Und schon wieder keine Schale…

Veröffentlicht in Pflückebeutels Abenteuer mit den Tags , , , , am Mai 16, 2013 von schnurzeletti

Was haben das letzte Auswärtsspiel der Saison und die erste Runde im Pokal gemeinsam? Kenner der BVB Fanszene werden sich ob der Schwierigkeit dieser Frage vor Lachen kringeln, schließlich ist die Antwort denkbar einfach – beide Spiele sind prinzipiell die Höhepunkte Dortmunder Ausgelassenheit, wobei Außenstehende wohl häufig ein anderes Wort mit gleichem Anfangsbuchstaben benutzen würden…
Aber fangen wir vorne an. Wie jeder Fußballfan in einer erfolgreichen Europapokalsaison musste auch Euer adipöser Lieblingsfettling am Brückentag an die Schüppe, um das arg strapazierte Überstundenkonto ein wenig aufzubessern. Aufgrund der komfortablen Situation auf den pünktlich zu „unserer WM“ dreispurig ausgebauten Autobahnen des Ruhrreviers entschied ich mich entgegen meiner üblichen Gepflogenheiten für die Autoanreise, die mir auch erlaubte noch die Flyer für die „Kein Zwanni“ Aktion nach Hause transportieren zu können. Glücklicherweise hatte ich aufgrund des Neunzigertages am Vortag noch den lokalen Radiosender des Sektors einprogrammiert, so dass ich von der Verlosung der Freikarten für das Sektorderby zwischen RWE und dem Wuppertaler SV am Abend erfahren könnte. Unter Einsatz meines Lebens und nur zweifachem Verfahren auf der Autobahn gelang es mir auch „#Biergerdi“ rufend zwei dieser begehrten Tickets zu ergattern, so dass ich den Rest des Tages im Wesentlichen damit verbringen konnte, Abnehmer für ebendiese zu finden…

Gegen 17:00 Uhr sollte also endlich am bekannten Kopfbahnhof das Wochenende eingeläutet werden, wo sich neben den üblichen Verdächtigen heute auch ein Einsatzhubschrauber unserer Freunde und Helfer einfinden sollte, um den reibungslosen Ablauf eines Viertligaspiels zu gewährleisten, bei dem immerhin knapp 700 Gäste anwesend sein sollten. Da wahrscheinlich nicht nur mäßig begabten Elitestudenten die Worte fehlen, um zu beschreiben, w ie überflüssig dieser Aufwand ist, springen wir sofort ins Stadion, wo sich immerhin die beiden Fanszenen zum Anfang ordentlich bepöbelten und auch entlang des teuren Sitzplatzbereiches einige Gegenstände austauschten. Das Spiel sollte für die Gäste ungleich wichtiger sein, da diese am heutigen Abend den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen konnten, während die Heimmannschaft seit der Niederlage gegen Fortuna Köln sowieso im Niemandsland der Tabelle unterwegs ist und scheinbar auch nicht mehr mit der letzten Konsequenz zu Werke geht. Dementsprechend ging der WSV schon nach 2 Minuten mit dem ersten Torschuss in Führung und der Gästeblock, in dem sich mehr Fans befanden als gewöhnlich bei den Heimspielen der Wuppertaler anzutreffen sind, verfiel in Ekstase und trällerte einmal das komplette BVB-Kuttenrepertoire vor sich hin.

Etwas lethargischer ging es im Heimbereich zu, wo viele wohl ein ähnliches Debakel wie in der Vorwoche befürchteten (1:6 Heimniederlage gegen Mönchengladbach 2). Immerhin leisteten die Roten heute aber heftige Gegenwehr und so wurde das Spiel schlussendlich mit dem letzten Aufgebot nur knapp verloren. Die Tribünen honorierten den Einsatz der arg dezimierten Truppe, in der unter anderem zwei A-Jugendliche ihr Regionalligadebut absolvierten. Schön zu sehen, dass Kampf und Einsatz hier noch entsprechend gewürdigt werden.

Nach dem Spiel versuchten wir noch unser Glück an der bekannten Tankstelle, wo wir zwar noch den ein oder anderen Dortmunder (teilweise mit Piercing) trafen unser aber köstliches Heilwasser verwehrt wurde, da die Essener Horden bereits alles aufgekauft hatten. Letzte Hoffnung war die Freundin unseres Cousins (bekannt aus diversen Beschattungen), die noch am Hafenstübchen einige Granaten organisieren konnte. Irgendwann war aber auch hier das Bier ausgetrunken und so machten wir uns trotz des ominösen Rauchverbotes noch auf in die bekannte Hipsterkneipe, wo wir entweder Fotos von köstlichen Matetee mit bunten Streuseln bei Instagramm teilen konnten oder einfach ein paar Bierle in unsere Prachtkörper schütteten. Entgegen der Wünsche des tapferen Rächer der Gerechten verzichteten wir aber auf eine zünftige Eskalation und zogen in Anbetracht der zu erwartenden Strapazen am Folgetag eine Audienz beim St. Pennematz vor.

Dankenswerterweise hatte Kai-Uwe angeboten die Flyer, meinen Bierkasten und mich mit dem Vieraugenmobil zum HBF zu kutschieren, wo sich im Raucherbereich eine illustre Reisegruppe einfinden sollte. Die beiden kuscheligen Bichs konnten sich heute über zahlreiche Groupies freuen, so begleiteten unter anderem die Schmenkfahne, Gesundheitsfetischist Biergerdi und der lange verschollene Hundefreund Eure Protagonisten in Richtung Bierstand. Dort stellte der Oberhausener Ökotropholge sofort fest, dass weder die Bier noch die Zigaretten Vorräte annähernd drei Stunde ausreichen würden und so wurden einige Konsumgutscheine an die örtlichen Bahnhofsgeschäfte verteilt. Aufgrund der stressfreien Erfahrungen in dieser Saison hatten wir uns erneut für die Anreise mit dem Sonderzug entschieden, der sich so ziemlich die ganze Dortmunder Fanszene anschließen sollte.

Leider unterlief uns der klassische Anfängerfehler und wir machten es uns im ersten Abteil des Zuges in kleiner Runde bequem. Verhängnisvollerweise war dies auch das erste Abteil auf der Kontrollrunde des Schaffners, der uns unter Aufbietung all seiner rhetorischen Kräfte doch tatsächlich ein Wochenendticket aus den Rippen leiern konnte. Skandalös, schließlich sind wir jahrelange in der Gewissheit konditioniert worden, dass wir zwar als Fans keinerlei Rechte haben, wenn es um die Verpflegung an Umsteigebahnhöfen oder die Behandlung als freie Bürger unserer noch freieren Überrepublik geht. Im Gegenzug gestatten uns dafür alle Verkehrsunternehmen aus Mitleid freie Mitfahrt und das Recht überall – auch im Metronom – rauchen und trinken zu dürfen. Pah! Immerhin wieselten sich die geizigsten Fans noch mit Verweis auf theoretisch existierende Fahrkarten in anderen Abteilen aus der Affäre, während sich die anderen Fahrgäste in unserem Abteil auf wundersame Art und Weise verdrückten… Immerhin sah der Schaffner irgendwann die Hoffnungslosigkeit seines Unterfangens ein und verließ auch an der Landesgrenze den Zug.

Von diesem Schock erholten wir uns aber gewohnt schnell und ohne weitere Vorkommnisse erreichten wir die KdF-Stadt bei Fallersleben um die Mittagszeit, wo sich die Reisegruppe auf Dönerladen und Stadionvorplatz verteilen sollte. Für mich und den schlausten Menschen der Welt stand nun die Vorbereitung des Kein Zwanni Protestes auf der Agenda und so verteilten wir Flugblätter, klärten die Fans auf und sichteten die örtlichen Gegebenheiten. Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle dem Fanprojekt Dortmund, die uns vorbildlich unterstützten und sogar den Kontakt zu den entscheidenden Personen bei den Sicherheitsdiensten herstellten. Völlig reibungslos wurde unser Ansinnen den Stehplatzblock aus Protest gegen die Topspielzuschläge 20 Minuten leerzulassen genehmigt und im Gegensatz zu den Aktionen in Hamburg stieß unser Aufruf auch dieses Mal beinah ausschließlich auf offene Ohren.

Schlussendlich beteiligte sich tatsächlich der komplette Block an der Aktion und auch die Sitzplätze verhielten sich weitestgehend solidarisch und schlossen sich in großer Anzahl unserem Protest an. Auch wenn viele Fans sich wohl nur deshalb anschlossen, weil es im Gegensatz zum Hamburg Boykott dieses Mal nur um zwanzig Minuten bei einem Spiel um die goldene Ananas ging, kann die Aktion durchaus als Ausrufezeichen verbucht werden. Wiedermal haben wir ein deutliches Zeichen gegen die fortwährende Kommerzialisierung unseres Lieblingssportes gesetzt und nicht nur ein eindrucksvolles, aussagekräftiges Bild generiert sondern auch den Weg in sämtliche Formen der Berichterstattung gefunden. Vielleicht gelingt es uns doch in Zukunft die intrinsische Motivation des Einzelnen zu stärken und auch weiterhin erfolgreich gegen horrende Eintrittspreise zu kämpfen.

