie sitzt, ein völlig anderes zu sein scheint als wenn man wie sonst üblich hinter dem Tor steht. Links von uns die 1000 Verrückten aus Fürth, rechts von uns die Düsseldorfer Kurve, die erschreckenderweise nicht einmal die Zaunfahnenplätze voll bekommt bzw. immer noch Platz für die Bukkake-Crew hat. Gleichwohl sind 25.000 aber auch eine ordentliche Zahl für ein Sonntagsspiel in der 2. Bundesliga.

Schon Am Freitag geht es an der Hafenstraße mit der Partie gegen den SC Verl weiter. Ideale Bedingungen sich gegen einen bäuerlichen Underdog fürstlich zu blamieren.

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