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Gefühlte 1312 Gründe zur Freude!

Veröffentlicht in Don't look Bich in Anger, Gebichten am Dezember 17, 2009 von schnurzeletti

Dank unseres einzigartigen Rennfahrers können wir tatsächlich noch einen weiteren Gastbericht zu den Ereignissen des abgelaufenen Wochenendes nachreichen – allerdings nicht ohne uns noch einen LETZTEN HINWEIS zum Weihnachtsbichteln zu erlauben. Also haut rein!

So, oder so ähnlich könnte man die Gemütslage nach dem Wochenende beschreiben. Lange im Voraus wurde das letzte Profi-Auswärtsspiel des hundertsten Jahres des großartigsten Vereins, oder war es das zehnte Jahr der KGaA, geplant. Schnell kam der Reiseplaner des Bichclans wohlwissend, dass Milchprodukte gesund sind, auf die Idee die Reiselustigen für die Fahrt mit dem Unternehmen Zukunft zu begeistern. Um die Finanzen der Fans im Lot zu halten, galt es also Milchschnitte in größeren Mengen zu vernichten, sowie den Sparpreis der Bahn zu buchen. All dies stellte für die Reisgruppe kein Problem dar, also sollte es am Sonntag um 9:29 Uhr in der Kulturhauptstadt 2010 mit dem allseits beliebten WET los gehen.

Kurz nach 9 traf ich gut gelaunt an der Essener Großbaustelle/Hauptbahnhof ein, um dort als erstes auf Huub zu treffen. Zusammen nahmen wir den nüchternen Superhelden, sowie eine Reisetasche voll Flüssigspezialitäten entgegen. Anschließend ging es dann zu Gleis, wo der ganze Rest der Reisegruppe bereits auf uns wartete. Der ganze Rest? Nein, einer der Mitreisenden, nennen wir ihn im weiteren Verlauf der Einfachheit halber mal Schnurzel, hat es erfolgreich vermieden, seinen Wecker und sein Handy zu hören, so dass er genau in dem Moment aufstand, wo der Rest der Gruppe den Zug besteigen musste. Also ging es ohne Schnurzel, aber mit dem Wissen, dass er nachreisen will, auf die Reise. Schon auf dem ersten Teil der Strecke zeigte sich, dass es eine kurzweilige Fahrt werden sollte. So konnte beispielsweise der Schaffner das Quiz „Einer ist betrunken, raten Sie mal wer“ in sekundenschnelle lösen. In Bochum gesellte sich der schlauste Mensch der Welt zu Gruppe. Freundlicherweise hatte er sich im Vorhinein schon bereit erklärt uns mit Frühstück zu versorgen und so gab es neben Brötchen auch das komplette Zubehör, um sich die Semmel noch zu schmieren. Traumhaft schön, vielen Dank noch mal. Fast vervollständigt wurde die Reisegruppe dann in Dortmund durch die Herdecker Fraktion. Die Fahrt bis Hannover verlief dann sehr zivilisiert, lediglich der Abenteuer wusste mit Live-Berichten seiner Abenteuer im Schlummerland den Wagon zu unterhalten.

In Hannover traf man dann endlich auf Schnurzel, der zusammen mit seiner Verpackungseinheit voller grüner! Kaltgetränke schon auf der Hinfahrt den ICE nutzte. Scheinbar gab es hier aber keinen Sparpreis mehr. Umso erstaunlicher war es dann noch zu hören, dass es offenkundig für ihn noch Frühstück während der Fahrt gab. Wird wohl die billigste Wolfsburg-Fahrt aller Zeiten gewesen sein…

Endlich in WOB angekommen, wurden die Spezialitätenreisetasche sowie die übrigen Rücksäcke eingeschlossen und es ging los in Richtung Irish Pub. Die Einrichtung dort wusste insbesondere den beiden Bich-Brüdern zu gefallen, gab es doch einen Raucherraum mit Fußball im TV. Also fand sich die gesamte Gruppe dort ein, um die Zeit bis zum eigenen Spiel kurzweilig bei Speis und Trank, sowie einer schlagfertigen Kellnerin, die unseren Asi-Sprüchen in nichts nachstand, zu verbringen. So gestärkt galt es noch den weiten Weg bis ins Stadion zu bewältigen. Unsere Entscheidung ein Taxi zu nehmen stellte sich als goldrichtig heraus, da der Taxifahrer immerhin 7 Mark haben wollte, was ja für dafür spricht, dass wir so einer halben Weltreise zu Fuß entgangen sind.

