Einsatz in Dresden und ein Satz mit Dresden

Treue Leserschaft,

Dieses Mal will Euch unser  filigraner  Familienblog über die geomorphologische Beschaffenheit der einstigen deutschen Ostzone informieren. Der sympathische Ex-Kanzler, Ex-Ehrenvorsitzende der CDU und Ehrenwortgeber Helmut K. bezeichnete schon 1990 die unterprivilegierten neuen Bundesländer als blühende Landschaften, so dass unsere illustre Reisegruppe sich hocherfreut auf eigene Erkundungstour machen sollte. Ziel war die sächsische Landeshauptstadt Dresden, die nicht nur Säule der Metropolregion Sachsendreieck sondern auch Austragungsort des gestrigen Spiels zwischen Dynamo und den begandeten Amateuren des Ballspielvereins sein sollte.

Nachdem die Partie schon einige Male verlegt worden war, freuten sich die Fans der Amateure, als der DFB bekannt gab, dass dieses Spiel tatsächlich nicht parallel zu einer Profibegegnung angepfiffen werden sollte. Prompt begann auch die Familie Bich mit der Reiseplanung und so begaben sich schlussendlich  drei speckige Wessiultras (Herr Wich, der Eier-Moritz und der stolze Sohn noch stolzerer Grillhausbesitzer) mit ihrem Reiseführer dem schlausten Menschen der Welt in die Peripherie. Komplettiert wurde unsere Reisegruppe ab Kassel noch vom äußerst gesunden Arthur T. vom BVB, der von Herwig bewusst aufgrund seiner Körpergröße als idealer Mitfahrer für den Mittelplatz auf der Rückbank ausgewählt worden war.

Gewohnt souverän steuerte der drittbeste Fahrer der Szene das Hubertmobil über die deutsche Autobahn (guuuut) und so erreichte man schon bald zuerst das Zonenrandgebiet (absolute Einöde) und dann den dunklen Teil der Republik (unterscheidet sich null vom Zonenrandgebiet). Es ist schon auffällig wie unbewohnt die Gegend hier erscheint. Auf hundert Kilometern Autobahn gibit es lediglich 14 Ausfahrten und keine einzige Autobahntankstelle, dafür aber die sicherlich größten und leersten Parkplätze des Landes und den wohl längsten Zaun, seit dem Fall der Mauer. Ob die beidseitige Umzäunung der Autobahn Resultat der vielen wilden Tiere oder doch der vorherrschenden Perspektivlosigkeit (und Ermangelung längerer Regionalzüge) ist, konnte selbst JVL nicht abschließend beantworten. Dafür konnte er uns die verschiedenen Haldentypen ausführlichst erklären, so in Zukunft niemand von mehr gelangweilt an Bergwerken und anderen Baustellen vorbeifahren muss. Insbesondere die beiden Premierenmitfahrer im Bichumfeld konnten ihre Begeisterung kaum zügeln und werden wohl bis auf Weiteres statt von Kloppo von Spitzkegeln (Typ 1), Tafelbergen (Typ 2) und Landschaftsbauwerken (erraten Typ 3) träumen.

Bei solchen Gesprächsthemen konnte die Fahrt ja nur wie im Fluge vergehen, so dass wir schon weit vor Anstoß die Heimat der Hooligans Elbflorenz erreichten. Wie bei meinen vorherigen Besuchen (sowohl mehrtägig mit dem tapferen Snör Bertram, sowie zum Fußball) empfand ich die Stadt als sehr trist und keinesfalls als die Metropole, die immer in den diversen Medien dargestellt wird. Lediglich im Stadtkern, also zwischen Hauptbahnhof und restaurierter Frauenkirche sieht die Stadt dank milliardenschweren Investition halbwegs erträglich aus. Das Geld hätte man besser in Sanierung der Vororte gesteckt, um die Stadt für die Bewohner statt für die Touristen attraktiv zu gestalten.  Festzuhalten bleibt allerdings, dass Dynamo im Stadtbild äußerst präsent ist, fast kein Gebäude ohne entsprechendes Graffiti – also fast wie im SGD-Hooligans Ruhrgebiet.

