Schmankerl im DFB Pokal

Am Wochenende begann endlich wieder dieser ominöse für gewöhnlich maximal dreirundige Pokalwettbewerb des deutschen Fußballbundes.Da man bekanntlich die Feste feiern soll, wie sie fallen, entschieden sich sechs der zehn Bichaugen nach dem Spiel noch die tschechische Partyhochburg Pilsen zu besuchen und das ein oder andere Abenteuer zu erleben. Davon sollen heute neben Portemonnaie und Lebenserwartung der Bichs vor allem die Leser des weltintellektuellsten Blogs profitieren. Noch vor dem offiziellen Bichreisebericht können diese bereits heute die niedergeschriebenen Erfahrungen des weltschlauesten Menschen genießen – also viel Spaß:

Ahoj! Jsem Policista-Kurva a nemluvím dobře německy!
Der magische Ballspielverein ruft und neun überwiegend speckige Wessiultras besteigen das Bichmobil um ins europäische Bleikristallzentrum zu reisen. Im Sextaner-Rhythmus hangelten wir uns von Parkplatz zu Parkplatz. Auf einem hing ein Schlüsselbund an einer Bank. Klopp sei Dank hatte der Rastplatz ein Fundbüro. Wird sich sicher jemand drüber freuen. Nachdem ich zu diesem Zeitpunkt schon einen Kasten überlebt hatte musste ich einfach die Unerträglichkeit nüchtern bleiben zu müssen UND nicht am Steuer zu sitzen überwinden und gab von nun an den Fahrer, musste allerdings etwas aufpassen, da Mitfahrer an Bord saßen, denen bei unter 200 km/h auf der Autobahn übel wird. Auf der Suche nach neuen Getränken kürzten wir über Schotterpisten und thüringische Käffer unsere Route ab, bescherten aber einem Getränkemarkt den Umsatz des Jahres als wir noch etwas „Bier von drüben“ kauften. In deren Köpfen ist die Wiedervereinigung auf jeden Fall genauso angekommen wie bei uns.
Eingetroffen in Weiden durfte ich mich sowie unser Gefährt noch ins Goldene Buch der Stadt eingetragen lassen. Nett von Team Green! Bevor wir uns dann wieder abmeldeten konnten, war es uns vergönnt noch einer Vollgasveranstaltung des Messias beiwohnen. Im Lidl nebenan versuchte man bereits geöffnete, halbleere Packungen Würstchen zu verkaufen. Für sowas bezahlen wir nicht. Wo kämen wir denn hin, wenn das alle machen würden?
Im ersten Etablissement übermannte mich ein leichter Sonnenstich. Abhilfe schaffte schließlich der karlsbader Apotheker Jan Becher mit seinem weltberühmten Destillat. Dort gaben wir uns einfach mal dem Weltbürgertum hin, bestellten internationale Küche, diskutierten auf Französisch über die Legalisation von Cannabis und kontrollierten die gereichten Flaschen und Gläser auf Standfestigkeit. Auf der Straße gedachten wir dann noch dem 64. Jahrestags des Dekrets, das allen Sudetendeutschen die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft aberkannte und warfen als Zeichen des Protestes einen Schuh in einen Baum. Den nächsten Laden durften wir dann leicht überstürzt verlassen nachdem unser kleiner Indiana Jones seinen Gastroländerpunkt auf dem Thron hinterlassen hatte.
Da das Spiel von FK Teplice gegen Viktoria Plzeň vorverlegt wurde mussten wir unseren Wechselgesagt vom Städtischen Stadion in eine Sportsbar verlegen. Der Nachbartisch grüßte mit „Ich bin Ausländer und spreche nicht gut Deutsch“, wir antworteten mit „Ich versteh‘ nicht was Sie sagen“. Genau das Problem hatte auch der nächste völlig nüchterne Mensch, der gerade vom Termin bei seinem englischen Zahnarzt kam. Aber Pizza bestellen und dann einpennen ist eigentlich international verständlich. Daher polierten wir unser Schultschechisch etwas auf und huldigtem dem FC Viktoria und lernten, dass auch die Freunde und Helfer in tschechiens Stadien höchst gerngesehen sind. Eben diese kamen dann auch kurz drauf vorbei, stellten sich kurz mit „Ich bin Bullenschwein und spreche nicht gut Deutsch“ vor und hielten uns an, doch etwas leiser zu sein. Einen polizeilichen Anlass hätte es aber gegeben. Immerhin wurden wir auf perfide Weise unbemerkt bestohlen und der Führerschein des schnellsten Augentropfenpatienten war in Tschechien zur Fahndung ausgeschrieben! Anschließend überredeten wir den örtlichen Touristenfänger uns zu zeigen wo man noch „ein letztes“ Bier trinken könne. Im Hotel galt es dann noch die Königsdisziplin zu bewerkstelligen. Allerdings gelang es uns mehr oder weniger nicht den Mann mit der eisernen Maske zu wecken.
Der nächste Morgen war relativ entspannt. Bei Tesco gab es eine Dose Anti Ethanol und an der Tanke nochmal rund 8000 bis 10.000 Zigaretten. Die Rückfahrt zog sich auf über elf Stunden aufgrund der wegen des Konjunkturprogramms florierenden Autobahnbaustellen und gefühlten 5000 Citroën 2CV. Ketzer mögen behaupten es handle sich hierbei um ein Kultauto, förmlich den Kloppi der Automobilwelt. Bananen, Zitronen, Tito Puente und eine Mainzer Familie waren weitere Weggefährten im Stau. Aus Anlass des schockierenden Todes von TV-Ikone Ilona Christen entzündete der Schornstein noch spontan ein Stängchen Räucherstäbchen.
Děkuji Plzeň!

2 Gedanken zu “Schmankerl im DFB Pokal

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