Tommy, sg.de

Tommy, sg.de

Zumal sich auch langsam erste Erfolge abzeichnen, Abschaffung der Topspielzuschläge in Dortmund, Verzicht auf Topspielzuschläge im Gästeblock beim ungeliebten Nachbarn, Halbierung der Zuschläge in Mönchengladbach und faire Preise in Düsseldorf sind nicht zuletzt auch Verdienst des Kampfgeistes der organisierten Fanszenen. Wir erwarten mit Spannung, was die Zukunft noch mit sich bringen wird.

Müßig zu erwähnen, dass ohne aktiven Gästeblock die neumodische Allerweltsarena einem akustischen Friedhof glich, zumal auch die Wolfsburger Szene derzeit wohl aufgrund diverser Probleme nicht aktiv in Erscheinung tritt. So wurde es lediglich dann laut, wenn der Gästeblock hinter Tribüne lauthals bezahlbaren Fußball forderte und als Sven Bender zur zwischenzeitlichen Führung einnetzte. Beim Wolfsburger Ausgleichstreffer durch den Ex-Borussen Ivan Perisic ertönte dann noch der bekannte Wolfsburger Torjingle und schon waren ersten zwanzig Minuten vorbei und die Fans konnten endlich (oder leider) vom Bierstand in den Block wechseln. Dort lieferte der Gästehang eine solide Vorstellung ab und feierte Trainer, Team und Fans gebührend für eine weitere gelungene Saison, deren Höhepunkt uns in der Folgewoche erwartet.

Wir verließen nicht ganz mit Abpfiff den Schauplatz des Rangelns um pünktlich zu ebendiesem den Bus in die Tristesse namens Innenstadt zu nehmen, wo wir uns noch zu sensationellen Preisen bei der Lieblingsanwältin des Biergerdi verköstigen ließen und einen Kasten edlen Tropfens zum Schnäppchenpreis erstanden. Danach konnten wir endlich zum gemütlichen Teil des Tages übergehen und ließen den Tag im ordentlich versifften Abteil – dieses Mal in der Zugmitte – gemütlich ausklingen.

Freitag Abend – was tun?

Veröffentlicht in Pflückebeutels Abenteuer mit den Tags am Februar 27, 2013 von Horst-Kevin

Allein die Frage regt den gemeinen Bich eigentlich ja schon so sehr auf, dass sein Blut in Wallung gerät und er nicht mehr klar denken kann. Nun ist allerdings der völlig undenkbare Fall eingetreten, dass unser geliebtes Familienfettschwein auf Kuba ausspannt – oder wie Allesfabi sinngemäß sagt: „Das Durchschnittsgewicht auf Kuba ist zur Zeit signifikant erhöht“ – und sich somit momentan sämtliche fußballerischen Leckerbissen  entgehen lässt. Kann jawohl nicht wahr sein dachten sich auch Kai-Uwe und Horst-Kevin, vor allem vor dem Hintergrund, dass letzten Freitag ein – um in der bekannten Bich-Terminologie zu bleiben – wahres Keckspiel auf dem Programm stand. RWO – Viktoria Köln, wer kann sich diesen Regionalliga-West-Schlager schon freiwillig entgehen lassen? Also ließen wir „das kleine Ruhrpottderby“ (Zitat Sky) gekonnt links liegen und reisten mit großer Erwartungshaltung in die Heimatstadt des #biergerdi um bei feinstem Wetter ein 0:0 der schlechteren Sorte zu bestaunen. Zusammen mit uns wollten der beste Lehrer der Welt, der bereits zitierte Allesfabi sowie sein Vater und dessen Kumpel Jürgen das Spektakel bestaunen. Da man als Lehrer natürlich nicht immer an alles denken kann, musste auch diesmal (wir erinnern an das Niederrheinpokal-Halbfinale in Uerdingen) die Klassenkasse statt der eigenen Brieftasche für die Finanzen herhalten. Die muss ja schließlich für irgendetwas gut sein. Ausgerüstet mit Bier und Döner ging es zum Stadion und dort konnte man zumindest kurz erkennen, dass Herwig uns im Geiste begleitete, als Kai-Uwe eine Vollkrise wegen der am Kassenhäuschen angeschlagenen Eintrittspreise bekam. Fast 10 Mark für einen Steher bei einem verfickten Regionalligaspiel, da wär man an so einem Abend doch lieber zu Hause geblieben, hätte man es nur vorher gewusst! Nachdem sich jedoch herausstellte , dass die Eintrittspreise aus der Vorsaison (oder der davor, wer weiß das schon genau?) stammten, ließ sich Kai-Uwe sehr schnell besänftigen – Herwig hätte den restlichen Abend die gesparten zwei Mark gefeiert, schäm dich Kai-Uwe! – und wir konnten ins Stadion gehen. Dort konnten wir dann wirklich Erstaunliches sehen: Zum einen waren die Toiletten in der Emscherkurve ausnahmsweise mal nicht eingefroren, was eine wirklich gute Nachricht für die beiden anwesenden Miniblasen war. Nicht schlecht für Oberhausen! Zum anderen hatten sich tatsächlich ca. 60 äußerst gefährliche Viktoria-Hools/Ultras/sogenannte Fans zu dem Spiel verirrt. Nicht schlecht für so einen Scheißverein!

Die Geschichte des Spiels ist dann schnell erzählt: RWO spielte Viktoria Köln, die immerhin mit einem Sieg wieder an die Tabellenspitze zurückgekehrt wären, an die Wand.  Zwar wurden bei den Kölnern weder Albert Streit noch Giovanni Federico an diesem Abend eingesetzt, aber dennoch standen genügend Hochkaräter wie Mike Wunderlich oder Alexander Voigt auf dem Platz. Dennoch hätte sich der Gast auch über eine 6:0-Niederlage nicht beschweren können, es wurde am Ende immerhin ein 2:0. Wirklich eine starke Vorstellung von Oberligahausen, das war im Vorfeld wahrlich nicht zu erwarten. Wir waren sogar so euphorisiert, dass wir bei der Humba nach dem Spiel, vorgetragen von Rückkehrer Marcel Landers, lautstark mitmachten! Wirklich toll so eine Humba. Um das Ergebnis zu feiern, nahmen wir die Einladung von Bichonkel Markus an, der lediglich zwei Kästen Bier für diesen Abend besorgt hatte und uns gerne mit in sein trautes Heim nahm. Außerdem hatte er selbstverständlich dafür gesorgt, dass uns die weltbeste Autofahrerin Kati am Stadion abholte. Leider war es jedoch nicht so einfach zu dieser weltbesten Autofahrerin zu gelangen, denn da war ja noch die talibanähnliche Busbesatzung aus Köln. Als wir den Zugang zum Gästeblock passieren wollten, wurden wir von der Staatsmacht leider daran gehindert. Die Bullenschweine erklärten uns dann auch auf äußerst freundliche Art und Weise, dass die Talibans das Spiel ja verloren hätten und deshalb bestimmt etwas missmutig wären und wir daher warten müssten, bis der Bus abgefahren sei. Schade, dass das Fettschwein nicht dabei war, das wäre sicherlich für ihn der Höhepunkt an diesem Abend gewesen. Wir waren leider nicht so aufmüpfig und warteten daher ruhig und besonnen, bis die Gefahr vorüber war. Herwig wäre nicht gerade stolz auf uns gewesen…

Auf diesen Schock mussten von uns natürlich in lustiger Runde noch einige Biere vernichtet werden. Zu uns gesellte sich neben den bereits erwähnten Personen noch Allesfabis Kumpel Jupp (leider habe ich seinen richtigen Namen sofort wieder vergessen). Da Jupp selbstverständlich Bayernfan ist und sein Vater bei den Bullenschweinen arbeitet, ließen wir unseren gesammelten Fanfrust an ihm aus. Glück jedoch für Jupp, dass Herwig nicht vor Ort war. Das wäre nach der Vorgeschichte kein lustiger Abend für ihn geworden. Zu vorgerückter Stunde setzte der wie immer sehr fürsorgliche Kai-Uwe dann seinen typischen Nach-Hause-Geh-Blick auf, um uns zu signalisieren, dass es nun Zeit für uns wäre. So brachte uns Kati dann gegen Mitternacht erst sicher zu McDonalds und anschließend in heimische Gefilde, wo ein lustiger Abend sein Ende fand. Danke für die ganze Fahrerei!

