Fanprotest!

Dass dieses Fußballwochenende ergebnistechnisch für die Tonne war, muss ich wohl keinem unser mäßig intelligenten Leser noch groß erläutern. Profis und Amateure haben verloren, die Bayern haben es versäumt das Punktepolster auf den Gossenverein zu vergrößern und mit Stuttgart, dem VflWolfsburg, Werder und dem HSV haben zu allem Überfluß vier von fünf direkten Konkurrenten Punkte auf uns gut gemacht. Aber wie sagt Dortmund bekannteste WG so gern: „Kennste Esther? Das ist Waynes Schwester“ und „Kennste Gerd? Das ist Waynes Pferd“ – wir haben immer noch 5 Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Uefa-Cup Platz und somit alles selber in der Hand, drei Siege aus vier Spielen und die Messe ist gelesen, evtl. reicht ja sogar weniger…

Da sowohl die Bichs wie aus das bekannt Umfeld den Freitag wider Erwarten vernünftig im Pennematzland verbracht hatten, war es kein Problem für Kai-Uwe, Herwig, den Hubich sowie einem der besten Fahrer der Szene sich morgens um kurz vor acht auf dem S-Bahn Gleis einzufinden. Da man gerade zur Zeit als Bankkaufmann äußerst gewitzt sein muss, um auch in der heutigen Zeit dem Kunden das Ersparte aus der Tasche zu ziehen, kommt es nicht von ungefähr das unser Lieblingsabenteuer mit den flinken Fingern einen gewitzten Plan ausgeklügelt hatte, wie wir tatsächlich im Zug einen Sitzplatz kriegen. So reisten wir nach Oberhausen, um direkt in den Regionalexpress nach Koblenz einzusteigen, bevor in Duisburg der Rest der Szene zustieg. Nach ereignisloser Hinfahrt erreichten wir Mainz am frühen Mittag, wo die anwesende Staatsmacht zwar alle Fans aus dem Hauptbahnhof vertrieb, uns aber ansonsten in der Bewegungsfreiheit verwunderlicherweise nicht weiter einschränkte. So suchte das Bichumfeld noch ein nettes Wirtshaus in der Innenstadt auf, wo wir zumindest versuchten noch regionaltypische Speisen zu uns zu nehmen. Zu meinem Ärger  vergaß die äußerst kompetente Kellnerin die Bestellungen der beiden adipöseren Bichs, und somit reichte es nur für einen Döner auf die Faust, bevor uns der ÖPNV zum Stadion am Bruchweg fuhr.

Leider hatte der älteste Fan der Borussia seine Karte nicht rechtzeitig abgeholt und musste nun  mit einer Sitzplatzkarte im Nachbarblock vorlieb nehmen. Auch der Rest schaffte es nicht im proppevollen Block gemeinsam die Fahne hochzuhalten, so dass wir im Endeffekt völlig verteilt standen. Zu Beginn des Spiels hatten die Ultras von The Unity dazu aufgerufen, zehn Minuten zu schweigen, um auf die völlig unverhältnismäßigen Maßnahmen gegenüber den Fans vom 1. FC Köln und Hertha BSC aufmerksam zu machen. Schließlich befürchtet man, dass nun der Willkür und der Reduzierung oder gar dem Verbot von Auswärtskartenkontingenten nun Tür und Tor geöffnet worden sind. Dass diese Angst nicht unbegründet zeigt sich sofort, an den Beispielen der Ostclubs Dynamo Dresden und Hansa Rostock, deren Fans nun in Unterhaching bzw. Düsseldorf ausgesperrt werden sollen. Der BVB-Block zog eindrucksvoll geschlossen mit und zeigte Vereinen und DFL, wie die Stimmung zukünftig in deutschen Stadien aussehen wird, wenn die Fans mit Reiseverboten belegt werden. Glücklicherweise solidarisierte sich auch die Ultraszene Mainz mit unserem Protest, so dass man teilweise auch eine Stecknadel hätten fallen hören können. Leider ist der Einfluss der Mainzer im Stadion doch etwas zu gering, so dass gelegentlich einige kuttige Karnevalslieder durch das Rund schallten. Trotzdem ist die Botschaft angekommen, wie man der Berichterstattung bei Sky und der Sportschau entnehmen konnte. Hoffentlich lernen auch die Verantwortlichen hieraus. Ein großes Kompliment an die Initiatoren und alle, die sich beteiligt haben. Besonders schön war es in der Nachlese des Spieltages zu erfahren, dass sich trotz Gästeblockverbot circa 1200 Kölner in Sinsheim eingefunden haben und den örtlichen Pappnasen zeigten, wo der Hammer hängt. Dass der Aufenthalt von Gästefans in ausgewiesenen Heimbereichen in allen anderen Stadien wohl für deutlich mehr Ärger gesorgt hätte, sei hier nur am Rande bemerkt.

Unschönerweise kann man sonst nicht viel positives über unseren Auftritt in Landeshauptstadt schreiben, bis auf die die ersten 5 Minuten Vollgas nach dem Protest, war die Stimmung allerhöchstens durchwachsen, die Sonne blendete mich permanent und so musste ich in der Halbzeit tatsächlich zu überteuerten Preisen ein Mineralwasser erwerben, um keinen Sonnenstich zu bekommen. Die zweiten 45 Minuten verfolgte ich gemeinsam mit dem Skibich und seiner Autobesatzung, allerdings gab nur das Ergebnis aus Hannover noch Anlass zur Freude.

