Von explodierenden Thermoskannen und Vampiren, Radlern und einem Tandem

Die Spielansetzungen der Deutschen Fußball Liga bleiben ein ewiges Ärgernis für alle Stadionbesucher, nicht nur finden die Heimspiele des legendären Dortmunder Ballspielvereins so gut wie nie am traditionellen Samstag Nachmittag statt, diese Woche sollte es sogar am Freitag Abend nach Karlsruhe ins Wildparkstadion gehen. Der Fairness wegen sollte man erwähnen, dass es anderen Fans, insbesondere von Vereinen „der besten zweiten Liga aller Zeiten“, noch schlechter geht. Gespannt darf man also dem neuen Vermarktungskonzept entgegensehen, welches den Spielplan noch weiter entzerren wird und dem TV Diktat zur liebe, die Bedingungen für aktive Fans drastisch verschärfen wird. Hoffentlich können die Vereine noch 2 Mark fünfzig mehr verdienen, damit man auch mit den Hoffenheimer Traditionalisten mithalten kann…

Im Internet werden sich diese Probleme leider nicht lösen lassen, unsere Bühne ist und bleibt das Stadion, wo wir auch in Zukunft kreativ und lautstark gegen die Metastasen des modernen Fußballs kämpfen werden.

Eigentlich sollte die Einleitung gar nicht so emotional und lang werden, ich suchte lediglich einen Aufhänger um unsere Reise nach Baden zu beschreiben. Kommen wir nun also zu dem Teil, den unsere werte Leserschaft wohl am meisten interessiert, den Geschichten von Fußball, Borussia, Freundschaft, Leidenschaft und ungezügeltem Alkoholkonsum.

Letzterer begann bereits am Donnerstag Abend, als die dickere Hälfte der Bichs der bürointernen Weihnachtsfeier des Ernährbärs beiwohnte. Austragungsort natürlich ein Zirkus, in dem die gestanden Artisten ihrer Favoritenrolle durchaus gerecht wurden. Die Fans hingegen konnten weder durch Klasse noch durch Masse beeindrucken, lediglich bei Klatscheinlagen konnte man etwas vernehmen. Optisch nur selten Bewegung, Tifo Material überhaupt nicht vorhanden, ob hier boykottiert wurde, entzieht sich leider unserer Kenntnis.

Nach Abpfiff eilten Herwig und Kai-Uwe zusammen mit dem tapferen Snör Bertram schnellst möglich zur Elite Universität, um wenigstens noch zu sehen, wer den Sieg auf den Straßen davon trägt. Hier hatten sich in einer Kneipe circa 30 gute Mathematiker um den Anführer Horst Kevin versammelt, außer einigen Pöbeleien passierte aber nichts, obwohl Team Green nicht in aureichender Stärke Präsenz zeigte. Hier wäre mehr dringewesen, fehlte doch nur die Entschlossenheit.

Apropos Entschlossenheit, an dieser mangelte es den drei anwesenden Bichs nich, so entschloss sich der harte Kern immerhin noch dazu den aus früheren Abenteuern der Bichs bekannten Gemarkentreff aufzusuchen, wo noch bis immerhin 4.30 fleißig gezecht wurde. Wäre der tapfere Snör Bertram nicht noch von den Ereignissen des Abends nicht völlig erschöpft gewesen, so gehe ich davon aus, dass ich dann gegen 6.00 den Laden abgeschlossen hätte…

Viereinhalb Stunden später weckte mich endlich das gnädige Klingen meines Weckers, wollte ich doch aufgrund der vorhergesagten chaotischen Wetterverhältnisse mit einem ausreichenden Zeitpolster in die Bierhauptstadt aufbrechen. Schließlich weiß jeder wie gut das Unternehmen Zukunft mit veränderten äußeren Bedingungen umgeht. Prompt verpasste ich den Zug und Zwang die Reisegruppe so auf mich zu warten. Persönlicher Glückwunsch.

In Dortmund stand der Bus zum Einsteigen bereit, so dass wir uns sogar fast pünktlich in Bewegung setzen. Unser Busfahrer, die personifizierte Gelassenheit, monierte zu Recht, unsere zweiminütige Verspätung und die dreiste Entsorgung einer Acht-Cent-Pfand Bierflasche in einem Mülleimer. Da wir aber niemals jemanden betrügen könnten, sammelten wir solidarisch den mitgebrachten Pfand, und hinterließen diesen großzügig und uneigennützig auf dem Boden des Busses. Ich vermute ein Dankesschreiben des Fahrers wird uns in Kürze erreichen.