Schlicht aber gerecht!

Veröffentlicht in Pflückebeutels Abenteuer mit den Tags , , , , , , , , , , , , am Februar 18, 2013 von schnurzeletti

Lange lag Euer Lieblingsblog brach, Arbeit, Urlaub, Hochzeit, Trauzeugentätigkeiten und Schulfest verhinderten zwar eine zeitnahe Aufarbeitung der fußballerischen Ereignisse rund um den Ballspielverein, hielten uns aber nach wie vor nicht davon ab, alle wichtigen und unwichtigen Spiele zu besuchen.

Leider müsst ihr an dieser Stelle auf Perlen wie die Einweihung des Schwimmbades Essen, ein Hallenturnier mit einem wirklich hervorragendem Renner und die diversen Partien seit dem Auswärtsspiel in Manchester verzichten, aber dafür entschädigt Euch hoffentlich ein gewohnt sachlicher Bericht über das Auswärtsspiel in Donezk.

Geplant wurde die Reise bereits im vergangenen Jahr, natürlich standesgemäß direkt nach der Auslosung und parallel zur standesamtlichen Hochzeit des beliebten Familienfettlings, vom kompetenten Reiseleiter #Biergerdi. Noch bevor die diversen Charterflüge feststanden, hatte sich eine illustre Reisegruppe bei der bichschen Lieblingsairline Ukraine International eingebucht und vorbehaltlich eines Reisepasses für BVB-Fan Neuling Horst-Kevin stand einem weiteren Abenteuer nichts mehr im Wege.

Am Dienstag morgen erwartete am Essener Kopfbahnhof der frisch geschmückte Rote Blitz mit seinem Steuermann #Biergerdi den klügsten Menschen der Welt, FCU Ben und die beiden Wissenschaftsbichs, um die erste Etappe zum verschneiten Frankfurter Flughafen zu bewältigen. Getreu dem bekannten Motto “fette Raucher nach vorn” gestaltete sich die erste Etappe bis zur Ruhrtalbrücke gewohnt souverän. Dort büßte der rote Blitz zur Freude der weiteren Verkehrsteilnehmer dann leider seinen neuen Kopfschmuck ein, was aber unsere eigene Schuld war, schließlich wurde Herwigs Vorschlag, mit geöffneter Motorhaube die Reise zu bestreiten, konsequent ignoriert. Schnell die anderen Autofahrer mit Rauchzeichen auf die potentielle Gefahr aufmerksam gemacht und weiter ging die wilde Fahrt. Der schlauste Mensch der Welt nutzte die kreative Atmosphäre (“Unser Verein”) im Heck des Fahrzeuges und sorgte noch en passant für eine günstige Parkgelegenheit und schon erreichten wir das Rockerparadies in der Nähe des größten deutschen Airports.

Eine humorvolle Shuttle Fahrt später kam es dann zum ersten Aufreger des Tages, als Horst-Kevin den anwesenden Fans die Wartezeit am Schalter verkürzen wollte und vorschlug, das erste Dosenbier des Tages zu konsumieren. Tatsächlich wagte es der leicht angeschlagene Fettling, das Angebot abzulehnen, was für haltlose Spekulationen der Reisegruppe und regen Nachrichtenverkehr in die Heimat sorgte. Skandalös. Einen Verbündeten fand Herwig glücklicherweise in dem extrem gelassenen Steward am Check In, der den Gerstensaft sowieso untersagte und sogar willkürlich als Ausschlussgrund für den Flug titulierte. Klar, dass sich die #Biergerdi Mentalität diesen Schikanen nicht unterwirft und dementsprechend noch weitere köstliche Biere zu absolutem Schnäppchenpreisen konsumiert wurden.

Der Flieger selber war dann erstaunlich leer, so dass wir alle genügend Platz hatten und uns in den kommenden 2,5 Stunden der Welt des Pennematzes, des Rotweins, der Erdnüsse zu vorzüglichen Gramm-/Leistungsverhältnissen oder unserer Sammelleidenschaft äußerst wertvoller Oi!-CDs widmen konnten. Die weiche Landung im Nebel wurde dann auch von den Insassen zur Freude des #Biergerdis mit Applaus gewürdigt, wobei ich bei allem Fremdscham zugeben muss, dass mir als Pilot aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse schon ein bisschen mulmig zumute gewesen wäre.

In Kiew begrüßte uns dann neben der typischen Ostblock Tristesse auch unsere Freunde der Einreisebehörde, aber wider Erwarten hatte wir alle innerhalb weniger Minuten unsere Einreisestempel. Mittlerweile war auch der Familienfettling auf wundersame Weise genesen (was 180 Minuten so ausmachen können, überrascht nicht nur Euch Leser…), so dass die ersten Bären unter den Einheimischen verteilt wurden und einem zünftigem Gelage vor der Sicherheitskontrolle nichts im Weg stand. Zu unserer Freude gesellte sich auch der verlorene Sohn aus Thailand zu unserer Reisegruppe, der erfreulicherweise noch genauso verwirrt wie immer ist. Man würde sich nicht wundern, wenn er eines morgens erneut sein Frühstück mit dem heiligen Gerhardis einnehmen würde.

Nachdem wir doch irgendwann die vermeintlich letzte Zigarette konsumiert hatten, mussten wir die Beine in die Hand nehmen, um noch rechtzeitig am Gate für den Anschlussflug nach Donezk zu sein. Im Bus Richtung Maschine stellten wir dann allerdings fest, dass wir es tatsächlich im winzigsten Terminal aller Zeiten geschafft hatten, den #Biergerdi aus den Augen zu verlieren. Bevor wir aber in Panik geraten mussten, erschien er fröhlich singend (das Lied ist jetzt auch in der i-Button App verfügbar) mit einem frisch gezapften Pils in den Händen im Bus und verkündete, dass er noch eben im geheimen Raucherbereich nun die wirklich letzte Zichte geraucht habe.

Auch auf Inlandsflügen lassen sich die Piloten der Ukraine International nicht von so Banalitäten wie dichtem Nebel abschrecken und so starten wir bei extrem widrigen Verhältnissen gen Osten. Allerdings konnten wir nun bei der Besatzung erste Ausnahmeerscheinungen beobachten und auch #Biergerdi gab sich einem ausgedehntem Power Nap hin. Genauso unspektakulär wie der Flug gestaltete sich auch der Flughafen in Donezk, dessen Bierbude allerdings erstmals auf der Reise mit echten osteuropäischen Preise Pluspunkte sammeln konnte. Dank einem bekannten Poeten der Dortmunder Fanszene (“Hafen =…”) stand für unsere Reisegruppe bereits ein im Vorhinein gebuchter Shuttle Bus zum Hotel bereit, so dass wir gekonnt die Feilscherei mit der allgegenwärtigen Taximafia umgehen konnten.

Das Hotel selber entpuppte sich als wirklich noble Luxusbude, das nach einigem Hin und Her auch unsere Buchungsbestätigung akzeptieren wollte. Leider bekamen wir zwar die gewünschten Doppelzimmer, die aber über jeweils ein Doppelbett verfügten. Pech für Horst Kevin, der sich seine Matratze nun mit dem sympathischen Herwig teilen durfte, zu dessen Vorzügen neben seiner voluminösen Leibesfülle auch die Kunst ausgedehnter Schnarchkonzerte zählt. Immerhin schafften wir es dank äußerst diplomatischen Geschick der wohlgerundeten Rezeptionistin (#Aufschrei, #WerderInnen) noch für alle Mann ein köstliches Frühstück am nächsten Morgen aus den Rippen zu leiern.

Während es dem Großteil der anderen BVB Fans genügte mit den letzten Überbleibseln der Sponsoren und VIP Party die Hotelbar zu beehren, zog es unsere Reisegruppe noch in die triste Innenstadt, wo wir den erstbesten 24 Stunden Supermarkt beehrten und uns mit lokalen Köstlichkeiten eindeckten. Stilecht bei Nieselregen an einer überdachten Straßenbahnhaltestelle durften wir ein kulinarisches Highlight nach dem anderen erfahren, insbesondere die irrtümlich für Aioli gehaltene Paste aus Fischabfällen und die magere Pferdefleischsalami (ob die richtig etikettiert war?) werden für immer in Erinnerung bleiben. Absolut hervorragend! Unser Versuch den Nachgeschmack (und Durst) herunterzuspülen drohte zunächst kläglich zu scheitern, da wir in der Arbeiterstadt Donezk einfach kein Pendant der Arbeitergaststätten des Ruhrgebietes finden konnten. Aber aufgeben gilt bekanntlich nicht und so kontaktierte unser Diplomat #Biergerdi die nächstbesten Wodka trinkenden Passanten. Durch Rumschreien und Anfassen konnten wir so immerhin in Erfahrung bringen, wo sich der vom BVB als Treffpunkt ausgerufene Liverpool Pub befand. Schnell noch das Angebot, uns von der ebenfalls anwesenden jungen Dame gegen ein gewisses Entgelt begleiten zu lassen, abgelehnt und ab in das Donezker Nachtleben. Leider war auch hier gar nichts mehr los, einzig aus einem dubiosen Pokerschuppen schien das Licht noch auf den Gehsteig, was uns aber dann doch nicht überzeugen konnte.

