Oh du fußballfreie Zeit…

Drei Wochen ist es nun schon her, dass ruhmreiche Ballspielverein von 1909 die Schale entgegen genommen hat und die ohnehin pulsierende Stadt Dortmund in einen kollektiven Rausch versetzte. Während anderswo nun die Sommerdepression beginnen, gehen Eure Lieblingsvierlinge weiterhin auf Abenteuerjagd und berichten von den Sportplätzen dieser Welt oder – wie es ein richtiger Hopper (und Ultrá) in der vergangenen Woche ausdrückte – zum gefühlten 1312 Mal von den Bezirkssportanlage im Ruhrrevier. Ganz so schlimm wird es aber dann doch für unsere Leserschaft nicht ausgehen, denn obwohl die Wissenschaftsbichs in Ermangelung Alternativen den Kreisligaklassiker zwischen Adler Frintrop IV und dem DJK Dellweig II verfolgten, haben wir noch einige Highlights in petto.

Beginnen wollen wir mit dem diesjährigen Pokalfinale auf Kreisebene – genauer gesagt dem nach einem ekeligen Altbiersponsor (ein Gruß an den Schließmuskel des schlausten Menschen der Welt) benannten Niederrhein Pokal, der dieses Jahr zwischen der heimlichen Bichliebe Rot-Weiss Essen und der Sport- und Spielvereinigung Velbert von 1902 ausgetragen werden sollte. Da sich die Sportstadt Velbert auf geradezu eklig anbiedernde Art und Wiese beim veranstaltenden Fußballverband Niederrhein um die Austragung des Finals bemühte und die letzten beiden Endspiele bereits an der Hafenstraße stattgefunden hatten, sollte die Partie also im wunderschön, baufälligen Stadion an der Sonnenblume ausgetragen werden, womit beiden Vereinen wohl einige Zuschauereinnahmen durch die Lappen gegangen sein durften.

Bereits im Vorfeld berichteten die Lokalmedien über eine etwaige Kartenknappheit und da die Freunde und Helfer dieses absolut brisante Spiel (immerhin hatte der Torwart der SSVg. die RWE Fans im Ligaspiel mit unschönen Gesten provoziert…‘) auch sofort als Hochrisikospiel einstufte, durften am Spieltag keine Tickets verkauft werden. Cleverweise hatte sich aber Eure Lieblingsreisegruppe bereits im Vorfeld um Karten gekümmert und so machten sich neben den beiden Wissenschaftsbichs und dem Bicheinling auch der schlauste Mensch der Welt und Hubert auf ins Bergische Land. Während die wirklich arbeitende Bevölkerung die beschwerliche zwanzig minütige Anreise mit Kraftfahrzeug bestritt, entschieden sich die schmarotzenden Griechenbichs für die kostenneutralen Busanreise mit den dankenswerterweise von der EVAG zu Verfügung gestellten Pendelbussen.

Nachdem die ersten vier Busse pickepackevoll den unterirdischen Kopfbahnhof Essen 21 verlassen hatten, machten wir es uns im nur spärlich gefüllten fünften Bus bequem und konnten sogar Sitzplätze ergattern. Freundlicherweise stellte uns auch noch der Mitfahrer Mulle ein eisgekühltes St. Auder zur Verfügung, so dass die Fahrt wie im Fluge verging und wir schon bald die Velberter Stadtgrenze erreichten. Unserer Befürchtung im Feierabendverkehr stecken zu bleiben, bewahrheitete sich glücklicherweise nicht, nahmen uns doch sofort die oben erwähnten 1312 Freunde und Helfer in Empfang und eskortierten unseren Bus in den hermetisch abgeriegelten Gästebereich vor dem Stadion. Müßig zu erwähnen, dass man natürlich auch bei einem Fußballspiel auf Kreisebene sofort eingekesselt wird und keinesfalls noch in die Stadt oder gar zur nächstgelegenen Tankstelle gehen darf – und das obwohl doch der größte Fußballfan Terrorist der Welt endlich seine gerechte Strafe erhalten hat und sich nun mit 72 Jungfrauen im Paradies vergnügt. mit Auch die Organisatoren aus Velbert waren der Meinung, dass man sicherlich mit Vergeltungsaktionen der Al-Quaida Terrorzelle aus Essen rechen müsse, und so wurde jeder Einzelne äußerst penibel samt T-Shirt Aufdruck kontrolliert. Kein Wunder, dass sich so etwas Profanes wie der Anstoß eines Fußballspiels aufgrund dieser Maßnahmen verzögern musste.

Natürlich gab es im Stadion auch keinen Alkohol, dafür aber ein knuffiges Wertmarkensystem, so dass man selbst für eine Bratwurst zweimal anstehen durfte. Dementsprechend boykottieren die Bichs die Verpflegungsstände, was den Veranstalter sicherlich noch härter getroffen haben wird, als die fehlenden Eintrittsgelder… Immerhin entdeckte der Buschfunk dann doch einen Fehler im System, als das unfähige Personal am Bierstand aus Versehen doch ein richtiges Bierfass anschloss und sich fortan zumindest einige Minuten kaum dem Ansturm der ausgedörrten Fans erwehren konnte.

Auf dem Platz ging zumindest in der Anfangsphase ähnlich hitzig zu und die schon nach wenigen Minuten waren die Rot-Weissen im Glück, dass der Schiedsrichter auf Weiterspielen entschied, als Leon Enzmann in höchster Not auf oder gar hinter der Linie klärte. Mit zunehmender Spieldauer bekamen die Essener aber ihren Gegner besser in der Griff, bis auf den ein oder anderen „Gewaltroller“ kam aber nichts zählbares zustande. Wir hatten derweil das Große Glück uns in einem klassischen Rentnerblock zu befinden und erfuhren von den anwesenden Fußballexperten, dass eigentlich keiner der Aktiven auf dem Rasen nur annähernd etwas taugt und schon gar nicht der Linksaußen mit der Steineschmeisserfrisur.

In der zweiten Halbzeit fiel dann das Tor des Tages für die Rot-Weissen, die dank dieses Sieges nun in Pokalhauptrunde einziehen, die Krönung für die ohnehin schon gelungene Meistersaison! Die Fans feierten ihre Helden auch gebührend inklusive halbernst gemeinter Hinweise, dass man über Velbert nach Berlin fahre und übernächste Saison im Europapokal spiele. Auch die Velberter Spieler zollten den Essener Fans Respekt und so ging es schiedlich friedlich ab nach Hause, wo wir bei Diät Cola und Caipirinha noch die Ereignisse des Tages reflektierten.

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2 Gedanken zu “Oh du fußballfreie Zeit…

  1. Kluger Mensch schreibt:

    „Ich finde, dass unsere Existenz generell eher unspannend ist. Da ist Fußball die einzige Unterbrechung die es aufbricht.“

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