Nach dem Spiel sammelten sich alle vor dem Stadion im abgesperrten Bereich, wo die heute löblicherweise zurückhaltend agierenden Freunde und Helfer sogar tatsächlich Verpflegungseinkäufe im nah gelegenen Supermarkt erlaubten. Eigentlich traurig, dass eine solche Selbstverständlichkeit mittlerweile zu den Höhepunkten im Verhältnis zwischen Fans und Staatsmacht zählt. Die Rückfahrt wurde mit großer Verzögerung angetreten, da die Lok anscheinend defekt war, weswegen man promt den Anschlusszug in Koblenz verpaßte, so dass es mit der Bimmelbahn weiter nach Köln gehen sollte. Immerhin gestatte der Zugfahrer einen kurzen außerplanmäßigen Stopp im Nirgendwo, welchen die meisten Fans zur Auffrischung ihres Nikotindepots nutzten, wurde doch konsequent das Rauchverbot im Zug beachtet…

In Köln hieß es dann letztmalig umzusteigen, die Mitfahrer kurz zu beleidigen und nach kurzer Zeit trafen wir in der Ruhrmetropole und Einkausstadt ein. Der Vieraugenjunge und der adipöse Bich waren noch auf dem Geburtstagsempfang zu Ehren des aus Funk und Fernsehen berühmten Raben Pflückebeutel geladen und versuchten die Ort des Geschehens per Nachtexpress zu erreichen. In ebendiesem trafen wir noch die örtlich Discoszene sowie die dem Nachmittagsprogramm entsprungene Prekariatsjugend, so dass sich einige „fruchtbare Diskussionen“ entwickelten. Dementsprechend versäumten wir natürlich unseren Zielort und landeten zum dritten Mal an diesem Tage im idyllischen Mühlheim an der Ruhr. So durfte sich die örtliche Taxiinnung noch an den Bichs bereichern und kurz nach Mitternacht erreichten wir pünktlich zu den Freigetränken das Anyway in Frohnhausen. Dort wurde weder gewürfelt noch ein Riesenpenis versteckt und so kutschierte der Komeptenzel den tapferen Snör Bertram und mich in den frühen Morgenstunden stocknüchtern nach Hause.

Damit die Woche angenehm beginnt, hier noch zwei Tipps für alle, die sich auf der Arbeit langweilen oder zuhause spät römischer Dekadenz fröhnen:

1.Bemüht mal die google Bildersuche, um die neue Fahne der Herrenultras aus der Hauptstadt des Verbrechens zu finden. Sucht nach „Pro 1312 kein Kick ohne Randale“ (ohne Anführungszeichen).

2. Hört Euch den dreistündigen BVB-Podcast von Jens, Johannes und Mauricius an. Zu Gast ist Daniel, der Vorsänger von TU, besonders interessant ist der Teil ab 2.33.00 (Stunden natürlich), wo es um Euren Lieblingsblog geht 😉

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6 Gedanken zu “Fanprotest!

  1. Kutte09 schreibt:

    Zur Abfahrt: Es war in Mainz lediglich eine Tür defekt. Reicht aber offensichtlich für ne halbe Stunde Verspätung…

  2. Jan von Liv schreibt:

    Als periodisch lyrisch aktiv werdender Gastautor möchte ich Lech Kaczyński für den neuen Enke-Award vorschlagen. In treuer Pflichterfüllung für das polnische Vaterland flog er mit seiner altersschwachen und technisch unterlegenen Tupolew TU-154 insgesamt vier heldenhafte aber leider erfolglose Angriffswellen gegen den übermächtig erscheinenden Feind im dunklen Nebel! Seine Mannschaft hatte längst aufgegeben, weigerte sich das Todeskommando weiter zu führen und selbst die Flugsicherung bettelte sie mögen in Heimat zurückkehren um den sicheren Tod an der Front abzuwenden. Doch in unerschütterlichem Heldenmut schwor Lech seine Crew auf einen weiteren, letzten Versuch ein, den glorreichen und süßen Endsieg zu erlangen. Tapfer und todesmutig geriet die Maschine mit seiner loyalen und furchtlosen Mannschaft ab 5:45 Uhr über dem Sender Gleiwitz in feindliches mediales Sperrfeuer in dem sie schwer getroffen wurde und in einem Waldstück bei Smolensk zerschellte.

    Damit wird das ewige Schicksal nun wieder Gewissheit: http://redir.ec/Polen-offen

    Wir werden Lech Kaczynski, Kartoffelkönig von Polen und edlen Märtyrer, der sein Leben für uns alle gab, nie vergessen!

  3. MauriciusQ schreibt:

    @ MauriciusX

    Es hat Dir keiner gesagt, dass man da auch spulen kann, oder? 🙂 Du kannst mir aber auch kein X für ein Q vormachen.

    Mal was ernstes: Das ist nicht der Podcast von MauriciusQ und Konsorten, sondern von Jens, Johannes und Mauricius. Kleiner aber feiner Unterschied

  4. Hen Se schreibt:

    Schade das Frankfurter Hundenäpfe genauso wenig erwähnt werden wie ewige Flammen oder Lieder über unsere Landeshauptstadt!

    Schande auf dein Haupt, Adipösling!

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