Eigentlich hatten wir schon aufgegeben und waren wieder auf dem Heimweg zum Hotel, als wir auf der anderen Straßenseite zwei recht skurrile Gestalten beobachten konnten. Offensichtlich berauscht von der ukrainischen Landluft torkelten die beiden auf der Suche nach einem Taxi über den vierspurigen sowjetischen Prachtboulevard und geradewegs in unsere Richtung. Da wir einerseits die Gefahr lieben und andererseits auch schnell erkannten, dass beiden auf deutsch lallten, dachten wir uns, dass wir von den beiden zumindest noch einen Tipp bezüglich der weiteren Abendgestaltung erhalten könnten. Witzigerweise entpuppten sich die beiden bei näherem Hinsehen als nicht gänzlich unbekannte Vertreter der Dortmunder Fanszene, die uns mit Rat, Tat und ökotrophologischen Ratschlägen zu Verfüng stehen konnten. Komplettiert wurde die Szenerie dann noch von einem ukrainischen Schachtjor Fan, der allerdings schnell einsah, dass mit den beiden Ernährungswissenschaftlern nicht mehr allzuviel anzufangen war und stattdessen mit uns in die nächste Spelunke (die ich übrigens von Weitem noch für ein Sonnenstudio gehalten hatte) wankte. Dort ließen dann vier Fünftel von uns den Abend beim leckerem einheimischen Bier ausklingen, bevor es im Hotel ins gemütliche Doppelbett bzw. noch mehrere Male an die Hotelbar ging.

Am nächsten Morgen weckte uns zu nachtschlafener Zeit das Telefon,wo uns mitgeteilt wurde, dass wir tatsächlich frühstücken gehen konnten. Am Buffet trafen wir dann auch auf weitere BVB Fans, die durchaus von der vergangenen Nacht gezeichnet schienen. Manche hatten wohl ihr Hotelzimmer noch gar nicht von innen gesehen, dafür aber das komplette Bier an der Hotelbar verzehrt und die ein oder andere Flasche Wodka aus der Bar in den Frühstücksraum entführt. Nach leckerer Mahlzeit und der obligatorischen Frauentauschfolge sammelte sich unsere Reisegruppe zur Mittagszeit im Foyer, wo wir dann auch auf eine Abordnung aus dem Tagesflieger trafen. Von nun begleiteten uns neben den bekannten Bichumfeldlern Lord Izzlo und der Schmenkfahne auch der uns bis dato unbekannte Flötenpolierer und sein Kumpel. Diese glänzten dann noch durch Fachwissen und hielten einen nicht näher genannten Fan davon ab, eine exklusive “Tanzbar” zu besuchen, da sich die “Tänzerinnen” gerne mit K.O.-Tropfen statt Parfüm behelfen sollen…

Leider hatten die beiden keine Lust mit uns das Lenin Museum zu besuchen, so dass wir auf weitere Perlen der Weisheit verzichten mussten. Vorbei an den empfohlenen Sehenswürdigkeiten (Klotz von Donezk, alter Klotz von Donezk, Donezker Klotz 21) passierten wir die diversen Lenin Denkmale und erreichten schlussendlich das Wahrzeichen der Stadt, eine weitere – zugegebenermaßen riesige – Lenin Statue. Das zu besuchende Museum entpuppte sich glücklicherweise als Kneipe im englischen Stil, so dass wir es uns an der Bar gemütlich machten und dank freiem WLAN die Handys zum glühen brachten. Wäre ja auch zu doof, sich miteinander zu unterhalten, wenn man sich einfach die ganze Zeit schreiben kann. Zwei Bier später entschieden wir, dass wir den ukrainischen Vorbericht sowieso nicht verstehen und entschlossen noch ein Häuschen weiterzuziehen. Während die Hälfte gerne den imaginären Hafen der Stadt besuchen wollte, entschied sich ein kleiner Teil noch eine im Facebook beworbene Karaoke Bar aufzusuchen. Aufgrund der vorherrschenden alkoholgeschwängerten Stimmung wurde das Vorhaben aber abrupt beendet und am Fluss Kalmius trafen wir wieder auf den Rest der Reisegruppe. Dort verschlug es uns dann in eine Taverne am Ufer, wo wir mehr oder minder erfolgreich versuchten uns die Bäuche mit örtlichen Spezialitäten vollzuschlagen. Trotz im Gegensatz zum Vorabend wirklich leckerem Essen, ließ die Größe der Portionen unglücklicherweise zu wünschen übrig. Scheinbar muss man hier jede Beilage einzeln bestellen, andernfalls erhält man nur ein Stück Fleisch und ein paar Salatblätter. Leider waren die Kellner zwar sehr bemüht, aber die Verständigung miteinander war wirklich suboptimal, vor dem nächsten Ukraine Besuch müssen wir dringend ein paar Brocken Russisch lernen.

Nach dem Essen oder einer etwas umständlichen Bezahlprozedur machten wir uns auf zum ausgerufenen Treffpunkt. Auf dem Weg dorthin suchten wir noch schnell einen Geldautomaten auf, um noch die nötigen Bären für den Rest des Tages einzusammeln. Dort hackten dann alle wieder auf dem FCU Fan rum, der leider niemanden beleidigen durfte – gemeiner Haufen, wo doch ausgerechnet Union Berlin das Sicherheitskonzept der geliebten DFL in allen Punkten abgelehnt hat. Kurz vor dem oben erwähnten Liverpool Pub mussten wir allerdings noch einmal rechts abbiegen, da eine Leuchtreklame uns in eine schicke Kellerbar lotste. Dort trafen wir auch auf äußerst frivole andere BVB Fans, mit denen Herwig gemeinsam zur Belustigung der Mitreisenden einen Mojito Cocktail zum Schnapperpreis verzehrte. Glücklicherweise konnte der tapfere Snör Bertram von Herwig selber informiert werden, bevor der Rest der Reisegruppe das wieder vorhandene Gratis WLAN ausnutzen konnte. Nachdem dann auch der FCU Fan von seinem Fototermin wieder da war, zahlten wir schnell und suchten noch einen nahgelegenem Supermarkt auf, um uns mit Proviant für die Rückreise einzudecken. Dies verstauten wir dann kompetent im Gepäckraum unseres Hotels bevor wir ebenso kompetent noch ein paar Bier in uns verstauten und die letzten paar Meter zum Stadion spazierten.

Das Stadion selber gilt Einheimischen zufolge als größte Attraktion der Stadt, was zweifellos viel über die Stadt selber aussagt. Für mich ist das Stadion ein typischer Kommerztempel mit beheizten Rängen und gänzlich ohne den Charme der klassischen Ostblockstadien. Leider scheint aber auch in der Ukraine der moderne Fußball (hier in Form der Europameisterschaft) angekommen zu sein, immerhin waren aber heute die Eintrittspreise im Gegensatz zu unserem Gastspiel in Lemberg mit sechs Euro äußerst human. Dementsprechend war das Stadion auch fast ausverkauft und wider Erwarten war die Stimmung auch gar nicht so übel wie befürchtet. Ähnlich wie in Lemberg war im ganzen Stadion ordentlich Alarm, auch wenn sich die Anfeuerung auf einfache aber brachiale Schlachtrufe konzentrierte. Der Gästehang konnte leider nicht an die Leistungen der anderen Europapokalauftritte anknüpfen, allerdings verhinderte auch das Verbot von Trommeln und Megaphon die Koordination der Gesänge, so dass wir oft eher im Kanon als gemeinsam sangen. Das Spiel wird ja sicherlich jeder von Euch mittlerweile gesehen haben, so dass wir uns eine gründliche Analyse an dieser Stelle sparen können. Die Ausgangsposition für das Rückspiel könnte auf jeden Fall schlechter sein und zumindest meiner Meinung nach hat sich die Mannschaft ordentlich präsentiert.

