Wer zu spät kommt, den bestraft der Biermann!

Während der Familienfettling letzte Woche noch hart am Bericht über den Familienspieltag an der Hafenstraße schuftete, hat Horst-Kevin fußballtechnisch bereits wieder ordentlich Flagge gezeigt und das sogar auf internationalem Parkett. Mittlerweile als hart schuftender Teilzeitlehrer in Lohn und Brot, muss ich natürlich auf ausreichende Erholung achten und habe mir daher die kompletten Herbstferien frei genommen. Schließlich braucht es eine Weile, um von 100% vernünftig herunterzufahren und am Ende der Ferien muss man ja auch bereits wieder Unterricht vorbereiten. Wer kennt es nicht?

Auf dem Plan stand ursprünglich eine kleine Rucksacktour von Venedig über Triest, Rijeka, Ljubljana und Zagreb, die mit Fußball wenig zu tun haben sollte. Aber wie es der Zufall wollte, erreichte ich Ljubljana just an dem Tag, an dem auch das WM-Qualifikationsspiel Slowenien – England auf dem Plan stehen sollte. Aufgrund der geringen Stadionkapazität und der attraktiven Ostblocktour inklusive verlockender Bierpreise für die Inselaffen war ich felsenfest davon überzeugt, dass dieses Spiel auf jeden Fall ausverkauft sein müsste. Aber weit gefehlt: In der Touristeninformation wurde mir freundlicherweise gesagt, dass es noch Karten für das Spiel gebe und man diese selbstverständlich ausschließlich an einer Tankstelle kaufen könne.

So ein Angebot kann man natürlich schlecht ausschlagen. Also schnurstracks zur nächsten Tankstelle gestapft und für 45 Mark ein Ticket auf der Haupttribüne in Reihe 7 ergattert. Für die Gästefans standen dann auch kostenfreie Shuttlebusse zum Stadion bereit. Da ich jedoch keine Karte für den Gästeblock hatte und mir eine Bustour mit besoffenen Engländern etwas heikel erschien, fragte ich die slowenischen Bullenschweine um Rat, wie man sonst noch zum Stadion gelangen könnte. Leider muss man konstasloengtieren, dass sich der slowenische Freund und Helfer in seiner Freundlichkeit nicht von seinem deutschen Kollegen unterscheidet, denn die Antwort lautete, dass man einzig und allein mit dem Taxi hinkäme. War natürlich völliger Unsinn, sollte aber auch schon das einzig nennenswerte an dem ganzen Spiel sein. Das Ergebnis lautete – wie sollte es auch anders sein – 0:0 (und zwar ausnahmsweise keines der besseren Sorte) und auch die beiden Fankurven enttäuschten maßlos. Die Krone setzte dem Ganzen allerdings tatsächlich die englische Hintermannschaft auf, die sich mehrfach einfachste Abspielfehler erlaubte. Das erinnerte fast ein wenig an das Frauenspiel der Vorwoche

Während der Rest der Autorenschaft in der großen weiten Welt dem müßigen Lotterleben frönt, wird natürlich in der Arbeiterstadt Hamm aufs Übelste malocht. Und das nicht nur an den glühenden Hochöfen, unter Tage oder in den Elitehochschulen, sondern auch bei Twitter, wo Eure Lieblingsvierlinge eine spannende Diskussion über die Sinnhaftigkeit (ein aus zahlreichen Abenteuern bekannte Möchtegernmathematiker konnte dies erstaunlicherweise nicht nachvollziehen und ein fast noch berühmterer Familienfettling ist viel zu faul, um Buchhaltung zu führen) des Mitzählens besuchter Fußballspiele anzetteln konnten. Grund dafür, war die Einladung des besten Kackfaßfahrers der Dortmunder Fanszene bereits vor dem Besuch seines 999.  Fußballspiels mit BVB Beteiligung (Profis, Amateure und Jugendspiel kumuliert) auf ebendieses monumentale Ereignis in der roten Erde anzustoßen. Da auch der schlauste Mensch der Welt vor der Reise nach Lissabon sein 100. RWE Spiel feiern durfte, entschlossen sich sogar Herthinio persönlich aus Berlin und sogar der berühmte Grillhausbesitzer aus dem scheinbar noch weiter entfernten Düsseldorf am Rhein anzureisen.

