Erste Runde im Pokal…

Wir haben uns gehen lassen, uns zu sehr auf unseren Lorbeeren ausgeruht, haben fast alle geheiratet, sind langweilig geworden. Auch die Gaststätte Rullich ist in der Post-MiSu-Phase angekommen, nachdem wir sie in die Freiheit entlassen haben, um auf eigenen Füßen zu stehen. Aber wenn selbst unsere Muse MauriciusQ wieder den Bleistift in die Faust nehmen kann, um die Welt mit geistigen Ergüsse zu beschenken, dann können wir das ja wohl schon lange! Wir machen die 1.000 Jahre voll! Ein Blick in die Geschichte lehrt uns, dass uns hierzu nur noch vier Jahre fehlen…

Da der glorreiche BVBich aufgrund der Europameisterschaft der Herzen erst später ins Spielgeschehen eingreifen sollte und  sowieso in anderen Sphären über uns thront, soll sich dieser Auftaktbeitrag um den sympathisch-chaotischen Familienclub an der Hafenstraße drehen. Zehn tapfere Holzfüße tanzen hier um den sich sehr gut pflegenden Papa Löning herum. Da RWE es in diesem Sommer geschafft hatte, ohne auch nur einmal gegen den Ball zu treten, eine Euphorie nie da gewesenen Ausmaßes zu entfachen und damit sogar 5.000 Fans und einem Doktor eine Dauerkarte bis zum Bundesligaaufstieg anzudrehen mussten wir natürlich zum Saisonauftakt nach Wiedenbrück reisen.

Direkt an der Linie stehend könnten wir einer absoluten Glanzleistung folgen, inklusive der Kirsche auf der Torte durch den verlorenen Sohn Timo Brauer. Wir gehen an dieser Stelle davon aus, dass im Frühjahr relativ viele Jungen namens Timo geboren werden. Ein viel wichtigerer Vorname des Tages war jedoch Horst. Unser aller Glockenhorst ist nach seiner Hüftmallaise gesundet und fährt wieder. Gott sei Dank, denn sonst hätten die schwer arbeitenden und schwer nassgeregneten Damen und Herren der Bundespolizei in einem einstündigen Monolog nie erfahren, welcher Essener es geschafft hat zwei deutsche Meistertitel zu ergattern – nämlich einen mit der A-Jugend von RWE im Fußball und einen im Boxen. Unsere fachkundige Leserschaft wird natürlich sofort wissen wer gemeint ist.

Das Spiel gegen den Bonner SC, dem ersten Aufsteiger vom Mittelrhein seit Menschengedenken, der wahrscheinlich a) nicht wieder sang und klanglos direkt wieder absteigt und b) nicht an der Hafenstraße gewinnen konnte, wurde von einem viel größeren Skandal überschattet. Es ging natürlich ums Bier. Nachdem der geneigte Hafenstraßengast Freund mit dem 0,3er Stauder geworden war und nach dem Umzug sich schon mit 0,4er Bechern arrangieren musste, wurde er nun mit 0,5er Einwegbechern konfrontiert. Ein wahrhafter Skandal, den auch die Kurve mehrfach aufgriff und die Gaststätte förmlich zu einem offenen Brief zwang. Leider ist der Doc bisher nicht eingeknickt und quält uns wahrscheinlich auch weiterhin mit den riesigen Bieren.

Pünktlich zum Duell der beiden deutschen Städte, in denen asozial eher Kompliment als Schimpfwort ist, durfte auch der allseits beliebte Familienfettling wieder in Geschehen eingreifen. Da er sich zuletzt sehr gute Noten als verantwortungsbewußter Supervater verdient hatte, war er natürlich fett wie Frittenheiß und konnte dementsprechend den langersehnten Feierabend an der Arbeiter und Bauernhochschule kaum erwarten. Da bereits vorher durchgesickert war, dass aufgrund unserer freiheitlich-demokratischen Panikstaates jetzt auch in der vierten Liga Ausnahmezustand und Alkoholverbot ausgerufen, verzichtete ich auf einen 10-tägigen Notfallvorrat Bierproviant und deckte mich stattdessen stilecht mit einem äußerst köstlichen Molkeprodukt für die einstündige Fahrt im neuen National Express ein. Ungewohnt pünktlich und komfortabel ging es also durch das malerische Ruhrpottrandgebiet zum malerischen Wuppertaler Hauptbahnhof. Da man als erfahrener Fußballfan natürlich genau weiß, dass man am S-Bahnhof sofort abgefangen wird und zum Gästeblock eskortiert wird, entschied ich für die Schwebebahn, die ja sogar schon einmal einem Elefanten standgehalten hat.