Erstaunlicherweise gab es nach dem Spiel nur eine wirklich kurze Blocksperre und abgesehen von der unverständlichen Eigenart der Miliz, alle nur durch einen winzigen Spalt im Zaun aus dem Stadion zu lassen, funktionierte der Abmarsch reibungslos und ohne Probleme erreichten wir wieder unser Hotel, wo wir auch die letzte Stunde vor Eintreffen unseres Shuttle Busses im kostenfreien WLAN vergammelten. Wie auf der Hinfahrt brachte uns ein erstaunlich moderner Reisebus zum Flughafen, der von unzähligen BVB Fans bevölkert wurde. Glücklicherweise fanden wir im Ankunftsbereich noch einige freie Sitzgelegenheit und alberten so vor uns hin, bevor Reiseleiter #Biergerdi uns äußerst kompetent in den Flieger eincheckte und endlich dem heilgen St. Pennematz huldigen konnte.

Glücklicherweise konnte ich in allen Flugzeugen und an allen Flughäfen von meiner eindrucksvollen Pennematzfähigkeit Gebrauch machen, so dass ich doch recht entspannt irgendwann in den Mittagsstunden wieder im verschneiten Frankfurt eintraf. Dort noch schnell ein Rentnerpärchen um den Schlaf gebracht, den roten Blitz bestiegen, eine Bank gegründet und das verlorene Schild gesucht, bevor eine weitere strapaziöse aber dennoch absolut denkwürdige Tour leider am Essener HBF zu Ende ging. Hoffen wir mal, dass wir noch mindestens eine tolle Tour gemeinsam bestreiten können, Istanbul soll doch immer eine Reise wert sind!

Das ist der Schnurzel, das ist der Schnurzel!

Veröffentlicht in Pflückebeutels Abenteuer mit den Tags , , , , , am Oktober 15, 2012 von Horst-Kevin

Viele wollten einen Bericht über die unfassbaren Vorkommnisse des Wochenendes schreiben.Am Schnellsten war jedoch – und das ist keine Überraschung – der Lord alias Schumi alias Kortizzle. Lasst uns also gemeinsam mit ihm noch mal die Erlebnisse vom Samstag Paroli ziehen (oder so ähnlich):

Am letzten Spielfreien Wochenende vor dem großen Termin sollte der größere Termin, nämlich der Junggesellenabschied für Schnurzel erfolgen. Da das Datum ja leider schon durchgesickert war, musste man den Junggesellen also mit dem Programm überraschen, malte er sich doch letztes Wochenende noch aus, dass er zum RWE geht und wollte sich dies durch betrunken-subtiles Nachfragen bestätigen lassen. Die Planung der übrigen Bichbrüder und des Hundeliebhabers sah jedoch ein anderes Arrangement vor.

So fuhr Schnurzel mit dem Bus Richtung Innenstadt, um Servietten kaufen zu gehen, was sein eigentliches Vorhaben für den Samstag sein sollte. An der Haltestelle wurde er jedoch vom bierlustigen Abenteurer mitsamt seiner Peitsche und drei verschiedenen Peitschen-Apps – sicher ist schließlich sicher – erwartet. Biergerdi trieb den Junggesellen so direkt Richtung ZOB, wo die anderen im Bus auf den Junggesellen warteten. Nach der Begrüßung der Mitreisenden stieg Schnurzel voller Erwartung, was da so kommen mag, in den von Klaus hervorragend pilotierten Bus. Da es sich um einen Linienbus handelte mussten wir auf CD-Player, Kühlschrank und Klo verzichten. Abhilfe schafften eine Ghettoblaster, gut vorgekühltes Dosen-Bitburger, sowie ausreichend Pinkelpausen, die von einigen sogar zum Rauchen genutzt wurden. Musikalisch untermalt wurde die gesamte Fahrt mit einem Potpourri von Spekkas gesammelten Werken und begann mit einer gepflegten Schumania.

Während der Fahrt mutmaßte der Gast des Tages, dass es wohl zum Waldgeist gehen werde und das sogar trotz des Rufs, dass dort nicht so gut Schnitzel essen ist. Tatsächlich hielt der Bus dann mit etwas, raucherpausenbedingter, Verspätung an besagter Lokalität und man ließ sich an den reservierten Tischen nieder. Zuerst kamen die Getränke. Der Junggeselle bekam zur Feier des Tages den „Bembel des Todes“, dessen Inhalt aus 8 Liter Bacardi-Cola bestand. Als jeder sein Getränk hatte gab es eine kurze Rede des heiligen Gerhardis, der sich für seinen Sohn freute und sich bei den Organisatoren für die Planung bedankte. Dem kann man sich nur anschließen. Pünktlich nach der Rede kam dann das Essen, welches zwar aus riesigen Portionen bestand, aber man konnte sehen woher der Ruf des „nicht gut Schnitzel essen“ kommt. Bei der Bestellung des Junggesellen lief nämlich einiges schief. Er hatte Jäger bestellt und Zigeuner bekommen – der Klassiker.

Gut gestärkt ging es dann wieder in den Bus. Schnurzel vermutete, dass der Weg nun in die Heimat gehen sollte, aber da hat er die Rechnung ohne die Organisatoren gemacht. Schließlich sollte es an diesem Tag alles geben, was dem Adipösling Spaß macht. Also ging es mit dem Bus ins nahe gelegene Eddersheim, wo man den Hessenliga-Knaller FC Eddersheim gegen den FSV Braunfels sehen wollte. Schnurzel konnte sein Glück beim Betreten des Stadions kaum fassen. Nach Erledigung der Formalitäten (Eintritskarten und Bier kaufen), gesellte sich die ganze Feiergemeinschaft auf die schmucke Tribüne an der Staustufe. Da man sich aber nicht nur auf die Einnahme kühler, flüssiger Hefeteilchen beschränken wollte, war es nun die Aufgabe, den abgeschlagenen Tabellenletzten zum Heimsieg zu brüllen. Einige sogenannte Fans nutzten hierfür sogar die Bandenwerbung für ausgiebige Trommeleinlagen. Im Laufe des Spiels zeigte sich, wo die großen Zuschauerstarken Clubs wie der RWE oder die SGD ihre Lieder herhaben. Dort ist man nämlich nicht kreativ, sondern bedient sich des Liedgutes aus Eddersheim.

Soll schallte es während des gesamten Spielverlaufs von der Tribüne die Gassenhauer „Eddersheim, aiaiaiai“ oder „Wir halten zusammen, Eddersheim, Eddersheim“. Und sogar die benachbarten Mädels haben in der zweiten Halbzeit dann mit eingestimmt, so dass ein durchaus gelungener Wechselgesang zu Stande kam. So kam es dann wie es kommen musste und der FC Eddersheim zeigte sich absolut überlegen und gewann hochverdient mit 4:1 gegen die favorisierten Gäste aus Braunfels. Kaum zu glauben, dass wir hier ein Heimspiel des Tabellenletzten gesehen haben, der in den ersten 12 Spieltagen lediglich 4 Punkte geholte hat. Ab jetzt wir es aber, im Wissen um 31 neue Fans, sicher mit dem Club bergauf gehen.

Nach dem Spiel ließ es sich die Mannschaft nicht nehmen, mit den besten Fans der Liga gemeinsam für ein Gruppenfoto im Tor zu posieren, obwohl die Krawallbrüder hierfür den Platz stürmten. Wenn das der DFB sehen würde. Als wir die anschließende Frage eines der Spieler, ob wir denn Bier mögen würden – allein die Frage regt einen ja schon auf – freudig mit ja beantwortet haben, stellte uns die Mannschaft am Vereinsheim auch prompt eine Kiste regionalen Brauerzeugnisses hin. Dieses Geschenk nahmen die Fans gerne an und gesellten sich zu den Spielern und übrigen Gästen ins und um das Vereinsheim. Da in Eddersheim aber nicht nur die Mannschaft, sondern der ganze Verein unfassbar gastfreundlich ist, wurde nach kurzer Zeit die leere Kiste durch eine volle ersetzt. Im weiteren Lauf des frühen Abends wurden dann noch einige Fotos mit dem Junggesellen gemacht, auf denen er voller Stolz seinen neuen FC-Eddersheim-Schal präsentieren konnte. Dass auch die Spieler der Hessenliga echte Sportler sind, bewies die Mannschaft, als sie Schnurzel für ein Abschiedsfoto schulterten und dies verletzungsfrei ablief. Der Muskelkater kommt bestimmt. Als der Bus vorfuhr und sich die Essener Reisgruppe verabschiedete, gab es zum Abschied noch eine Kiste flüssiger Wegzehrung und die restlichen Eddersheimer verabschiedeten sich mit Applaus von der Busbesatzung, also quasi wie ein ganz normales Auswärtsspiel, wenn die Staatsmacht mal frei hat.

