Das Pokalwochenende

Liebe Bloggergemeinde! Euer frommer Wunsch dieser Blog habe, nachdem er alle Konkurrenz hinterrücks ermordet hat, mittlerweile selbst das Zeitliche gesegnet ist bei weitem übertrieben. Da aber Ultras niemals sterben, wird auch dieser nicht gänzlich unkeckige Familienblog niemals unter die Erde gehen. Höchstens etwas einrosten. Ergo haben wir zur Aufarbeitung der letzten Zeit etwas mehr Zeit als sonst gebraucht. Der überschäumende Elan, den die 1000. Bootsfahrt zwischen Norddeich und Norderney so erzeugt, bringt mich nun aber dazu diese Zeilen endlich zu verfassen.

Berichten wollen wir von der ersten Pokalrunde. Nach alter Sitte ist diese traditionell recht asozial. Da das diesjährige Los jedoch ungefähr so spannend war wie der 50. Er- oder besser Aufguss des Bürgerkriegs Bundesliga wollten wir die Szenerie etwas aufwerten und spickten das Wochenende mit einem Blumenstrauß bunter Fußballspiele. Aufschlag zum Keckwochenende war zum wiederholten Mal der Bahnhof Crime-Essen um von dort gemeinsam gen Norden zu fahren. Herwig, der älteste Mensch der Welt, der Bich-Steuerberater und meine Wenigkeit.

Die Fahrt blieb trotz eines Zwischenhalts in Rock-City recht ereignislos, sodass wir Dank einer Krankenwageneskorte just in time Wilhelmshaven erreichten. Da die Stadt zur Hälfte zu dem Zeitpunkt schon im Stadion war konnten wir recht komfortabel direkt vor dem Stadion parken und waren pünktlich im eben jenem. Vor Anpfiff mussten aber noch drei warme und eine kalte Bratwurst verköstigt und die Qualität des Schankbieres überprüft werden.

Das Spiel war recht ereignislos. Wilhelmshaven war zu Beginn recht übermotiviert, dann aber limitiert – Ausgburg hingegen hatte keinen Bock. Vielleicht hatte die blutleere Veranstaltung aber auch andere Gründe. Aus Insiderquellen wusste der älteste Mensch der Welt zu berichten, dass Simon Jentzsch in der Halbzeit ein halbes Mädchengymnasium wegpöllern würde. Ein frühes und ein spätes Tor, das wars dann. Erwähnen sollte man noch, dass nur diese beiden Vereine an diesem Abend dort spielten. Die Vielzahl an Hamburg-, Bremen-, St. Pauli-, Chelsea-, Leverkusen- und Nationalmannschaftstrikots muss andere Gründe haben. Die Vielzahl an BVB-Aufklebern auch. Nach Schlusspfiff ging es recht zügig zurück nach Bremen und nach einem Feierabend-Pils aus dem Hause des Ring of Fire schliefen alle glücklich ein. Vorher mussten wir jedoch noch mit dem ältesten Menschen der Welt 10 Jahre Ultra-Deutschland nachholen und ihn mit diversen Videos wieder auf Stand bringen.

Der nächste Morgen lockte mit einem unfassbar opulenten Frühstück bei dem insbesondere der Eiweiß-Haushalt in neue Sphären katapultiert wurde. Anschließend ging es Richtung Hauptbahnhof um den Rest der Familie zu begrüßen. Dieser war nach 13 Bier schon recht angeschlagen, wollte jedoch noch nicht aufstecken. Die Mitfahrer, die weniger Lust auf Bier hatten gesellten sich dann zum A2-Jugend-Klassiker der Werderinnen und Werderer gegen Georgsmarienhütte, dessen Fokus jedoch auf einem verschossenen Elfmeter aus Österreich lag. Die Kür des Tages gab es dann vom BVB im großen Weserstadion. Langweilig wie üblich, aber mit ausgezeichneter Sicht plätscherte das Spiel dahin, der BVB um Miroslav Götze, Mirko Reus und Jürgen Gott siegte locker und verdient. Nach dem Spiel verabschiedeten wir die bucklige Familie und auch den Steuerberater der Familie, der fortan nicht mehr an unserem Kracherwochende teilnehmen wollte.

Da wir unbedingt die Erfolgsfußballer aus der Kraichgau bewundern wollten suchten wir uns im Steintorfilter eine Kneipe. Zielgenau steuerten wir in eine Antifakneipe und da wir überraschend direkt zum neuen Stammpublikum befördert wurden durften wir auch bestimmen, dass nun die Sportschau gezeigt werden sollte. In diesem Zeitraum fiel auch die erste herwigsche Phase: Die Begeisterung. Da uns jedoch der Magen knurrte und nach der Sportschau auch vermehrt anderes Publikum die Kneipe betrat orientierten wir uns anderweitig und genossen einen köstlichen Dürüm, der in Dortmund bisher seines Gleichen sucht. In diesen Zeitraum fiel dann, recht früh am Abend schon, die zweite herwigsche Phase: Die melancholisch-pessimistische Wehmut. Der Abend sollte jedoch noch nicht zu Ende sein und wir orientierten uns wieder in Richtung Hemeligen.

