Operation Barbarossa reloaded!

Es wird kolportiert, dass es die krasseste Auswärtsfahrt und das krasseste Spiel der jüngeren Geschichte war. Völlig geplättet kommt da bei mir in der Nachlese auch einiges an Historie durch einander. Wir bitten um Nachsicht. Da aber die anderen Blogs eh nicht schreiben, haben wir sowieso recht!

Wer in den letzten Tagen und Wochen den Völkischen Beobachter aufschlug wurde immer wieder mit polnischen Provokationen konfrontiert. Die allgemeine Mobilmachung war schließlich der Funke im Pulverfass Europa(pokal). Auch unser sympathische Hooligan-Bus von Bakka-Bakka-eh-eh reihte sich ein. Angeführt vom adipösen Oberstudienrat und Jan und Harry, den besten Busfahrern der Geschichte, die sich in Dortmund dann auch mal ein Bild davon machten, WEN und vor allem WARUM man einen Bus nach Galizien fahren müsse. Bereits in Dortmund-Ost wurde der Mongo-Bus von polnischen Guerrilla-Aktionen getroffen sodass wir erste Verluste hinnehmen mussten. Das Opfer wurde kläglich am Straßenrand zurückgelassen, schließlich war er nur noch eine Last für uns. Ganz wie in Berlin!

Kommando „Bich“, ganz vorne an der Front, bestand neben dem Oberstudienrat noch aus dem Leutnant der Reserve Kort (mit stummen Izzle) Inzky, der Medienbeauftragten (Gute Besserung!), einem alten Kriegsveteranen, der mit seiner Erfahrung aus unzähligen Schlachten unser Unterfangen unterstützen sollte und einem Fachmann auf dem Gebiet flüchtiger biologischer Kampfstoffe – und eben mir. Wie auch schon nach Dresden ging es vorbei am Polenstrich, durch das Mansfelder Land mit seinen pitoresken Überbleibseln des Kupferbergbaus, Telefonzellen auf der Autobahn und gigantisch langen Regionalzügen. Zusätzlich galt es in einer Audienz am Kyffhäuser beim Namenspatron für unser Abenteuer noch die letzte Salbung für unseren heiligen Krieg zu erhalten. Da schließt sich der Kreis. Passendes martialisches Einheizen erfolgte durch ein neues cineastisches Stilmittel: Die Shuffle-Funktion! Perfekt angewendet merkt niemand, dass ein bereits perfekter Film nochmal deutlich besser wird! Insgesamt konnte die Medienbeautragte mit einem unerwartet grandiosen Potpourri des schlechten Geschmacks aufwarten!

Aber diese Meilensteine der Filmgeschichte braucht‘s einfach wenn man fast 24 Stunden im Bus vor sich hinvegetiert, mathematische Rechenkünste an EU-Außengrenzen bestaunt, eine kleine fünfminütige Geschichte erzählt und einfach nur neuen Lebensraum im Osten bestaunt. Wie heißt eigentlich dieses Gen das alle Bichbrüder gemeinsam haben was einen im Bus schlafen lässt? Thilo Sarrazin? Nachdem es Blitzkriegmanier durch Polen ging wurden wir in der Ukraine dann von der Morgensonne, einem perfekt für die Europameisterschaft ausgebauten Straßennetz, Kühen und dem sympathischen Sowjet-Grau empfangen. Der Oberstudienrat fuhr dann mit einer kleinen Delegationen im Bus weiter zum Stadion und danach zum Hotel der Fahrer, welches irgendwo kurz vor Kiew lag. Die andere Hälfte der Einheit sicherte Material per Taxi, dessen Fahrer sichtlich beleidigt und erzürnt war, als man doch tatsächlich wagte sich anzuschnallen. Aber so ist das halt in Ländern wo beim Einsteigen schonmal der Türöffner abfällt. In der Folge ein paar Bären und Eichhörnchen besorgt und durch die Stadt getingelt. Leider hatte ich selbst einen ziemlich Durchhänger aber mit Schokolade, Weingummi und Hitler-Speed konnte man sich halten. Danke dafür! Immer wieder sah man bekannte Gesichter und auch im Sklavenhandel gegenüber des Restaurants hätten wir ein bekanntes Gesicht erwartet. Und da wir genauso auf Bestrafung stehen buchten wir eine Stadtrundfahrt per Bimmelbahn. Eine glatte Eins!

Wir haben also alles wichtige der Stadt gesehen. Man dürfte ja auch „keinem erzählen, dass man 2,5 Tage am Stück in Auto und Bus sitzt und NICHTS von der Stadt sieht“. U.a. erfuhren wir auf dieser sehr lehrreichen und spektakulären Fahrt, dass sich früher mal die Blauen in der Kanalisation versteckt hätten. Keine Ahnung warum?! Vielleicht weil man von unten besser an die Brunnen rankommt. Wenn man hier mal etwas Geld reinsteckt ist das in 20 Jahren die schönste Stadt der Welt! Wir können also unser Kreuz im UNESCO-Informer machen! Gegen Abend sammelte man sich am Opernplatz. Offensichtlich wohl ein Affront gegen die lupenreinen Demokraten und Jünger Stephan Banderas. Da wurde aber kurzer Prozess gemacht: „Der Bolschewik hat wie üblich zahlenmäßig überlegen an Mensch und Material Welle um Welle gegen die Verteidigungsstellungen der deutschen Ultras geworfen, doch es wurde kein Meter Preis gegeben.“ Schade ist es halt nur um die Mingvasen-Austellung. Woher diese Zerstörungswut der Gäste kam, kann sich hier keiner erklären. Unterm Strich sind aber alle heil ins Stadion gekommen (und sei es durch den Mannschaftstunnel).