Zurück auf der guten deutschen Autobahn wurde die bekannte musikalische Untermalung dann kurz unterbrochen, da es eine weitere Dankesrede des Heiligen gab. Anschließend wurde dann auch endlich der Hosenzwang aufgehoben, so dass einige sich endlich normal benehmen durften. Zum Glück hat man nicht mit dem Biereinkauf gegeizt, so dass es auf der Rückfahrt, auch dank des Eddersheimer Geschenks, nicht zu einer Unterbrechung der Nahrungskette kam. In den späteren Abendstunden rollte der Bus dann auf einen bekannten Supermarktparkplatz, von wo aus es dann endlich in die Perle der Essener Gastronomie ging.

Im Rullich erwarteten die weit gereisten, inzwischen wieder hungrigen, Schlachtenbummler dann mehrere kalte Fleischplatten und der gute Markensenf mit dem alten Wappentier des werbefreien Ballspielvereins. Einzig der geladene Dieter war nicht zu erblicken, da er aufgrund unserer Verspätung, schließlich wurden wir in Eddersheim festgehalten, leicht beleidigt nach Hause gegangen war, da er ohne uns nicht an das Buffet durfte. Zumindest wurde dies so überliefert. Nach einem kurzen Anruf war dann aber alles wieder OK und auch Dieter fand sich ein. So konnte der Abend im geliebten Ambiente der Essener Superkneipe dann eingeläutet werden. Große Teile der Dortmunder Fraktion nutzen dann die Möglichkeit mit dem gemieteten Bus zurück nach Dortmund zu kommen. Vielen Dank nochmal an Klaus für die Fahrerei.

Im Laufe der weiteren Nacht leerten sich die Plätze im Rullich dann, bis sich dann schließlich auch der Junggeselle verabschiedete. Bleibt zu hoffen, dass er diesen Tag angemessen genossen hat. Doof verkleiden kann sich bei JGA schließlich jeder, aber wer schafft es schon durchweg positiv in die regionale Presse (Anm. d. Red.: Man beachte unbedingt den äußerst heiligen Leserbrief unter dem Artikel!)?

Lieber Schnurzel, ich wünsche dir alles Gute für dein Eheleben und bleib bitte so wie du bist! (Anm. d. Red.: Du Fettschwein!)

Biergerdi on Tour!

Veröffentlicht in Pflückebeutels Abenteuer mit den Tags , , , , , , am Oktober 9, 2012 von schnurzeletti

Werte Leser,

lang ist es her, dass euer Lieblingsblog euch mit aktuellen Informationen rund um den magischen Ballspielverein versorgt hat. Einer der Bichs hat den Blog im Suff bereits mehrfach für Tod erklärt. Aber wir wären ja nicht die überaus beliebten Fettlinge, wenn wir nicht einen weiteren, sensationellen Gastautor finden könnten. Die folgenden Worte erreichten uns aus Oberligahausen, von der hässlichen Fratze des Fußballs, des bulligen Bankkaufmanns und Vorzeigeraucher Biergerdi.

Mittwoch, 03:50 Uhr: Gerade hat der Wecker geklingelt, vor dem pinkeln geh ich erst einmal auf den Balkon eine rauchen. Um 5.15 treff ich mich mit der kleinsten Blase der Szene, dem Skibich, dem Vieraugenjungen und der Schmenkfahne. Jetzt noch schnell duschen, eine durchziehen, Tasche packen, eine quarzen und dann geht es auch schon mit dem roten Blitz nach Amsterdam.

Mittwoch, 05:15 Uhr: Meine Mitreisenden sind alle pünktlich und freuen sich, dass ich Kaffee mitgebracht hab. Ehrensache, dass ich den Kaffeebecher als Aschenbecher nutze. Schließlich darf man in Holland ja keine Kippen aus dem Fenster schmeißen. Aber irgendwo müssen die Stümmel der 12 Zigaretten doch hin. Der Biertommy will ja auch rauchen.

Mittwoch: 06:00 Uhr: Gerade haben wir die Grenze zu Holland erreicht. Erst mal eine rauchen. Mir ist ein bisschen kalt, ich drehe die Heizung ein halbes Grad wärmer und ändere den Radiosender kurzfristig auf einen Holländischen Technosender. Leider funktioniert die CD von Spekka nicht, wäre bestimmt voller Kuttenhits gewesen.

Mittwoch: 08:15 Uhr. Haben am Flughafen geparkt, alles easy. Spekka macht sich sorgen dass wir den Flug verpassen, Biertommy und ich, dass wir vor Abflug kein Bier mehr trinken können. Beides klappt allerdings und in der Kneipe gibt es auch einen Raucherraum. Puh, da kann ich mir vor Abflug ja noch drei Zichten reinballern, dazu eine köstliches Amstel für 6€.
09:09 Uhr Nach der Sicherheitskontrolle warten wir aufs Boarding. Wegen der Uhrzeit mach Spekka erst einmal eine Humba. Die anderen Kutten am Gate sind begeistert.

09:20 Uhr: Hätte Spekka mal die Menge nicht so angestachelt. Beim einsteigen singen die ersten Kunden Mexico, und das wo wir doch nach Manchester fliegen. Gott sei Dank ist der Flug nicht so lang, 1:20 Stunden ohne Zichte sind schon lang genug. Um die Zeit bis England zu überbrücken zieh ich mir nen Pennematz rein. Muss gleich fit sein, weil sich keiner von den anderen Luschen traut den Mietwagen zu steuern. Nur weil das Steuerrad rechts ist, was für Spießer. Denen fehlt es an der Biergerdimentalität. Ich muss mir ernsthaft überlegen, dem Tommy seinen Biertitel wieder zu entziehen. Da muss er heute schon mehr leisten.

09:45 GMT: Unter euphorischen Biergerdi on Tour Gesängen steuere ich den Mietwagen gekonnt zum Hotel. Leider handelt es sich um eine billige Kopie des echten Roten Blitz. Rauchen verboten? Die spinnen doch, die Inselaffen.

10:00 Uhr GMT: Im Hotel wird mein Hinweis, dass ich der reichste Mann Deutschlands bin, wird von der Rezeptionistin erfreut aufgenommen, als Sie meine goldene Kreditkarte durch bucht. Ein weiterer Schritt zu meiner 150€ Rückvergütung, die ich wegen der hohen Umsätze von Mastercard gutgeschrieben kriege. Während die Jungs sich fertig machen rauch ich erst einmal genüsslich eine. Gleich im Taxi darf ich bestimmt wieder nicht. Apropos Taxi, wir fahren natürlich mit dem Taxi zurück zum Flughafen um von da aus einen Bus nach Manchester zu nehmen. Nur so ist sichergestellt, dass alle was trinken können. Doch nicht so dumm der Plan vom Tommy, erst einmal darf er den Biertitel behalten.

12:00 Uhr GMT: Nach einer unauffällig getrunkenen Dose Bier im Bus erreichen wir Manchester. Spekka hat den Biergerdi light gemacht und die ganze Fahrt geschlafen. Wo ist denn da der Abenteuercharakter wenn man im Bus schläft, der nur eine Haltestelle hat? Hätte er mal im ICE oder wenigstens einer S Bahn geschafen… Aber so? Im Bus lernen wir, dass Dortmund neben einem schönen Stadion vor allem tolle Prostituierte hat. Klassiker!

13:00 Uhr GMT: Wir haben ein Pub gefunden, dass gut zu mir passt: The Bank. The smoke, the sleep oder the snore hätten zwar auch gepasst, ich will aber nicht meckern. Das Bier fließt in Strömen und inzwischen sind auch noch einige weitere Fans sowie der Schumibezwinger zu uns gestoßen. Als ich vor der Tür stehe und rauche kommt Hubert um die Ecke. Seine Einstellung gefällt mir, nüchtern ist der Junge nicht mehr.

17:00 Uhr GMT: Es ist soweit, es ist soweit! Nachdem ich 13 Pints vernichtet habe geht es zum gemeinsamen Treffpunkt. Zusammen mit Bierköbi (Jakob wurde von mir geadelt, weil er sich den ganzen Tag in bester Verfassung gezeigt hat) wiesel ich mich allerdings aus dem Mob raus und gehe noch was trinken. Die bekannte Biergerdimentalität lässt mich zusammen mit Jakob noch in ein Pub nur für Heimfans einkehren, wäre doch lachhaft gewesen, wenn wir das nicht geschafft hätten.

19:38 GMT: Pünktlich zur Hymne betreten wir den Block. Nachdem Benjamin ausgiebig angefasst wurde kann es endlich los gehen. Nervig allerdings, dass man im Stadion nicht rauchen darf. In der Halbzeit eröffne ich deshalb einen eigenen Raucherbereich auf der Herrentoilette! Schließlich ist Biergerdi ja on Tour.

