Jetzt oder nie: Atomenergie!

Da der schlauste Mensch der Welt scheinbar auch sehr fleißig ist, gibt’s hier schon heute den Bericht des gestrigen Amateurspiels in Mainz (und damit sogar schneller als die Kutten von sg.de):

FSV Mainz gegen Borussia Dortmund: Vorletzte Woche sorgte diese Begegnung noch für Zündstoff. Nach dem geilen 4:1-Sieg gegen Hannoi lockte diese Begegnung aber nicht mehr die Massen in das letzte BVB-Spiel im Bruchwegstadion, obwohl, zumindest bei mir die Vorfreude auf eine WET-Tour nach dem unsäglichen Scheitern der Trier-Fahrt sehr groß war. Während in den letzten Monaten Auswärtstouren, auch die der Amateure immer überproportional gut besucht waren staunte ich nicht schlecht als ich den WET-Haufen erblickte: ein 17-köpfiger Gewaltmob!

Vorausgegangen war, dass die Verbindung dieses Mal nicht öffentlich kommuniziert wurde um Repressalien und Schikanen, wie sie uns gegen Trier trafen, direkt den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mit der Folge, dass wahrscheinlich diverse Szeneunkundige Beamte in sonntäglicher Herrgottsfrühe einsam und verlassen am Hauptbahnhof standen. Wir sind auswärts immer dabei! Trotz der Polizei! Um es vorweg zu nehmen: Dieses Bild zeigte sich auch im kompletten Verlauf des Tages. Kein einziger Uniformierter! Von diesem Fesseln befreit startete die Gruppe in eine sensationelle Tour nach Rheinhessen.

Einige noch stark vom gestrigen Abend geprägt, andere schon wieder (oder noch) in Höchstform entwickelte sich der typische WET-Flair. Aber alles gesittet. Ja sogar mit Tickets! Die Umstiege änderten wie an dem fehlenden Geleitschutz auch nichts an der Stimmung. Ja sogar die Schaffner waren alle sehr nett, behilflich und korrekt! Während gerüchtweise es im Ruhrgebiet den ganzen Tag durchregnete empfang uns die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz bei bestem sommerlichen Sonnenschein. Da uns auch hier keine Ordnungsmacht entgegen stand wählten wie einfach mal den kürzesten Weg zum Stadion und nicht das Gehampel das uns bei Bundesligaspielen immer dargeboten wird. Es passte einfach alles!

Am Stadion angekommen standen uns aber die Fragezeichen im Gesicht. Das Stadion war zu! Und nach etlichen Minuten später, nachdem dann doch die Kassen geöffnet wurden, wuchsen die Fragezeichen beträchtlich weiter. Der uns aus der Bundesliga bekannte Gästeblock, der uns auch schon in diversen Spielen der A-Jugend und den Amateuren beherbergte sollte geschlossen bleiben! Geöffnet würde einzig und allein die Haupttribüne – zum Pauschalpreis von 10€. Dieser Aspekt verschlug uns glatt die Sprache. Da werden seitens des DFB und der DFL für Vereine surreale und tiefgreifende Schritte gefordert was Sicherheit im Stadion, Blocktrennung usw. betrifft, und dann streicht man einfach den Fans eines Vereins, der bekannt dafür ist mit vielen treuen Begleitern anzureisen, den Gästeblock, verfrachtet alle Besucher auf eine einzige Tribüne und verlangt dann noch, für dieses Viertligaspiel einen Preis von 10€!

Das Personal an den Ticketschaltern zeigte recht wenig Kompromissbereitschaft, ja eher sogar Entrüstung über unsere Kritik: „Was wollt ihr denn? Unsere ganzen guten Spieler sind doch schon bei euch in Dortmund. Was wollt ihr noch? Wollt ihr umsonst ins Stadion?“ Nein, so weltfremd sind wir nicht! Wir wollen zu dem regulären Stehplatzkurs, den man in den letzten Jahren auch immer entrichtete zu einem Fußballspiel. Da aber absolut kein Gesprächsansatz herrschte, machte der irritierte Haufen einen kleinen Spaziergang ums Stadion und traf dabei auf angestellte des Vereins, die offensichtlich einerseits mehr Verständnis, aber auch mehr Befugnisse hatten. So war es nachdem der Kontakt hergestellt war überraschend einfach, einen Kompromiss aushandeln, indem einfach alle Ultras von die Amateure den ermäßigten Eintritt von 6€ zahlen mussten. In Zeiten, in denen es Bedarf nach Kampagnen wie „Kein Zwanni“ gibt ein faires Ding! Augenscheinlich wurden auch in Mainz die Köpfe für faire Preispolitik sensibilisiert, was sich auch im Boykott der blauen Hurensöhne und ihrer Abzocke zeigt.

Im „Gästeblock“ sammelten sich dann neben den anfänglich 17 Zugfahrern noch einige dekadente Autofahrer und Umlandfans, sodass es am Ende etwa ein hoher zweistelliger Anhang gewesen sein dürfte. Warum? Sonntagsspiel, nicht parallel zu den Profis, klasse WET-Bedingungen! Das nächste nicht parallele Spiel können wir erst in sechs Wochen, am Vorabend des letzten Spieltags der Profis sehen! Ansonsten wurde auch Teddy de Beer auf der Tribüne gesichtet. Wahrscheinlich wollte er den designierten und einzig legitimen Stammtorhüter der nächsten Saison im Einsatz bewundern. Neben ihm der kommende Trainer der BVB-Pferde David Wagner. Da auf Mainzer Seite ungefähr niemand anwesend war dominierte unser schwarz-gelbe Haufen in bestem Kaiserwetter die Szenerie des fast leeren Stadions. Auch auf dem Platz bestimmte die Amateure nach langer Durststrecke wieder das Geschehen und gewannen verdient mit 2:1. Die Stimmung war außerordentlich gut, sodass auch viele individuelle und neue Gesänge vorgetragen wurden.

Nach dem Spiel ging es gemütlich und wieder ohne Klonkrieger zurück zum Bahnhof, wo sich der kärgliche Haufen getreu dem Motto „Wir sind wenig aber geil“ auf den Rückweg machte. Im Verlaufe des Abends zeigte USP (Ultrà St. Pennematz) dann aber doch erste Schwächen. In Köln nahm uns das Fanprojekt in Empfang und führte uns geschickt in die 1. Klasse wo uns nach kurzer Zeit der zynischste, lustigste, doppeldeutigste und unterhaltsamste Schaffner der Deutschen Bahn besuchte und die letzten Minuten der Fahrt abermals erheblich versüßten.

Am Ende ein vielleicht naiv-romantischer Wunsch: Ich wünsche mir, dass jede Auswärts-WET-Tour wird wie diese! Keine Bullen, kein Stress, beste Stimmung und mit Freunden einen Sieg unserer Borussia erleben!

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