Für den Spielbericht sind wie üblich andere zuständig. Es wäre auch unmöglich den Spielverlauf, die Szenerie und Atmosphäre zu beschreiben. Es war wohl die vielzitierte Hölle Osteuropas, die sich im Rund abgespielt hat und Eindrücke einer noch nie erlebten Lautstärke und Homogenität erzeugte. Einfach nur richtig geil! Dortmund hats einfach drauf Ausrufezeichen zu setzen und die Massen einfach mal zu beruhigen. Schade, dass zur EM ein weiterer überflüssiger 0815-Bau weit draußen vor den Stadtoren hochgezogen wird. Der ebenso geilste Klopp der Welt erhielt wie Frau Ricken nach dem Spiel und dem frenetischen Feiern mit der Mannschaft noch einen Sonderapplaus. Erwähnenswert ist noch die Fütterung der Raubtiere: Lucas Barrios, Marcel Schmelzer und Kevin Großkopf brachten Wasser und Obst zu den bei Blocksperre immer noch ausharrenden Fans! Mit heiler Haut und einige Gulden reicher (Busfahrer Harry, 36 Stunden vorher nicht einmal wissend, dass er Dortmund-Fans kutschieren würde, wies keckigerweise seine Frau in Holland an 50€ auf den magischen Ballspielverein zu setzen!) erreichten wir dann über dem Flüsterasphalt wieder die ukrainisch-polnische Grenze. Morgen kommt immerhin schon die Rote Armee von der anderen Seitr aus.

Und zu dem Gebaren dort hätten wir gerne sachdienliche Hinweise aus der Leserschaft. Warum stehen dort in 38 einzelnen Schlangen, 5000 Schrottkarren, die von 30 rumwuselnden Fahrern in einem absoluten Chaos (nein, ich verlink nicht!) inklusive kochender Kühler und abbrechender Stoßstangen ständig hin und her gefahren werden? Autoschieber, Benzinschmuggler oder „Mensch ärger dich nicht“? Das hat auf jeden Fall die Wartezeit an der Grenze versüßt! Verkürzt hingegen wurde sie von der super Busfahrern, die die spontane Zusatzgebühr für Deutsche Reisebusse von 10€ pro Insassen einfach ins Leere liefen ließen – schließlich waren wir ja ein niederländischer Reisebus! Das war schon richtig, dass wir auf der Hinfahrt bei der Korruptionsspirale nicht mitgespielt haben! Glücklich, endlich wieder in der EU zu sein, aber gleichzeitig ernüchtert, dass es immer noch über 1000 km sein sollten, zog sich die Fahrt gewaltig. Polen ist schon ein ziemlich großes Land. Wenn wir im Achtelfinale gegen Dynamo Kiew spielen wird die vierte Teilung Polens durchgesetzt. Für diesen Anlass haben wir uns den Sender Gleiwitz auch erstmal aufgespart und ihn dieses Mal noch nicht angegriffen.

Heim im Reich konnten wir dann auch endlich wieder zur günstigen westeuropäischen Preisen tanken und uns der inländischen Ultraparanoia hingeben. Dresden ist schon ziemlich krass. Ganze Stadt voller Späher, wir wurden von der Sektion IKEA entdeckt und förmlich überrannt! Höhe Kassel gab es auch endlich wieder heimelige und bekannte Reisebuserlebnisse und der sehnlichste Wunsch des Oberstudienrats wurde fast erfüllt. Leider war der brennende Bus am Straßenrand aber nicht der unsrige. Trotzdem schmetterten wir ein Hoch auf alte Zeiten. Auf der A44 heizte der Busfahrer mit Wechselgesängen die müde und stinkende Meute noch einmal für die letzte Stunde an und rief den Endsuff aus! Folglich konnte Stadtparfümerie Pieper Höhe in Soest auch ein schallendes „Ausverkauft“ vermelden.

Was bleibt festzuhalten? Eine absolut geile Tour, die in naher Zukunft wohl kaum zu toppen sein wird, wir werden in den nächsten 10 Jahren keine Ska-CD von Müller mehr spielen, der magische Ballspielverein spielt einen selten gesehenen souveränen Fußball und gibt niemals auf! Beim 3:2 lag alles in Trümmern und unsereiner hatte mit dem Spiel abgeschlossen. Aber wir haben‘s geschafft! Mit dieser Einstellung ist mir vor morgen nicht bange! Wir wollen den Derbysieg!

Jan von L‘viv

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4 Gedanken zu “Operation Barbarossa reloaded!

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