Aber beginnen wir wie gewohnt von vorne: Die von uns allseits geschätzte Deutsche Fußballliga hat wie immer nach der Länderspielpause das Spiel des rumreichen BVB auf Freitagabend terminiert und dabei – natürlich aus Versehen – zumindest der adipöseren Hälfte der Vierlinge einen Gefallen getan. Schließlich weilte der Vieraugenjunge in den polnischen Bergen und musste den Urlaub pünktlich abbrechen, um ein BVB Spiel zu sehen. Wir freuen uns schon darauf, wenn die Gattin 2064 fast verrückt wird und empfehlen schon jetzt der Sektion Sportwetten zumindest ein paar Euro zurückzulegen. Auch Herwig findet Heimspiele am Freitagabend ziemlich knorke, da er direkt aus Hamm antizyklisch anreisen kann.

Wie in der Vorvorvorwoche auch bekam die Eurobahn erneut den Vorzug gegenüber dem Unternehmen Zukunft und auf die Sekunde pünktlich erreichte ich die Bierhauptstadt. Am dortigen Bahnhof wurde zunächst der geheime Bierkiosk aufgesucht und für 3 Euro 3 Kronen käuflich erworben, um Herthinio und Dortmunds kleinste Blase gebührend in Empfang zu nehmen. Nach einem astreinen Gewaltmarsch durch die malerische Innenstadt trafen wir beim Imbiss unseres Vertrauens auf den Vieraugenjungen, der glücklicherweise im ganzen Chaos schon Plätze freigehalten und „Gyros komplett“ für den Nachbartisch bestellt hatte.

Zwei Bier, eine Mahlzeit und ein Telefonat später brachen wir auf in Richtung rote Erde, wo auch der Rest nach und nach eintrudelte. Obwohl sich Straßen NRW und das Unternehmen Zukunft abgesprochen hatten und gleichzeitig die A40 gesperrt hatten und mehre Kinder in die Gleisbetten Westdeutschlands entsendet hatten, schafften es bis auf den Grillhausbesitzer alle pünktlich zum Toreschluß in die rote Erde. Ja, ihr lest richtig: die investigativsten Vierlinge auf diesem Planeten enthüllen erneut einen Skandal: Der Biergarten rote Erde schließt tatsächlich während der Spiele. Wie frech ist das denn bitte?

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Warten auf’s Christkind

Dementsprechend durften wir uns dann vor den Toren des Westfalenstadions die Beine in die wohl genährten Bäuche stehen, die immer noch erstaunlich langen Schlange bewundern und darauf warten, dass die Odyssee des Grillhausbesitzers und Hausjuristen endlich zu Ende ging. Natürlich hatte dieser dann auch noch zum allem Überfluss einen Rucksack a.k.a. Terrorwaffe dabei, die natürlich seit letztem Freitag aus aktionistischen absolut nachvollziehbaren Gründen im Stadion verboten sind. Bis wir dann endlich alle unter der Süd waren, hatte zwar das Spiel schon angefangen, aber immerhin fühlten wir uns richtig sicher. Da Hubert eine gute Kinderstube genossen hatte, zwang er natürlich allen Anwesenden erstmal eine Halblitergranate auf und somit konnte der Block mit noch mehr Verspätung als sonst betreten werden.

