Dann haben wir telefoniert?!?

Wir sind zurück! Die Bichs haben ein Vorabkonzert der 2010er Vollgas-Tournee gegeben. Anlass waren 250 Jahre Tradition und ein lange fehlendes Kreuz im altehrwürdigen „Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße“.

Im Fernsehen läuft gerade die Pressekonferenz zu den erschreckenden Zwischenfällen bei der gestrigen Loveparade. Die Loveparade ist tot. Und leider nicht nur die. Es wäre müßig und auch billig sich jetzt im Nachhinein in den Singsang von Besserwisserei und Vorwürfen einzureihen, jedoch muss das Konzept, wie all dies zustande gekommen ist hinterfragt werden. Blinde und in Trittbrettfahrermanier getätigte Zusagen, die Loveparade ins Ruhrgebiet zu holen wurden zusätzlich durch den öffentlichen Druck befeuert indem die Veranstaltung zur wichtigen Säule der famosen Kulturhauptstadt deklariert wurde. Da muss sich die Ägide der Lokal- und Regionalpolitik unbequeme Fragen gefallen lassen. Auf jeden Fall erscheint der mutige Schritt der Stadt Bochum, die sich 2009 für die Absage der Loveparade entschieden und dafür viel Häme und Arroganz geerntet hatte, in einem ganz anderen Licht. Es ist einfach schrecklich bitter, dass man sich unter solch mangelhaften verkehrsinfrastrukturellen Umständen und Fehlplanungen in derartige Sachzwänge hat bringen lassen, die jetzt auf entsetzliche Weise bestraft wurden.

Wenigstens kann Enya jetzt wieder ein paar mehr Platten verkaufen! Trotz aller Bitterkeit, die auch die Sechzger an diesem Tage erlebt haben dürften, soll der gestrige äußerst bichige Tag auch seine Würdigung erfahren:

Da der Tourbus wieder mal einen Defekt (dieses mal: Keilriemen) hatte musste das geliebte Bichumfeld auf die dekadente Weise anreisen und verließ sich auf einen Chauffeurservice und eine Flugreise gen München. Schon klasse wenn man zum Auswärtsspiel in teuer bezahlten XL-Seats eines Airbus verbringen kann. Leider war der Sauerländer Zirkel nicht mit an Bord und konnte uns nochmal die Sache mit der Nummer und der Gurtverlängerung erklären. In München gelandet (weich, nicht so wie in Kopenhagen!), empfangen von Vater42, sollte es auch direkt via Escortservice weitergehen. Dem ungarischen Taxifahrer gelang es jedoch trotz allerhöchster Eloquenz und der Bitte die Sechzger heute mal „ohne Schwanz zu ficken“ nicht uns für sein Gefährt zu gewinnen. Wir entschieden uns für die kostenfreie Anfahrt per S-Bahn, in der sogleich auch der tagesaktuelle Spießer-Award verliehen wurde: Es hat zwar den ganzen Tag geregnet, aber seine persönlichen Gegenstände in einem Gefrierbeutel zu verstauen ist eine neue, gefährliche Tendenz.

Weil wir ja schon zu unchristlicher Zeit aufgebrochen waren kehrten wir noch zu einem Frühstück ein um auf Familie Hausmeister zu warten. Leider gab es anstatt von Remoulade nur Marmelade und auch sonst waren die Angebote im kleinen Stehkaffee rar gesät. Dennoch mutierte der Bierige zum fulminant Hungrigen und verdrückte zum Erstaunen des restlichen Bichumfelds sage und schreibe zwei ganze Brötchen und eine Käsestange. Das muss an der bayerischen Stadtluft liegen. Es folgte ein zünftiges Münchner Budenbier im einziehenden Schacht der U-Bahn um weiter etwas Zeit zu vertrödeln. Danach ein kleiner Abstecher der rennsportlichen Fraktion inklusive einer modischen Reminiszenz an Dortmunds grelle Schuhultras. Und weil es danach immer noch regnete, konnten wir leider nicht nach Hellabrunn, ins Deutsche Museum oder in die Alte Pinakothek sondern mussten unangenehmerweise, wie üblich in München ins Augustiner.