Auf dem Parkplatz des örtlichen Feinkosthändlers berieten wir noch schnell über die weitere Gestaltung des Nachmittags und entschieden uns – nachdem wir festgestellt hatten, dass wir glücklicherweise nicht im Erdgeschoss wohnen – noch kurz zum Kulturhoppen in die Altstadt zu fahren. Dort angekommen begutachteten wir alle bekannten Sehenswürdigkeiten nämlich Frauenkirche, Zwinger und die allseits bekannte Königstonne aus gebührendem Abstand, genossen noch die regionaltypische Küche in Form von Döner und Spaghetti Box, bevor wir den örtlich Supermarkt aufsuchten. Dort konnten wir nicht nur Proviant für Rückfahrt erwerben sondern auch einen tiefen Einblick in die einheimische Mentalita Bierra genießen (ein Mitreisender dachte zuerst, dass alle Kunden im Supermarkt Fans sein, weil eigentlich jeder Berge diverser Alkoholika (nicht der Möbelladen) in seinen Einkaufstüten verstaute) – liegt wohl an der trostlosen Gesamtsituation. Eigentlich wollte ich noch schnell unseren kleinen Arthur unter dem Schild „Kinder unter einem Meter essen für die Hälfte“ fotografieren, dies wurde mir aber untersagt. Menschenkenner Horst-Kevin erklärte mir heute beim Mittagessen den Grund, kleine Menschen werden ungern ihrer Körpergröße wegen geärgert. Danach nannte er mich fett…

Wie dem auch sei, konnten wir dieser Szenerie zeitnah gen Rudolf-Harbig-Stadion entfliehen, das überzeugenderweise in direkter Nähe der Altstadt liegt. Leider gestaltete sich die Parkplatzsuche als äußerst kompliziert, wollten wir das Hubertmobil doch der offiziellen Empfehlung folgend auf dem Gästeparkplatz abstellen. Dieser befindet sich selbstverständlich direkt in einer vertrauenserweckenden Plattenbausiedlung (Sozial ist Muss!) gleich hinter der Heimkurve – glücklicherweise ist Dresden ja ein ruhiges Pflaster, so dass bei solchen Planungen sicherlich nie etwas zu befürchten ist. Nachdem wir noch kurz auf die anderen KfZ-Insassen gewartet hatten begaben wir uns per Pedes zum Stadion, wo uns ein Ordner mitteilte, dass es nur einen Weg zum Gästeeingang gibt – nämlich durch die schwerlich einsehbare Parkanlage. Immerhin wünschte er uns noch „Viel Spaß“ bei dem Unterfangen – doch ein freundliches Völkchen  da drüben.

Doch auch diese letzte Hürde wurde souverän bewältigt und so erreichte man pünktlich zum Anstoß den äußerst gelungenen Neubau. Wirklich ein eindrucksvolles Stadion, natürlich steriler und ohne den „Stallgeruch“ des alten RHS, das vor allem durch seine imposant steilen Tribünen überzeugt. War der Gästeblock trotz Osterferien und äußerst attraktivem Gegner nur spärlich gefüllt, war der Andrang auf Heimseite so groß, dass sogar der Anstoß um eine Viertelstunde nach hinten geschoben wurde. Leider nützte die Kulisse nur den Dynamos, und so fiel mit dem Halbzeitpfiff das vorentscheidende 2:0. Sehr schade, da die Jungs für ihr phasenweise durchaus ansehnliches Spiel nicht belohnt wurden. Eine Szene verdeutlicht vielleicht die Defizite unserer Mannschaft im Abstiegskampf: Julian Koch versucht seinen Gegenspieler mit einem Bodycheck außer Gefecht zu setzen, fällt aber selber zu Boden, so dass der Dresdener Stürmer frei aufs Tor zu laufen kann…

Auch in der zweiten Halbzeit dominierte Dynamo auf dem Platz und auf den Rängen, obwohl sich circa 70 Ultras nach Kräften mühten. Im Gegensatz zu den Fans ließen die Dresdener Spieler aber nach dem 3:0 deutlich nach und dementsprechend konnten die Zwote immerhin noch bis auf ein Tor herankommen. Letztlich fiel der Anschlußtreffer aber zu spät, so dass der Dresdener Sieg letztendlich nie in Gefahr war. Während der Heimanhang noch mit dem Team feierte, verließen wir das Stadion und erreichten ohne Vorkommnisse Parkplatz und Auto. Auf der Rückfahrt unterhielten uns die interessanten Ausführungen der Live Kommentatoren des MDR, die netterweise das gesamte Championsleague Spiel zwischen Bayern und Manchester übertrugen. Auf den genauen Wortlaut wird sicherlich noch Philipp in seiner Degendarstellung eingehen…

Ich verschlief glücklicherweise fast die gesamte Strecke zwischen Leipzig und Dortmund, so dass ich doch deutlich frischer als der Rest wieder die Kulturhauptstadt erreichte, wo ein alles in allem doch recht anstrebender  Tag sein Ende fand. Bin ich froh, dass keiner von uns morgens zur Arbeit aufstehen musste.

Bleibt noch der Satz mit Dresden: Steckste ’nen Finger innen Po und…!

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