Frühstück bei Sankt Auder

Der chronologische Spannungsbogen beginnt heute erzwungenermaßen bereits an einem Mittwoch Morgen. Um genau zu sein am 55. Jahrestag der Befreiung der U-Bahn-Endstation im fernen Osten um Zehn Uhr morgens in den sakralen Gemäuern von Sankt Auder zu Altenessen! Dort empfing uns in sportlicher Jacke der Gerd, seines Zeichens ehemaliger Brauer des Hauses und stellte erst einmal fest: Wer hier arbeiten wolle (bei Stauder wird noch geraucht!) brauche eine starke Leber! Wenn man seinen Anekdoten im Fortgang so lauschte kann man das nur unterschreiben. An Heiligabend morgens mit seinem Schwager mal ne Flasche Whiskey trinken, kleinen Pennematz nach dem Mittagessen und zum Abschluss nochmal acht Kannen Bier. Wer das schafft ist offensichtlich prädestiniert um bei Jacob Stauder eine Anstellung zu finden.

Es folgte ein kleiner, 2-stündiger Propagandafilm über die Seele, das Leben und die ökotrophologischen Höchstleistungen des herrlichen Gerstensaftes. Es enthält Vitamine, Mineralien, kein Fett, wenig Alkohol – ein absolut natürliches und sehr gesundes Getränk. Im Anschluss ging es auf eine Tour durch die Brauerei um die Technik und die Verfahren auch live vor Ort bewundern zu dürfen. Untermalt natürlich wieder von Erlebnissen einer 40-jährigen, dienstlichen Säuferkarriere: Das ideale Versteck vor dem Chef ist auf der Tür und Bacardi Cola hat früher 25 Peseten gekostet! Entstammt wahrscheinlich der gleichen Feder wie die Behauptung, früher hätte man für einen Nickel ein Steak im Restaurant, in Bund Zwiebeln, einen Kinobesuch und ein Eis kaufen können. Und man habe sogar noch etwas rausbekommen. Der Gerd ist schon eine kleine Persönlichkeit.

Zusätzlich verteilte er auch noch spitze Bemerkungen bzgl. Leibesfülle und Inteliganzgrad. Leider setzte aber seine mobile Soundanlage just in diesem Moment aus, sodass wir, im Gegensatz zur restlichen Veranstaltung Probleme hatten den eloquenten Klängen akustisch wie auch inhaltlich zu folgen. Aber man will ja keinen scharf angucken, denn 40 Jahren Trinken hinterlassen nun einmal ihre Fußabdrücke. Wer sich täglich seine 8 bis 10 Liter reinschraubt (Bei dieser unerträglichen Hitze muss man einfach Mundraub begehen!) wird halt gut konserviert. Genauso gut wie die Toten, die jeden ersten Montag im Monat zum Saufen vorbei kommen. Saufen ist nunmal das Wichtigste – und das stellte er auch immer wieder heraus! Da muss man sich ja nichts vormachen wozu man bei einer Brauereibesichtigung ist. In den sonstigen Berichten ist ja meist das runde Leder das Wichtigste. Das Thema sei in diesem Bericht mit dem mittlerweile kuriosestem und wohl skandalösestem aber auch lächerlichsten Stadionverbot abgehandelt: Wer es sich bei den Blauen als Mitarbeiter der Arenagastronomie innerhalb der VIP-Zone gut gehen lässt fliegt raus – und bekommt SV. Respekt meine Herren!

Nach rund 90 Minuten anschaulicher und interessanter Technikschau inklusive Kostprobe frisch aus dem Hahn ging es dann auch endlich in den Gastro-Keller wo schon einige Brötchenplatten bereit standen. Denn man sollte beim Trinken nie aufhören zu Essen. Mal nen Frikadellchen, mal ne Salzstange oder ein paar Erdnüsse. Allerdings niemals zu viel essen, denn sonst passt kein Bier mehr rein. Dies beherzigten wir und genossen Runde um Runde dieses vorzüglich gezapften königlichen Getränks. Leider sollte diese illustre Runde jedoch ein jähes Ende finden und wir per Bus und Pedes zurück gen Uni kommen. Schließlich musste man dort noch ein von Studiengebühren finanziertes Pils abstauben, über demokratische Richtlinien fachsimpeln und das Matrixproblem des Inkompetenzels lösen. Wie kann man sich nur dermaßen das Wasser vom Brot nehmen lassen?

Danach auf dem Weg zum Hauptbahnhof noch kurz am Weihnachtsmarkt inne gehalten und 12 Lumumbas getrunken. Weil sich Familie Bich abends noch in Recklinghausen zum politischen Kabarett eingekauft hatte erschien es am keckigsten dort einfach noch ein Keckfass zu trinken. Trotz präventiver Recherchen und Insiderkenntnissen schafften wir es nur zur Bahnhofskneipe auf der anderen Straßenseite. Dort wussten die Würfelbecher einmal wieder zu gefallen. Schocken mit 25 und Re, Reizen und Einbauküche. Und weil das Kabarett ja erst um 8 Uhr beginnen sollte zog sich die Zauberei über rund vier Stunden. Dementsprechend ging es dann recht betrunken entweder ins Festspielhaus oder nach Hause. Dort bekam ich in diesem Zustand auch noch einen Anruf aus Norderney, die Postkarte sei angekommen. Und wenn sie bei Papa im Briefkasten lag, dann dürften auch Vati und Onkel ihre Post bekommen haben. Sollte man die Tage mal überprüfen! Noch mehr ältere Herren, die absolut kein Problem mit Alkohol haben.

Schließen will ich mit einem Ratschlag von Gerd an uns, an euch, an die Menschheit: Trinkt eins mehr!

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