Dankenswerterweise hat der BVB aber als sympathischer, nicht in der Zeit stehengebliebener Ballettverein (Spagat und so – Danke Watzkel) nie die Bodenhaftung und das Verständnis für die Bedürfnisse seiner Anhänger verloren und spielte eine Halbzeit nur Grütze zusammen. Also nichts verpasst und in der zweiten Halbzeit das komplette Drama mitbekommen. Da auch der Vieraugenjunge ausnahmsweise mal wieder ein Spiel aus Block 13 verfolgte, können wir abschließend konstatieren, dass wir uns für die nette Geste der Borussia revanchiert haben und einen Punkt ersungen haben. Dabei wurde sogar das personifizierte Understatement PEA17 gegen die erneut auf der Tribüne weilende Hipsterfraktion verteidigt. Der Erfolg gibt uns recht!

Nach dem Spiel kutschierte uns dann der Sonderzug gewohnt kompetent und sogar ausnahmsweise ohne nennenswerte Vorfälle nach Essen, wo gut beschützt von der Düsseldorfer Korea Fraktion den Heimweg in die Kneipe antraten. Aufgrund äußerst verantwortungsbewusstem Alkoholkonsum wurden aber alsbald die Segel gestrichen und das Pennematzland aufgesucht. Gerüchten zu Folge nuckelte allerdings nicht nur der Sohn am kommenden Morgen um 5:08 Uhr an der Flasche.

Entsprechend unausgeschlafen gestalte sich dann der weitere Vormittag, der unter anderem noch durch einen vierstündigen Besuch der Nachbarskinder samt entsprechender Geräuschkulisse veredelt wurde. Glücklicherweise erklärte sich der tapfere Snör Bertram bereit die Mittagsschicht zu übernehmen, so dass ich – begleitet von Ski- und Vieraugenbich –  fast pünktlich Richtung Hafenstraße aufbrechen konnte. Selbstverständlich hatten wir sowohl den letzten Pendelbus verpasst als auch vergessen, dass die bekannte Ringlinie im Augenblick durch Schienenersatzverkehr unterbrochen ist. Daher standen wir pünktlich zum Anstoß in der berühmten Essener No-go-Area an der Helenenstraße in Altendorf und hielten Ausschau nach einer Mitfahrgelegenheit zum Stadion. Wohlweißlich erkannte der Skibich, dass sich in solchen prekären Gegenden niemals ein Taxistand befinden würde. Daher versuchten wir vergeblich ein Gefährt an der achtspurigen Kreuzung anzuhalten, bevor wir uns dann doch entschieden, den Taxistand direkt neben der Straßenbahnhaltestelle zu nutzen. Kann man ja auch mal übersehen…

Irgendwann schafften wir es dann zum zweiten Mal in 14 Stunden zu spät ins Stadion, wo uns allerdings am Bierstand bereits der erfolgreiche Jungunternehmer Wiggy über drei Bier hinweg anstrahlte. Trotz des von Watzkel angermerkten schwierigen Spagates zwischen der Hafenstraße und Bergeborbeck, schafft es der sympathische, bodenständige Arbeiterverein sich stets treu zu bleiben und eine Zwei-Tore-Führung in wenigen Minuten zu verspielen. Allerdings scheinen Watzkels Worte den Ehrgeiz der Truppe geweckt zu haben und so sprang am Ende doch noch ein alles in allem überzeugender Sieg gegen die Kölner Reserve heraus. Überschwänglich (und auch etwas bierselig) wurde dieser Erfolg von den nur noch 5700 Zuschauern gefeiert und auch wir ließen uns von der Euphorie anstecken und entschieden uns den Sieg mit ein paar Bier bei der Bundesligakonferenz ausgiebig zu zelebrieren. Die Kirsche auf das Sahnehäubchen auf dem Kuchen eines gelungenen Jungsnachmittags platzierte dabei der Jungunternehmer, der es sich natürlich nicht nehmen ließ, von der Hafenstraße in Bergeborbeck über die Eule in Rüttenscheid ins Sheraton in der Innenstadt weiterzuziehen und dort die Nacht stilecht zu verbringen. Wir vermuten, dass er dem Concierge alle Hits feilgeboten hat und ihm sicherlich erzählt hat, dass er von der Hafenstraße kommt.

Unsere erste Mannschaft spielt in NRW!

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