22:55 GMT Spiel leider nicht gewonnen, aber wir haben uns gut verkauft, egal ob Ultra, Kutte oder Normalo, wir haben den Englischen Kackvögeln mal gezeigt, wie man im Stadion abgeht. Die Briten haben mich aber mega aufgeregt, man darf im Stadion nur auf dem Pott rauchen, Bier gibt es nicht und die zahnlosen Inselaffen ham uns auch noch die ganze Zeit angepöbelt. Die haben Glück, dass eine Kette Ordner und Bullen auf die aufgepasst haben. Während wir auf den Bus warten stürzen Biertommy und Bierköbi noch jeder schnell nen paar Dosen Bier. Ich bin vernünftig und verzichte, obwohl ich mich auch gut auf ein 17tes Bier einlassen könnte. Aber irgendwer muss die Hässlichen ja morgen früh zum Flughafen fahren. Außerdem erwartet Joe ja von mir, dass ich morgen wieder topfit an der Schüppe auflaufe.

04:30 Bevor es zum Flughafen geht, rauche ich erst mal eine. Pünktlich um 04:45 fahren wir zum Flughafen und geben den Wagen ab, ziehen noch schnell eine durch und checken ein. Im Flieger mache ich schnell ein Video, was den Trip für die daheimgebliebenen ganz gut zusammenfasst. In Amsterdam steigen wir dann in den einzig wahren roten Blitz und fahren nach Hause. Heute Abend bestell ich mir ne Pizza die in Tabasco schwimmt, und vielleicht rauch ich dann nochmal eine.

Das Pokalwochenende

Veröffentlicht in Pflückebeutels Abenteuer mit den Tags , , , , , , am September 9, 2012 von schnurzeletti

Liebe Bloggergemeinde! Euer frommer Wunsch dieser Blog habe, nachdem er alle Konkurrenz hinterrücks ermordet hat, mittlerweile selbst das Zeitliche gesegnet ist bei weitem übertrieben. Da aber Ultras niemals sterben, wird auch dieser nicht gänzlich unkeckige Familienblog niemals unter die Erde gehen. Höchstens etwas einrosten. Ergo haben wir zur Aufarbeitung der letzten Zeit etwas mehr Zeit als sonst gebraucht. Der überschäumende Elan, den die 1000. Bootsfahrt zwischen Norddeich und Norderney so erzeugt, bringt mich nun aber dazu diese Zeilen endlich zu verfassen.

Berichten wollen wir von der ersten Pokalrunde. Nach alter Sitte ist diese traditionell recht asozial. Da das diesjährige Los jedoch ungefähr so spannend war wie der 50. Er- oder besser Aufguss des Bürgerkriegs Bundesliga wollten wir die Szenerie etwas aufwerten und spickten das Wochenende mit einem Blumenstrauß bunter Fußballspiele. Aufschlag zum Keckwochenende war zum wiederholten Mal der Bahnhof Crime-Essen um von dort gemeinsam gen Norden zu fahren. Herwig, der älteste Mensch der Welt, der Bich-Steuerberater und meine Wenigkeit.

Die Fahrt blieb trotz eines Zwischenhalts in Rock-City recht ereignislos, sodass wir Dank einer Krankenwageneskorte just in time Wilhelmshaven erreichten. Da die Stadt zur Hälfte zu dem Zeitpunkt schon im Stadion war konnten wir recht komfortabel direkt vor dem Stadion parken und waren pünktlich im eben jenem. Vor Anpfiff mussten aber noch drei warme und eine kalte Bratwurst verköstigt und die Qualität des Schankbieres überprüft werden.

Das Spiel war recht ereignislos. Wilhelmshaven war zu Beginn recht übermotiviert, dann aber limitiert – Ausgburg hingegen hatte keinen Bock. Vielleicht hatte die blutleere Veranstaltung aber auch andere Gründe. Aus Insiderquellen wusste der älteste Mensch der Welt zu berichten, dass Simon Jentzsch in der Halbzeit ein halbes Mädchengymnasium wegpöllern würde. Ein frühes und ein spätes Tor, das wars dann. Erwähnen sollte man noch, dass nur diese beiden Vereine an diesem Abend dort spielten. Die Vielzahl an Hamburg-, Bremen-, St. Pauli-, Chelsea-, Leverkusen- und Nationalmannschaftstrikots muss andere Gründe haben. Die Vielzahl an BVB-Aufklebern auch. Nach Schlusspfiff ging es recht zügig zurück nach Bremen und nach einem Feierabend-Pils aus dem Hause des Ring of Fire schliefen alle glücklich ein. Vorher mussten wir jedoch noch mit dem ältesten Menschen der Welt 10 Jahre Ultra-Deutschland nachholen und ihn mit diversen Videos wieder auf Stand bringen.

Der nächste Morgen lockte mit einem unfassbar opulenten Frühstück bei dem insbesondere der Eiweiß-Haushalt in neue Sphären katapultiert wurde. Anschließend ging es Richtung Hauptbahnhof um den Rest der Familie zu begrüßen. Dieser war nach 13 Bier schon recht angeschlagen, wollte jedoch noch nicht aufstecken. Die Mitfahrer, die weniger Lust auf Bier hatten gesellten sich dann zum A2-Jugend-Klassiker der Werderinnen und Werderer gegen Georgsmarienhütte, dessen Fokus jedoch auf einem verschossenen Elfmeter aus Österreich lag. Die Kür des Tages gab es dann vom BVB im großen Weserstadion. Langweilig wie üblich, aber mit ausgezeichneter Sicht plätscherte das Spiel dahin, der BVB um Miroslav Götze, Mirko Reus und Jürgen Gott siegte locker und verdient. Nach dem Spiel verabschiedeten wir die bucklige Familie und auch den Steuerberater der Familie, der fortan nicht mehr an unserem Kracherwochende teilnehmen wollte.

Da wir unbedingt die Erfolgsfußballer aus der Kraichgau bewundern wollten suchten wir uns im Steintorfilter eine Kneipe. Zielgenau steuerten wir in eine Antifakneipe und da wir überraschend direkt zum neuen Stammpublikum befördert wurden durften wir auch bestimmen, dass nun die Sportschau gezeigt werden sollte. In diesem Zeitraum fiel auch die erste herwigsche Phase: Die Begeisterung. Da uns jedoch der Magen knurrte und nach der Sportschau auch vermehrt anderes Publikum die Kneipe betrat orientierten wir uns anderweitig und genossen einen köstlichen Dürüm, der in Dortmund bisher seines Gleichen sucht. In diesen Zeitraum fiel dann, recht früh am Abend schon, die zweite herwigsche Phase: Die melancholisch-pessimistische Wehmut. Der Abend sollte jedoch noch nicht zu Ende sein und wir orientierten uns wieder in Richtung Hemeligen.

In der Straßenbahn dorthin flackerte noch kurzzeitig eine Schnorrer-Phase auf, sodass uns Herwig kostenneutral eine Handgranate Haake Beck besorgen konnte. In Hemeligen kehrten wir dann noch in Reichweite zu unserer Luxus-Herberge im „Föhrer“ ein und ließen in dieser Rullich-Partnerkneipe den Abend auswürfeln. Der älteste Mensch der Welt hielt sich hierbei überraschend schadlos obwohl er ausnahmslos in jedem Finale teilnehmen musste. Chapeau! Zum Abschluss kam es noch kurzzeitig zu einer Schnorrer-Phase und auch nochmal die Jedermanns-Freunde-Phase bevor wir nach einem äußerst sinnvollen „Die-Bayern“-Telefonat in die Federn fielen und zumindest teilweise auch umgehend einschliefen.

Der Sonntag begann, nach dem Austauschen diverser Schnarchaufnahmen, schon früh mit der eisernen Diskussion über den Hopperplan. Lieber das sichere Kreuz in Bremen-Neustadt, oder ein Exot, dessen Namen derart viel Esprit und Erotik ausstrahlte, dass wir ihm kaum widerstehen konnten: Hertha Otze! Frauenfußball! Testspiel! Zum Glück entschieden wir uns für ein weiteres Pokalspiel und besuchten den BTS Neustadt gegen SV Grohl, denn das Testspiel von Hertha Fotze wurde leider abgesagt wie wir später erfuhren. BTS Neustadt konnte, obwohl uns das Frühstücksbuffett für 2,90€ nicht vergönt blieb, aber auch mit einigem aufwarten. Mit einem recht keckigen Trainer mit recht keckigen Ansagen, einem Lokalsportjournalisten, der sich hoffentlich den ganzen Müll den wir verzapften in seinen Block notierte und einem ziemlich egozentrischen Schiedsrichter samt viel zu lauter Pfeiffe.