Am Zoostadion angekommen doch dem Bierdurst erlegen und eine gut gekühlte Flasche an der örtlichen Nie-wieder-Pizza-Bude erworben, mit der ich mich vermeintlich geschickt durch die Polizeikette zu den übrigen dezimierten Bichverdächtigen durchwieselte. Beim Treffen durfte ich dann feststellen, dass der Rest der Truppe den unstressigen Weg über den S-Bahnhof vorgezogen hatte und gänzlich uneskortiert und unbevormundet den Weg zum Gästeblock antraten. Und das sogar mit einem praktischen Bionadekasten, der noch praktischer mit Stauder bestückt war. Leider wurde das letzte Stauder noch in der Schlange an RWE Fan Siggi verschenkt, so dass wir erstens auf dem Trockenen saßen und zweitens den Kasten an einem Flaschensammler vermachen konnten. Natürlich unter der Auflage, dass er ihn an den Glockenhorst weiterzugeben habe, sollte dieser sein Deputat verlangen.

immerwiederRWEDas Wuppertaler Zoostadion ist nach wie vor eine der absolut sehenswerten Spielstätten – insbesondere wenn wie heute über 13.000 Zuschauer vorort sind. Selbst  der Abriß der kultigen und mittlerweile in NRW wirklich sehr rar gewordenen Radrennbahn hat dem Charakter der Stadions nicht geschadet. Im Gegenteil der großzügige Stehplatzgästeblock lässt die Erinnerungen an den alten Bökelberg so lebendig werden, dass man beim Betreten erstmal inbrünstig Jörg Stiel beleidigen muss…

Das Spiel an sich konnte den Erwartungen nicht gerecht werden, aber immerhin besannen sich die Roten nach schwerer erster Halbzeit eines besseren und spielten im zweiten Durchgang ihren Stiefel souverän herunter. Man merkte allen Beteiligten schon früh an, dass ein Unentschieden für beide Seiten absolut erstrebenswert war. Leider zählte das vermeintliche Abseitstor in der letzten Minute nicht, schade, es wäre schön gewesen zu sehen, wenn die circa 4000 mitgereisten Gästefans einmal kollektiv ausgerastet werden.

Nachdem Spiel entschieden wir uns erneut für die Schwebebahnvariante. Zum einen konnte so der schlauste Mensch der Welt ohne Umstieg am unterirdischen Kopfbahnhof E21 nach Dortmund fahren und Horst-Kevin und Ewald konnten sich zumindest noch 1 verdientes Feierabendbierchen gönnen. Oder halt zwei oder drei oder fünfzehn – wer will das in diesen Zeiten schon genau nachhalten, wenn selbst unsere sympathische Bundesregierung zu Hamsterkäufen aufruft.

Gegen Viktoria Köln passierte dann natürlich das, was passieren musste: 4:0-Klatsche trotz der bis dahin besten Saisonleistung gekrönt von einer Asi-Schlägerei nach dem Spiel. Wer nun schlussendlich siegreich mit dem Titel “Hure der Kurve” den Vorplatz verließ können wir nicht mehr sagen, wir freuen uns aber schon auf den Rückkampf, idealerweise aber nicht wenn die hochschwangere Frau von Herwigs Vorarbeiter daneben steht.

Das Bielefeldspiel – bzw. eher dessen Nachspiel war das erste Erweckungserlebnis der Woche: Ein Kölner schwänzte das Auswärtsspiel des FC in Berlin, um an der Hafenstraße dem rassigen Pokalfight gegen die Arminia beizuwohnen und dieses Ereignis in seinem Blog festzuhalten. Beim Lesen dieser Zeilen wurde mir mal wieder vor Augen geführt, dass es wirklich noch besondere Spiele und besondere Atmosphäre beim Fußball gibt und diese Ereignisse für die Nachwelt (und für einen selbst an schlechten Tagen) festgehalten werden müssen. Aufgrund der Tatsache, dass der ruhmreiche Ballspielverein a.k.a der zweite Leuchtturm der Republik erst am ungeliebten Montagabend antreten sollten, schafften wir es endlich mal wieder in verhältnismäßig großer Runde einem Spiel von Rot-Weiss beizuwohnen.

Wie bereits in der Vorwoche wurde als kompententer Treffpunkt unsere neue Lieblingsbude gegenüber unserer alten Lieblingskneipe ausgewählt und gut ausgerüstetmit Bier und Untapped App ging es per Ringlinie nach Bergeborbeck. Dort besuchten wir die berühmte 1-Euro-24-Stunden-Bude, gedachten einer übermenschlichen Höchstleistung und staunten, wie voll es auf der Hafenstraße sein kann. Da RWE auch für den Kick gegen die Arminia humane Eintrittspreise (8 Euro Stehplatz) aufrief, konnten wir uns sogar noch ein köstliches Essener Heilwasser am Hafenstübchen gönnen, wo der berüchtigte Bichsteuerberater und der Lehrerjan die illustre Runde komplettierten.