In der Straßenbahn dorthin flackerte noch kurzzeitig eine Schnorrer-Phase auf, sodass uns Herwig kostenneutral eine Handgranate Haake Beck besorgen konnte. In Hemeligen kehrten wir dann noch in Reichweite zu unserer Luxus-Herberge im „Föhrer“ ein und ließen in dieser Rullich-Partnerkneipe den Abend auswürfeln. Der älteste Mensch der Welt hielt sich hierbei überraschend schadlos obwohl er ausnahmslos in jedem Finale teilnehmen musste. Chapeau! Zum Abschluss kam es noch kurzzeitig zu einer Schnorrer-Phase und auch nochmal die Jedermanns-Freunde-Phase bevor wir nach einem äußerst sinnvollen „Die-Bayern“-Telefonat in die Federn fielen und zumindest teilweise auch umgehend einschliefen.

Der Sonntag begann, nach dem Austauschen diverser Schnarchaufnahmen, schon früh mit der eisernen Diskussion über den Hopperplan. Lieber das sichere Kreuz in Bremen-Neustadt, oder ein Exot, dessen Namen derart viel Esprit und Erotik ausstrahlte, dass wir ihm kaum widerstehen konnten: Hertha Otze! Frauenfußball! Testspiel! Zum Glück entschieden wir uns für ein weiteres Pokalspiel und besuchten den BTS Neustadt gegen SV Grohl, denn das Testspiel von Hertha Fotze wurde leider abgesagt wie wir später erfuhren. BTS Neustadt konnte, obwohl uns das Frühstücksbuffett für 2,90€ nicht vergönt blieb, aber auch mit einigem aufwarten. Mit einem recht keckigen Trainer mit recht keckigen Ansagen, einem Lokalsportjournalisten, der sich hoffentlich den ganzen Müll den wir verzapften in seinen Block notierte und einem ziemlich egozentrischen Schiedsrichter samt viel zu lauter Pfeiffe.

Irgendwann machten wir uns dann auf um von der Erlenstraße Richtung Havelse aufzubrechen wo das nächste Pokalspiel auf dem Plan stand. Rechtzeitig erreichten wir den Platz und überwanden die äußerst professionellen Einlasskontrollen bei der mit IPhones der Barcode der Eintrittskarten abfotografiert wurden. Das Spiel gestaltete sich als echter Hingucker denn der TSV Havelse konnte nicht nur mit dem Club aus Nürnberg mithalten, nein, er war sogar überlegen. Zwar dachten wir uns insgeheim, dass es wie so oft laufen würde und der Bundesligist den Amateur dann mit zunehmender Spielzeit dann abziehen würde, jedoch wollten die Niedersachsen nicht aufstecken. Mal standen wir mit volltätowierten Nürnberger Altsportlern an der Bande zur Gegentribüne, mal guckten wir das Spiel via Sky aus der Vereinsgaststätte, zum Ende standen wir hinter dem Tor. Und zwar direkt hinterm Tor, das Netz in Griffweite und das Mikrofon des Fernsehteams in Spruchweite.

Die Hoffnung nach dem Seitenwechsel in der Verlängerung Raphael Schäfer dann auf unserer Seite „begrüßen“ zu dürfen wurde allerdings jäh zerstört als uns die Ordner auf Wunsch des NDR von unserem Paradeplatz wegholten. Die Fans die wir alle nicht wollen will man wohl auch nicht im DFB-Pokal sehen bzw. hören. Am Ende stand tatsächlich ein Sieg des Underdogs auf dem Tableau und wir fuhren guter Dinge wieder heimwärts. Eigentlich hatten wir uns noch zum Abendessen auf einen Kick in Holzwickede geeinigt, jedoch ließen es die Verkehrsbedingungen nicht wirklich zu schnell vorran zu kommen sodass wir auf dieses abschließende Spiel dann doch verzichteten. In Dortmund ereilte uns dann förmlich der Schlag. Ein ganzer Tag bei 16°C im Auto und dann öffnet man bei gefühlten 40°C die Tür. Egal.

Wer jetzt denkt, dass es das gewesen wäre liegt falsch. Das Sahnehäubchen stand noch mit RWE gegen Union auf dem Programm. Und es war von Stimmung und Spannung her gesehen das beste Spiel des Wochenendes. Das mehr oder weniger erste richtige Spiel im neuen Stadion war ein Volltreffer, wenngleich der Sieger am Ende die falschen Farben trug. Irgendwas haben die über den Sommer mit dem Bier an der Hafenstraße gemacht. Nicht, nur dass es jetzt in 0,4-Bechern gereicht wird, man ist komischerweise nach vier Fangetränken auch irgendwie knallvoll. War jut jewesen und schreit nach einer Wiederholung im nächsten Jahr!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s