Die Fahrt gestalte sich als etwas mühsam, schließlich wurden wir immer wieder vom Wintereinbruch eingeholt, Schnee und eiskalter Wind waren die Folgen. Dies hatte unser mitreisender Däne auch einkalkuliert und wollte wohlweislich den anwesenden Fans Glühwein mit Schuß kredenzen. Leider hatte er die Rechnung ohne seine Thermoskanne gemacht, die noch in seiner Küche explodierte und für die größte Sauerei seit Kevin Kuranyis Gesicht sorgte. So mußte die Fahrt wie üblich mit Bier und dummen Rumgelaber verbracht werden, zwei Dinge die die Bichs leider nur peripher beherrschen. Schade.

Immerhin erbarmten sich das Oberhausener Topmodell und der Skinhead Fabi, die maue Stimmung durch ein paar Witze aufzulockern, wo bei der Skinhead dadurch glänzte, die ursprünglichen Witze zu einfach falsch zu wiederholen. So wird aus einem Vampir auf einem Tandem mal eben ein Vampir auf einem Radler, wer den Witz nicht, der ist einfach selber schuld, sollte mal öfter auswärts fahren…

Nachdem sich unser kompetenter Busfahrer auch noch trotz Navis geschickt verfahren hatte und erst einen Jogger (den Sportler, nicht die Hose) nach dem Weg fragen mußte, erreichten wir völlig ohne Polizeibegleitung den Wildpark. Dieses nutzen die Bichs, der Bankkaufmann und die anwesende Suffprominenz noch geschickt dazu, in der alt bekannten Gaststätte Germania nach dem Rechten zu sehen, letztes Jahr sollen dort Gegenstände abhanden gekommen sein, diesmal war aber alles ruhig. Kurz beobachteten wir noch ein kleines Ultra Scharmützel als sechs mutige KA’ler versuchten 3 Dortmunder Kostümultras abzuziehen, die schiere Präsenz der Bichs und die Bulligkeit des verrauchten Kaufmanns reichten aber aus, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Besonders empfehlenswert ist es übrigens, als Anhänger des Gastvereins mit Windbreaker, Gürteltasche, Buttpns und Doppelhaltern(!) an der Heimkurve vorbeizulaufen. Ich denke, das wird Kapitel 1 in meiner bald zu veröffentlichen Knigge für Ultras – freut Euch schon mal.

Im Stadion selber das bei Auswärtsspielen mittlerweile übliche Bild. Der Block war durchgehend motiviert und feuerte die Schwarz Gelben durchgehend an. Heute dankte es die Mannschaft sogar, und gewann verdient mit 1:0 gegen schwache Karlsruher. Schon erschreckend wie shlecht der KSC heute aufspielte, neben den völlig indisponierten Frankfurtern und den schwachen Cottbussern bisher meine größten Abstiegsfavoriten, Gladbach und Bielefeld kommen ja noch…

Rückweg gestalte sich feuchtfröhlich ohne besondere Vorkommnisse. Allerdings nur wenn man „feuchtfröhlich“ mit „der Busfahrer hatte kein Bier mehr“ und „ohne besondere Vorkommnisse“ mit „wir mußten 120 km Umweg wegen einer Gegenüberstellung fahren, bei der sich herausstellte, dass unsere Freunde und Helfer den falschen Bus angehalten haben“ interpretiert. Zu diesen Meisterleistungen spare ich mir mal jeden Kommentar, bevor mir erneut der Kragen platzt. Eintausenddreihundertundzwölf Worte sollten ja auch ausreichen…

Ewig sollst du leben, Borussia BVB!

7 Gedanken zu “Von explodierenden Thermoskannen und Vampiren, Radlern und einem Tandem

  1. Hermes Fettberg aka Wolfram Magnusen schreibt:

    Singt Eure Mutti eigentlich immer noch in Halle 2 der Westfalenhallen oder ist sie mittlerweile wieder zuhause?

  2. bichvierlinge schreibt:

    Wir befürchten, dass sie in einer Endlosschleife gefangen ist. Man munkelt, sie habe während der Aktionärsversammlung durchgesungen – Ganz die Ultra-Mama eben. Seit Tagen gibs zu Hause nichts mehr zu Essen. Tut dem ein oder anderen Bich aber auch ganz gut!

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