Irgendwann machten wir uns dann auf um von der Erlenstraße Richtung Havelse aufzubrechen wo das nächste Pokalspiel auf dem Plan stand. Rechtzeitig erreichten wir den Platz und überwanden die äußerst professionellen Einlasskontrollen bei der mit IPhones der Barcode der Eintrittskarten abfotografiert wurden. Das Spiel gestaltete sich als echter Hingucker denn der TSV Havelse konnte nicht nur mit dem Club aus Nürnberg mithalten, nein, er war sogar überlegen. Zwar dachten wir uns insgeheim, dass es wie so oft laufen würde und der Bundesligist den Amateur dann mit zunehmender Spielzeit dann abziehen würde, jedoch wollten die Niedersachsen nicht aufstecken. Mal standen wir mit volltätowierten Nürnberger Altsportlern an der Bande zur Gegentribüne, mal guckten wir das Spiel via Sky aus der Vereinsgaststätte, zum Ende standen wir hinter dem Tor. Und zwar direkt hinterm Tor, das Netz in Griffweite und das Mikrofon des Fernsehteams in Spruchweite.

Die Hoffnung nach dem Seitenwechsel in der Verlängerung Raphael Schäfer dann auf unserer Seite „begrüßen“ zu dürfen wurde allerdings jäh zerstört als uns die Ordner auf Wunsch des NDR von unserem Paradeplatz wegholten. Die Fans die wir alle nicht wollen will man wohl auch nicht im DFB-Pokal sehen bzw. hören. Am Ende stand tatsächlich ein Sieg des Underdogs auf dem Tableau und wir fuhren guter Dinge wieder heimwärts. Eigentlich hatten wir uns noch zum Abendessen auf einen Kick in Holzwickede geeinigt, jedoch ließen es die Verkehrsbedingungen nicht wirklich zu schnell vorran zu kommen sodass wir auf dieses abschließende Spiel dann doch verzichteten. In Dortmund ereilte uns dann förmlich der Schlag. Ein ganzer Tag bei 16°C im Auto und dann öffnet man bei gefühlten 40°C die Tür. Egal.

Wer jetzt denkt, dass es das gewesen wäre liegt falsch. Das Sahnehäubchen stand noch mit RWE gegen Union auf dem Programm. Und es war von Stimmung und Spannung her gesehen das beste Spiel des Wochenendes. Das mehr oder weniger erste richtige Spiel im neuen Stadion war ein Volltreffer, wenngleich der Sieger am Ende die falschen Farben trug. Irgendwas haben die über den Sommer mit dem Bier an der Hafenstraße gemacht. Nicht, nur dass es jetzt in 0,4-Bechern gereicht wird, man ist komischerweise nach vier Fangetränken auch irgendwie knallvoll. War jut jewesen und schreit nach einer Wiederholung im nächsten Jahr!

Fußball statt Hysterie

Veröffentlicht in Pflückebeutels Abenteuer mit den Tags , , , , , , , , , am Juli 26, 2012 von schnurzeletti

Während die Qualitätsmedien in den letzten Wochen sich förmlich ob Gewaltexzessen, Sicherheitsgipfeln, ZDF Fernsehgarten und Ehrenkodex sensationsgeifernd überschlugen, herrschte im kulturellen Bicheiland wohltuendes Schweigen. Viel zu lächerlich erscheinen uns die politischen Dimensionen, die die Debatte um das vermeintliche Gewaltproblem in Deutschlands Stadien mittlerweile angenommen haben. Mittlerweile diskutieren nicht mehr Verbände und Polizei sondern gleich die Innenminister von Bund und Ländern. Natürlich ohne wirklich sachkundige Experten von Fanorganisationen oder gar einfache Anhänger zu Wort kommen zu lassen, aber gut, so ist das eben, wenn man Politik macht. Immerhin kann man die sogenannten Fans in Anführungszeichen nun versuchen, mit einem drohenden Stehplatzverbot zur Räson zu bringen, was ja angesichts der dramatischen Zahl von Toten und Verletzen in Deutschlands Stadien äußerst notwendig erscheint. Endlich haben wir wieder ein wirklich wichtiges Problem in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und eine nachhaltige Lösung gefunden. Wenn jetzt noch ein Innenminister eine Schaufensterpuppe anzündet, kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen.

Da ich aber dank dieser Maßnahmen endlich keine Angst mehr vor dem Stadionbesuch haben muss, sollte der Drittligauaftakt am vergangenen Wochenende gerade zur rechten Zeit kommen, um die diesjährige Freundschaftsspiel Tristesse zu durchbrechen. Die ruhmreichen BVB-Pferdchen durften als Aufsteiger direkt am ersten Spieltag an der Bremer Brücke gastieren, eigentlich ein ideales Ziel für den reisefreudigen Fußballchaoten. Während ein Großteil Eurer Lieblingsfamilie noch im Urlaub weilte, hieß es für den adipösen Fettling zu nachtschlafender Zeit mal wieder das Pennematzland gegen den Raucherbereich zu tauschen, wo sich auch pünktlich zur Abfahrt die bekannte Schmenkfahne einfinden sollte. Mit nur einem Ticket zu wenig fanden wir schnell politsches Asyl (schließlich wurden wir vom Schaffner verfolgt) bei einer Gruppe mittelalter Hubitches, die uns großzügigerweise bis Osnabrück auf ihrem Ticket mitfahren ließen. Glücklicherweise sollte sich der Anschluss in Münster dann verzögern, so dass wir in Ruhe aussteigen, umsteigen, Bier kaufen, für Münsteraner Späher gehalten werden, Götz Alsmann treffen und rauchen konnten, bevor wir noch die letzten paar Minuten in die drittgrößte Stadt Niedersachsen fuhren.

Dort erwarte uns am HBF mal wieder ein völlig angemessenes Polizeiaufgebot, das unsere Pläne, sich mit dem übrigen Pöbel am Haupteingang zu treffen, jäh durchkreuzte. So erforderte es schon fast eine nicht aberkannte Promotion in Wieselkunde, um den Schergen doch noch ein Schippchen zu schlagen. Zunächst versuchten wir uns im Raucherbereich zu verstecken, wurden aber gewohnt freundlich zum Nebenausgang komplimentiert. Statt aber den anderen BVB Fans Richtung Stadion zu folgen zogen wir es vor, den benachbarten Parkplatz genauer zu erkunden. Gerade als wir diesen betreten wollten, versperrte und ein absoluter Vorzeigepenner den Weg und fragte uns, wohin wir denn wollten. Während wir den Herren geflissentlich ignorierten und sogar noch unsere Flaschen schenken wollten, nestelte dieser umständlich eine Polizeiarmbinde aus seiner Tasche. War ja klar, dass man sich heutzutage auch bei der Poliezi nicht mehr am Wochenende rasieren muss… Im Gegenzug zeigten wir dann dem zugegebenermaßen wirklich unauffälligen Zivi ein Schlüsselband und gingen unbeeindruckt weiter. Leider erwarte uns an der angesteuerten Bude dann der Zonk in flüssiger Form, da aufgrund der Ramadan Feierlichkeiten an diesem Kiosk kein Bier verkauft wurde.

Wie beim Pokalspiel ging es wieder strammen Schrittes zu Fuß zum Stadion, wo sich bereits der älteste Mensch der Welt eingefunden hat. Nach freudiger Begrüßung und dem üblichen sinnlosen Gelaber ging es dann auch in den zum Bersten gefüllten Block. Dank der planerischen Unfähigkeit seitens des Gastgebers waren hier bei weitem nicht genug Blöcke geöffnet, was den anwesenden Sicherheitsdienst aber wohl nur peripher interessiert hat. Trotz massiver Beschwerden wurde keine Maßnahmen ergriffen und die Fans lediglich vertröstet. Natürlich konnten weder Sicherheitsdienst noch Polizei die Situation entschärfen, womit die staatliche Steuerverschwendung bei Fußballeinsätzen also erneut eindrucksvoll gerechtfertigt wurde.

Leider konnte auch die Mannschaft trotz engagierten Kombinationsfußballs kein zählbaren Erfolge einfahren und so oblag es den eindrucksvoll aufgelegten Ultras von die Amateure die schwarz-gelben Farben gebührend zu vertreten. Lautstrakt und abwechslungsreich präsentierte sich der Gästeanahng und widerlegte das gerade in Osnabrück ausgeprägte gepflegte Klischee der seelenlosen Zweitvertretungen. Sicherlich auch für die Jubilare der Violet Crew eine erfreuliche Gelegenheit sich mal mit einer Gästekurve von Format messen zu können. Ansonsten bleibt aufgrund der schlechten Sicht auch in Halbzeit zwei nicht mehr viel in Erinnerung und so brachen wir schon vor dem Abpfiff in Richtung Bahnhof auf. Auf wundersame Weise sollten noch einige Flaschen Bier zunächst in unsere Hände und anschließend durch unsere Kehlen fallen und trotz fehlender Polizeibegleitung erreichten wir über die Münster und Hamm wieder das wunderschöne Ruhr-Beat ohne GE. Und das sogar ganz ohne brennende Kleinkinder in Winterjacken. So nämlich!

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