Von unterhalb der Gürtellinie

Völlig ungewohnt beginnt dieser Bericht ausnahmsweise am frühen Montag morgen. Während ich mich noch spät-römisch dekadent im Bettchen räkele, klingelt für den Rächer der Gerechten bereits um 5.50 der Wecker. Gut gelaunt, wie man nach 7,5 Stunden Schlaf eben ist, biete ich tatsächlich an, den tapferen Snör Bertram zu dieser unchristlichen Zeit zum Bahnhof zu chauffieren. Daher sitze ich eine Viertelstunde später im Auto und werde Zeuge der Spieltagsnachbetrachtung bei WDR 2, so dass ich mich auf der Heimfahrt den diversen Rechenspielen hingebe. Eigentlich kann dieses Jahr ja gar nichts mehr schief gehen, der Europapokalplatz ist so gut wie sicher und selbst die Championsleague scheint noch erreichbar – eigentlich ist also alles gut – würden in meinem Hinterkopf nicht ständig die Namen Madrid, Cottbus, Brügge, Verlier Ma Olmütz, KRC Genk, Udine und Pokalfinale umher spuken.

Also setzte ich mich an den Rechner, um unsere Chancen anhand des kicker-Tabellenrechners genauer zu analysieren, schließlich spielen ja einige unserer Konkurrenten noch gegeneinander. Noch bevor ich allerdings überhaupt dazu komme, kicker.de zu öffnen, fällt mein Blick auf diesen geistreichen und investigativen Artikel in der heutigen RN. Der potentielle Pulitzer-Preis-Träger Sascha Fligge berichtet dort von „niedergeschriebenen Fäkalsprache-Salven Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp“ gegenüber. Der Verdacht auf wahrhaft grauenhafte Beleidigungen muss hier leider bestätigt werden, immerhin wurde der gute Dietmar als „Armleuchter“, „Hirni“, „Penis“ und „Dödel“ tituliert – sicherlich die grauenhaftesten Schimpfworte, die diesem „Journalisten“ in seiner wohl behüteten Vorstadtwelt jemals zu Ohren gekommen sind. Und da soll nochmal jemand sagen, an Deutschlands Hauptschulen regiere der Sittenverfall…

Glücklicherweise findet man an dieser Stelle stets die einzige Wahrheit, ungefärbt und ungeschönt…

Da die alten Herren von der DFL das Traditionsduell von insgesamt 212 Jahren geballter Fußballhistorie wohl als äußerst hochkarätig erachten, wurde die Partie prompt für die Kaffee und Kuchen (brauchen wir eh nicht!) am Sonntag Nachmittag angesetzt. Das Bichumfeld reiste auch heute mal wieder völlig ungeschlossen mit diversen Verkehrmitteln an, waren doch einige von uns noch in administrativen Missionen eingebunden. Trotzdem schaffte man es heute endlich einmal gesammelt in Block 13 zu stehen, wo man eher minder erfolgreich versuchte den ruhmreichen Ballspielverein auf den dritten Tabellenplatz zu schreien.

Das Westfalenstadion war heute für einen Sonntag äußerst gut gefüllt, hatte der BVB doch erneut die Gästesteher an den eigenen Anhang gebracht. Die „Gäste“ aus Hoffenheim schafften es im Spiel Nummer eins nach der B-BusBlockade lediglich knapp 800 ehrliche Arbeiter im Kohlenpott zu sammeln, vermutlich fielen die anderen 5200 aufrichtigen, Fans voller Herzblut in ihren Charterfliegern der Monsterwolke zum Opfer. Eigentlich sehr traurig, dass Mäzen und Gutmensch Dietmar Hopp nicht dem Vulkan etwas von seiner Kohle gibt, damit dieser weniger Asche produziert. Ich würde ihn auch prompt für den Laureus Medien Preis vorschlagen.

