Jetzt geht es ab, ab, ab in die Champions League

Aus aktuellem Anlass zitieren Eure Lieblingsfettlinge an dieser Stelle den Champions League Vorbericht aus dem Vorspiel von THE UNITY. Allen, die sich noch genauer mit den Hintergründen und dem organisatorischen Aufwand auseinandersetzen wollen, der für ein CL Spiel betrieben werden muss, sei noch die WDR Sport Inside Reportage von gestern Abend ans Herz gelegt.

Zugegeben, es war tatsächlich ein erhabenes Gefühl, am 28.08. die Auslosung zur Gruppenphase der UEFA Champions League zu verfolgen und zu sehen, dass Borussie endlich wieder im Konzert der Großen mitspielen darf. Als dann auch noch, Glücksfee Lothar Matthäus sei Dank, der BVB in die Traumgruppe mit dem FC Arsenal, Olympique Marseille und Olympiakos Piräus gelost wurde, kannte die Vorfreude in Dortmund keine Grenzen mehr. Welch traumhafte Grundvoraussetzungen für unser Comeback in der Königsklasse: eine würdige Belohnung für unsere Meistermannschaft und drei pulsierende Metropolen als etwaige Reiseziele. Das Glück schien perfekt.

Doch leider müssen wir uns an dieser Stelle auch mit den Schattenseiten dieses Wettbewerbes auseinandersetzen. Die Champions League ist schon lange nicht mehr ein rein sportliches Kräftemessen, in dem einfach die beste Clubmannschaft Europas ermittelt werden soll. Viel mehr handelt es sich schon seit Jahren um eine massive Geldmaschinerie, in der es vorrangig nur darum geht, möglichst viele Euros zu erwirtschaften. Wir alle haben uns daran gewöhnt, dass natürlich längst nicht mehr nur die Meister der einzelnen Länder gegeneinander antreten, sondern Ligaverbände mittlerweile sogar bis zu vier Mannschaften stellen dürfen. Dies führt natürlich den Begriff „Champion“ ad absurdum. (Übrigens, der letzte Verein, der die Trophäe gewinnen konnte als nur Meister qualifiziert waren, ist unsere Borussia.)

Aber auch aus Fansicht erwarten uns gravierende Einschränkungen. Die Abschaffung der Stehplätze in den europäischen Wettbewerben resultiert in drastisch gestiegenen Kartenpreisen und sorgt dafür, dass gerade jüngere Fans vom Erlebnis Champions League ausgeschlossen werden. Dazu kommt die Kartenknappheit bei Auswärtsspielen und die Fantasiepreise die gerade in Ländern wie Frankreich (66 Euro für die billigste Gästeblockkarte in Marseille)und England abgerufen werden. Diese Problematiken sollten gerade uns Dortmunder sensibilisieren auch weiterhin für gerechte Preise und Stehplätze bei internationalen Spielen zu kämpfen. Dank der Kampagne „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“ nehmen wir in Deutschland eine Vorreiterrolle ein und dürfen uns auch bei allem Flair der Königsklasse nicht davon blenden lassen, dass es hierbei um den „modernen Fußball“ in Reinkultur geht. Faninteressen stehen weit hinter finanziellen Aspekten zurück. So werden beispielsweise viele der begehrten Karten nur über offizielle Reisebüros verkauft, so dass die Fans teilweise gezwungen sind, überteuerte Pauschalreisen zu kaufen, um in den Genuss zu kommen, Borussia zu unterstützen.

Auch wenn uns traumhafte Reiseziele erwarten, müssen wir wachsam bleiben und aufmerksam die Gegebenheiten vor Ort beobachten. In England haben die Fans das Spiel schon lange an die Werbeindustrie verloren. Hier geht es nur noch um Gewinnmaximierung, TV-Gelder und Merchandise. Bereits 2002 warb der offizielle Fanshop der Gunners mit dem schaurigen Slogan „Show your support – and buy“. Eine Parole, die die grotesken Verhältnisse auf der Insel leider bestens umschreibt. Mittlerweile ist dort aber tatsächlich noch schlimmer geworden, in der neuen Sponsorenschüssel ist eigentlich alles verboten, was für Fans die Reize eines Spielbesuchs ausmacht. Stehen, schwenken, Fanfaren und sogar Beleidigungen sind mittlerweile untersagt. Wer sich von seinem Nachbarn durch diese fantypsichen Aktivitäten gestört fühlt, kann sogar den Ordnungsdienst per SMS verständigen und der vermeintliche Delinquent wird des Stadions verwiesen. Müßig zu erwähnen, dass von der verklärten englischen Stimmung nichts mehr übrig ist.

Bekanntlich geht in Frankreich der Staat massiv gegen organisierte Fanvereinigungen vor. Wie wir Euch vor Jahresfrist bereits im Vorspiel erläutert haben, verbietet hier sogar das Innenministerium ganze Ultragruppen aus Gründen der Gefahrenabwehr. Was lächerlich klingt, ist dort lange Realität. Achtet also bei Euren Reisen auch darauf, wie verkommen der Fußball in anderen Ländern bereits ist. Wir müssen daraus den unbedingten Willen ziehen, weiter für unsere Vorstellungen und Ideale zu kämpfen und das Spiel eben nicht der anderen Seite zu überlassen. Wir können sicher nicht das Rad der Zeit zurückdrehen, aber wir können alles dafür tun, den Fußball und die Fankultur bei uns zu erhalten. Nie aufgeben.

Football is for you and me – not for fucking industrie.

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