Im Stadion gab es dann neben dem Wolfsburger Event-Anhang und einem überlegenden BVB noch ein schickes Spruchband der Wolfsburger zu sehen: „An der Börse versagen, Über Wolfsburg beklagen… Glückwunsch zu 10 Jahren KGaA!“. Nee, was hab ich mich gefreut, ich konnte ja kaum an mich halten vor lachen. Liebe Wofsburg-Fans, also alle Sieben: 1. Ist der BVB trotzdem noch Herr im eigenen Haus und nicht auf die Gunst eines Sponsors angewiesen, 2. Hat sich der BVB die Möglichkeit des Börsengangs über die Reputation aus dem Fußball heraus erarbeitet und ist nicht von externen Einflüssen abhängig gewesen und 3. sollte so ein Spruchband eventuell nicht vom „Verein“ gedruckt werden, da sieht dann so doof aus. Hoffentlich habt ihr euch wenigstens bei VW bedankt und macht die Woche mal ein paar Minuten länger am Fließband. Zu Stimmung ist nicht viel zu sagen, da kann ja jeder selber nach Synonymen für „Großartig“ bzw. auf Wolfsburger Seite „nicht vorhanden“ suchen. Das Spiel wurde absolut verdient gewonnen und wir haben kräftig Lalla gemacht. Da sieht man wieder, dass Stimmung im Stadion nicht künstlich, sondern nur mit Herz zu erzielen ist. Sportlich war das Wochenende mit dem 3:1 Auswärtssieg beim „Meister“ also komplettiert worden, nachdem das Team mit Herz am Vortag bereits ein weiteres Kunstprodukt mit 3:0 aus der Roten Erde geballert hat.

Auf dem Weg zum Bahnhof entschied sich ein Teil unserer Reisegesellschaft noch zum Einkehren in die örtliche Pizza-Franchise-Bude, um dann frisch gestärkt um kurz vor Neun den ICE in Richtung Ruhrgebiet zu besteigen. Im rappelvollen Zug wurde man dann auf der Suche nach den reservierten Plätzen schnell fündig. Nun folgte für einige das absolute Highlight des Wochenendes: Natürlich waren die Plätze von Reisenden mit Gepäck belegt, die für die Fußballasis die Plätze räumen mussten, um sich mit besagtem Gepäck dann im, wie bereits erwähnt sehr vollen Zug einen neuen (wahrscheinlich Steh-)Platz zu suchen. Soweit ja ein ganz alltäglicher Vorgang im Fernreiseverkehr, wenn es sich bei diesen Leuten nicht ausgerechnet am 13.12. um Blau- bzw. Grün-beige-Uniformierte gehandelt hätte. Die Fußballasis hatten sichtlich Spaß daran, dass Sie das erste Mal am längeren Hebel sitzen und die Trachtengruppe widerwillig Platz machen musste. Auch mehrfach ausgesprochene, freundliche Hinweise auf das spezielle Datum oder die Tatsache, dass es scheinbar eine Happy-Hour für Acht Cola, Acht Bier im Bord-Bistro geben muss, konnte die Stimmung der Freunde und Helfer nicht heben. So verließ die Staatsmacht den Großraumbereich und wir hatten lange unseren Spaß an dieser Tatsache. Den Rest der Rückfahrt verbrachten wir dann mit 18 Flaschen Fruchtwein und kurzweiligen Gesprächen über unseren Sieg, unsere super Plätze im Zug oder auch die Schlaf- und Badezimmergewohnheiten der Freundinnen einzelner Mitreisender. Besonders das letzte Thema hat auch einige anderen Mitreisenden begeistert. Kurz vor halb Zwölf löste sich dann die Reisgruppe auf und jeder konnte mit der Gewissheit ein rundum gelungenes Wochenende erlebt zu haben nach Hause gehen.

Youtube Generation

Veröffentlicht in Don't look Bich in Anger mit Tags , , , , am November 19, 2009 von schnurzeletti

Immerhin vergessen wir dank modernster Kommunikationsmedien so gut wie niemanden mehr. Selbst scheinbar längst verschollene, einstige Weggefährten tauchen gelegentlich noch einmal in den Weiten des Cyperspace auf. Die Welt ist eben klein und doch voller Peinlichkeiten:

Don’t look Bich in Anger – Teil 1 Auswärts in Calcio

Veröffentlicht in Don't look Bich in Anger mit Tags , , , , , , , , am März 30, 2009 von schnurzeletti

Diese Woche haben sich die Bichse ein ganz besonderes Bonbon ausgedacht, um die Leser auf Deutschlands surrealstem Blog zu unterhalten. In unregelmäßigen Abständen werden wir Geschichten aus verbichenen Zeiten veröffentlichen und lang vergangene Kultfahrten noch einmal Revue passieren lassen. Das ganze beginnt heute mit einer noch recht aktuellen Geschichte, nämlich der Reise des faszinierenden aller Ballspielvereine nach Udine im Sommer 2008. Ein toller Tag mit tollen Leuten, aber lest selbst:

Auf geht’s, ab geht’s, drei Tage wach… – Mit dem Ballspielverein in Europa

Eintausendsiebenhundertundsiebenundfünfzig. Diese grausam große Zahl steht für die Anzahl der Tage, in denen der UEFA-Cup die Abstinenz unserer geliebte Borussia ertragen musste. Diejenigen von uns, die der BVB damals mit auf Reisen genommen hat, schwärmen noch heute von unvergesslichen Erlebnissen, rauschenden Europapokalabenden, Tränen der Triumphe und Zusammenhalt ob bitterer Niederlagen. Kurzum der Europapokal ist das Salz in der Suppe des Fußballs. 1.757 lange Tage nach dem blamablen Ausscheiden in der französischen Provinzstadt mit Wolfsburger Charme Sochaux im Jahr 2008 durften wir endlich einem neuen unvergesslichem, wenn auch zu kurzem, Kapitel beiwohnen.