Auch wenn das Stadion natürlich lange nicht mehr den Flair des alten Georg-Melches Stadion versprüht, war allein die Erinnerung an das legendäre Spiel gegen Union Berlin 2011 Grund genug, an die Pokalsensation zu glauben. Leider ging der Favorit früh in Führung, so dass die Hoffnungen einen ersten Dämpfer erhielten. Doch RWE kämpfte sich – frenetisch unterstützt von allen (!) drei Heimtribünen – zurück ins Spiel und schaffte es dem Zweitligisten sogar in Unterzahl ein Unentschieden nach der regulären Spielzeit abzuringen. DA auch die Verlängerung torlos zu Ende ging, musste am Ende das Elfmeterschießen über Wohl und Wehe entscheiden und hier versagten ausgerechnet dem Torschützen zum 1:1 die Nerven, so dass RWE nach der bitteren Pleite gegen Fortuna Düsseldorf im Vorjahr erneut im Elftmeterschießen die Segel streichen musste. Schade, da war wirklich mehr drin. Mehr drin war auch im Portemonnaie des schlausten Menschen der Welt und so erklärte sich der Social Media Manager von Essens Event Club Rullich bereit, uns in seiner Kneipe auszuhalten. Diese Angebot wurde natürlich unter frenetischem Jubel angenommen vor dem selbst das alte Georg-Melches-Stadion neidvoll erblasst wäre…

Das Erstrundenlos “TuS Grevenbroich” konnte schließlich auch überzeugen. Entgegen des ursprünglichen Plans erneut mit dem Zug den innig geliebten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr komplett zu durchqueren, erklärte sich Vorarbeiter Marc dankenswerterweise dazu bereit uns zu chauffieren. Danke Chef, ich bin auf jeden Fall zu Zusatzschichten am Wochenende bereit! Im Zug Richtung E21 ereignete sich dann das zweite Blog-Erweckungserlebnis der Woche:

Nachdem ich völlig unverwirrten Schwerstmalocher der Familie davon überzeugen konnte, ebenfalls den vereinbarten Treffpunkt an der Ex-Aral aufzusuchen, sprach mich völlig unvermittelt mein Sitznachbar im völlig überfüllten (und natürlich mit einer formidablen Türstörung ausgestatteten) Regionalexpress des Unternehmens Zukunft an. Er, nennen wir den gut gebildeten und belesenen jungen Mann der Einfachheit halber Onkel Willi, hatte die typische Bichschnodderschnauze erkannt, was erstens eine angeregte Diskussion über Fußball, Turnschuhe und die Frage, was das für 1 Life sei, nach sich zog und Inspiration dazu lieferte, einen neuen (sehr kurzen) Blogbereicht zu schreiben.

Langer Rede, kurzer Sinn: Dort am Niederrhein, im Filetstück im Städtedreieck Gierath, Gubberath und Garzweiler, kurz vor dem Braunkohleabbaugebiet und in direkter Nachbarschaft zu einer von nur drei Radrennbahnen NRWs, wo die Welt noch in Ordnung ist sollten die Roten also Fußball spielen. Der Ruf des Schrecks vom Niederrhein eilte uns natürlich voraus, sodass es mancher in Grevenbroich schon mit der Angst zu tun bekam. Da die Stammkneipe von Horst Schlämmer “zum Wilddieb” leider nicht existiert ging es auf direktem Wege ins Schlossstadion. Trotz höchster Sicherheitsmaßnahmen gelangten wir unbehelligt in den kostenlosen VIP-Raum, gingen dann aber freiwillig in den Gästeblock um noch etwas Sonne zu genießen. Feierlicher Rahmen des Spiels war die Premiere des neuen Premiererasens, der durch Hybridtechnik 10% stabiler, 20% siegreicher und 30% grüner ist. Die Recherche im Nachgang offenbarte allerdings, dass uns übel mitgespielt wurde. So wurde, wie uns vorgetäuscht, der neue Hybridrasen nicht gegen Rot-Weiss Essen eingeweiht sondern bereits eine Woche zuvor im Hassderby gegen SV Bedburdyck/Gierath bespielt wurde.

Morgen steht dann das nächste Ligaspiel gegen Borussia Mönchengladbachs Zwote an. Wir erwarten eine ernüchternde Niederlage und damit das Ende der Sommereuphorie..

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