Zu Beginn des Spiel wurde auch von der Südtribüne lautstark auf das soziale Engagement unserer Lieblingsmilliadärs verwiesen und auch noch die obligatorischen Grüße an die Mutter des Mäzen und Gönners der TSG ausgerichtet. Leider fanden unsere Mannen aber in der ersten Halbzeit nicht richtig in Spiel gegen die defensiven Hoffenheimer, so dass Torchancen auf beiden Seiten Mangelware blieben. Zu allem Überfluss mussten auch noch zwei Leistungsträger in den ersten 25 Minuten verletzungsbedingt ausgewechselt, so dass unsere Mannschaft doch arg geschwächt auftreten musste. Trotzdem schaffte es unser geliebter Nelson (einer der Profiteure obiger Wechsel) den BVB tatsächlich in Richtung Championsleague zu schießen, was folgerichtig das Westfalenstadion in einen Orkan verwandelte. Beeindruckend. Leider ruhte sich unser Team nun auf der Führung aus und versuchte den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Dementsprechend kam es in der vorletzten Minute,  wie es kommen musste, und so stehen wir am Ende mit nur einem Punkt da. Klar ist das frustrierend, wenn man auf die Tabelle guckt und an die Leverkusener Niederlage denkt, allerdings kann sich das ganze noch als Punktgewinn herausstellen, wenn man bedenkt, wie schlecht sich zur Zeit der HSV anstellt…

Dementsprechend frustriert sammelte sich unser Haufen dann unter der Tribüne, von wo wir uns gemeinsam noch Richtung sTUbe aufmachten. Interessanterweise erhielten wir schon im Stadion Polizeischutz, eine vernünftige Maßnahme, bedenkt man das unwägbare Risikopotential vor dem Gästeblock. Glücklicherweise schützen uns unsere Freunde und Helfer vor den Krakeelern  in Schwarz aus dem Umfeld der Demba-Bären, so dass man unversehrt die Sektion Stadionverbot auf der anderen Seite der B1 in Empfang nehmen konnte. Leider verpassten die Fettkater unter den Bichs den Bus, so dass man zu Fuß den Weg zur sTUbe zurücklegen musste. Dabei kam es wie gewohnt zu sinnlosen Reibereien mit der Staatsmacht, die erneut verhindern wollten, dass Teile der Fans auf der Fahrbahn laufen. Dieses ehrenwerte Ziel wurde nun tatsächlich mit gezücktem Einsatzmehrzweckstock erfolgreich durchgesetzt, so dass der Verkehr zwar nicht durch Fußgänger dafür aber durch die Fahrzeuge einer Einsatzhundertschaft blockiert wurde. Mich erinnert das ganze einfach nur noch an einen Machtkampf zwischen Eltern und Kindern, in dem Eltern einfach ein sinnloses Verbot aus Prinzip durchsetzen wollen. Der einzige Unterschied ist hoffentlich der, dass der Vater nicht plötzlich mit dem Schlagstock seine Tochter bedroht, nur weil die ein Eis zu sich nimmt, obwohl sie ihren Spinat nicht aufgegessen hat…

Einmal kommt es andersrum!

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Ein Gedanke zu “Von unterhalb der Gürtellinie

  1. Jan von Liv schreibt:

    Alles wie im wahren Leben? Dann bringen die Kinder, die Spinat statt Eis essen mussten, ihre Eltern auch irgendwann zur Strafe ins Heim…

    Manchmal ist so ein Heimaufenthalt weniger der Gebrechlichkeit des hohen Alters denn der Zerbrechlichkeit eines Exoskeletts geschuldet und beruht auf der blanken Replik des Gegenübers / Störers und kommt früher als man denkt.

    Dann sitzen die wehrten Freunde und Helfer sabbernd mit ihrer Urinflasche, die es, wie auch anderen Senioren- und Pflegebedürftigenbedarf, zufälligerweise diese Woche bei Real gibt, im Schaukelstuhl während ihnen Rainer Wendt ein paar Märchengeschichten erzählt…

    Aus aktuellem Anlass: Am 13.12. jährt sich übrigens zum 50.-mal die Gründung der Europäische Organisation für Flugsicherung!

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