Dort wurden wir, nachdem der Schlaue nicht mehr los, und der Hungrige nicht mehr Groß musste, ins Eichwesen eingeführt. In Bayern wird der letzte Zentimeter zum Eichstrich nach wie vor dem König geopfert, in Preußen entsprechend die Rechnung nicht in Gänze bezahlt. Zum Glück konnten wir uns aus diesen Unwägbarkeiten herauswieseln, da der Hungrige ja als Eichfass bei der Sparkasse arbeitet. Danach wurden noch schnell Regenschirme (wofür ich mich als Insulaner vor mir selbst ekel) gekauft um auch mit der letzten Pore das Stadionerlebnis aufsaugen zu können. Über die Schirmfarben sollte nicht weiter gesprochen werden, der Abenteurer war mit seinem Schirm an dem Tag aber auf jeden Fall ein ganzer Mann.

Bei Dauerregen, das ja in Fußballkreisen als Fritz-Walter-Wetter romantisiert wird, ging es dann weiter gen Giesing ins Stadion. Ein richtiges Stadion, das außerordentlich zu gefallen wusste! Nur teilweise überdacht, Stehplätze, auf den Klos stinkts nach Pisse, die Bierschlange ist lang, das Rund ist voll. Zum Einmarsch gab es eine entsprechende Choreographie. Gewöhnungsbedürftig jedoch, dass ständig ein „Endsieg München“ skandiert wurde. Das Spiel war passend zum Wetter ziemlich mäßig und wie Testpiele halt sind ziemlich uninspiriert. Aber das war eigentlich auch völlig egal. Endstand: 1:1. Im Blickpunkt der Elfmetertöter Roman Weidenfeller und Toni da Silva, der komischerweise immer noch bei uns rumgurkt. Langsam sollte man mal aus den Puschen kommen wenn man in 3 Wochen im DFB-Pokal bestehen will. Interessantes und Wissenswertes zum Spiel und Drumrum gibt’s bei den bekannten Quellen. Angemerkt sei, dass der namenlose Mob erfreulich unsichtbar agierte.

Zum Glück eiferte ein Teil unserer Reisegruppe nicht dem früheren Chef der Südtribüne a.D. nach. Folglich mussten auch keine Schichten verteilt werden und niemand trat in eine Metamorphose zu einem Sack Flöhe ein. Zum Glück! Denn wo kämen wir hin wenn das alle machen würden? Für die Rückfahrt wurde das Unternehmen Zukunft gewählt. Nachdem man noch etwas am Hauptbahnhof herumhängen durfte und der eine oder andere Bierflaschen in Hosen- und Notebooktaschen zerschmissen hatte bestiegen wir den grotesk eisgekühlten ICE. Also die Klimaanalage lief! Genauso unsensibel zeigte sich auch das Personal, welches den Limonigen verulkte. Der arme Junge braucht zuhause medizinisches Gerät für einen gesunden Schlaf und wird im Zug einfach ausgelacht!

Ansonsten ist das schon bemerkenswert. Man merkt in diesen Höchstgeschwindigkeitszügen nicht mehr wie schnell man eigentlich ist. Da kann man während der Fahrt bequem die nächsten Schiebergeschäfte koordinieren. Telefonisch wurde Niels Werner Kampmann darüber informiert, dass Luigi um 5 mit dem Flieger aus Zürich landet und entsprechende Rotlicht-Order vergeben. Schon cool zu welchen lustigen Sachen die phat-app des iPhone so taugt. Darüber hinaus unterhielten sich der stinkende Wichser und dieser Kerl von den Unities aus Ulm über das universitäre Arbeitszeitmodell: Wer nicht kommt hat frei – und wer doch kommt macht sich halt durch Arbeit frei. Folglich ging die Fahrt wie im Fluge! Über Monta Bauer sucht Frau, Limburg ihr Fotzen und Buchenwald (nächster Halt!) in nur 2,5 Stunden von Köln nach Dortmund. Da muss ich lange trainieren bis ich das mal mit dem Rad schaffe. Zwischenhalt in dem Kacknest Gruiten, wo wir die bekannten Gesichter des vorrausfahrenden, gestrandeten ICEs einsammeln mussten.

Insgesamt also wieder eine lockere 24-Stunden-Tour, die trotz, oder vielleicht auch gerade wegen der Unbeschwertheit eines Testspiels viel Spaß gemacht hat!

PS: Herwigs Tour hat noch etwas länger gedauert, schließlich kehrte er noch an der obligatorischen Ex-Tankstelle am HBF ein, wo er nicht unweit von seinem Lieblingsraucherbereich in skuriller Runde über das Ruhrgebiet diskutierte. Ein besonderer Gruß an Herren Krause, den windigen „Geschäftsmann“ aus Offenburg, JBO Fan Hotte, der Bier und Zigaretten spendierte, sowie den arbeitslosen Geographen, die das alles hier sowieso nicht lesen werden…

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2 Gedanken zu “Dann haben wir telefoniert?!?

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