Die Vorfreude auf europäischen Fußball zog die Dortmunder Szene schon Monate vor der eigentlichen Auslosung in ihren Bann. Bereits nach dem Einzug ins DFB Pokalfinale im März erklangen bei den Siegesfeiern in den Kneipen der Bierhauptstadt die bekannten Europapokallieder, wir waren jetzt schon heiß auf den Spätsommer und konnten uns somit auch den Rest der langweiligen Saison immer wieder motivieren.

Die gesamte Sommerpause brüteten wir nun über den Spielplänen der Qualifikanten, unzählige Szenarien wurden durchgeplant und wieder verworfen, Lieblingsgegner wurden auserkoren und Groundhopping-Informer gewälzt, bis endlich am 28. August in Zürich die Auslosung zur ersten Runde stattfinden sollte. In unserem Topf befanden sich neben Udine noch Lewski Sofia, Tottenham Hotspurs, Ajax Amsterdam und der FC Kopenhagen. Mein Wunschlos wäre natürlich Sofia gewesen, da ein Besuch in der bulgarischen Hauptstadt sowohl fantechnisch reizvoll sowie sportlich machbar gewesen wäre. Dort wären allerdings aufgrund der Entfernung und der daraus resultierenden Preise nur die üblichen 200 Unentwegten gewesen, kein Vergleich zu einem Reiseziel, dessen Attraktivität sofort Tausende Borussen anlockt. Aus diesen Gründen stellte Udinese Calcio schon das bestmögliche Los dar, in Kopenhagen waren wir schon und weder Amsterdam noch London sind Städte, die für den gemeinen Fußballfan noch viel Neues bieten könnten.

Prompt nach der Auslosung kümmerten sich die Experten um die Reisemodalitäten. TU-intern wurde vom Vorstand der Wunsch geäußert eine möglichst geschlossene Anreisemöglichkeit zu wählen, um diese au゚ergewöhnliche und lang ersehnte Fahrt auch gebührend auskosten zu können. Schon bald verdichteten sich aber die Gerüchte, dass die Fanabteilung einen Sonderzug zum Auswärtsspiel nach Norditalien einsetzen würde, und als endlich die Bestätigung kam buchte sich auch unsere Gruppe fix in dieses Gefährt ein. Nach dem die FA noch die letzten Modalitäten mit den italienischen Behörden geklärt hatte, hie゚ es für uns abwarten, Tee oder einen etwaigen Ersatz trinken und Tage zählen.

Die Vorfreude, die die gesamte Szene erfasste, lässt sich nur schwer in Worte fassen, schon vor dem Hinspiel beherrschte die Sonderzugfahrt alle Gespräche und die einschlägigen Internetplattformen – die Fanabteilung hatte gar mehr Anmeldungen zu bewältigen als beim DFB-Pokalfinale. Letztendlich hatte aber doch fast die gesamte aktive Szene einen Platz im Zug sicher, danke hierfür an die Verantwortlichen.

Mitten in dieser euphorischen Phase wurde das Hinspiel grandios vergeigt. Tor- und chancenlos unterlag eine pomadig auftretende schwarz-gelbe Elf dem schier übermächtig wirkenden Gegner aus Italien. Befürchtete man nun eine Inflation kranker Omis und kurzfristiger Geburtstage, wurde man eines besseren belehrt. Eine „Jetzt erst recht“ Stimmung erfasste ganz Dortmund und auch im Zeichen der sicher geglaubten Niederlage wollte man doch noch seine Visitenkarte in Europa abgeben und zumindest auf den Rängen beweisen, dass man zurecht in Europa spielt.

Leider erreichte uns wenige Stunden vor der Abfahrt noch die Nachricht, dass die italienischen Behörden aus Angst vor mordenden Horden aus dem Ruhrgebiet kurzfristig jeglichen Alkoholausschank in der Innenstadt von Udine untersagten und auch das Mitbringen eigener Getränke in die Stadt verboten. An dieser Stelle mal ein Kompliment an die szene“kundigen“ Beamten aus Dortmund, die an dieser Sicherheitsbesprechung teilnehmen durften. Ihr habt euren „Job“ richtig gut gemacht und somit die Ausschreitungen der Vergangenheit zumindest an diesem Tage verhindert…. Danke!

Entsprechend gut gelaunt trafen sich 900 Fans am Abend des 1. Oktober am Dortmunder HBF um dort unser Zuhause für die nächsten 48 Stunden zu beziehen. Wie bei jedem Einzug wurden auch heute massenweise Kisten in die neue Wohnung getragen, verwunderlicherweise enthielten diese aber vornehmlich keine Gebrauchsgegenstände oder spießige Einrichtungsstücke sondern lediglich alle Arten diverser Alkoholika, so dass man zumindest auf der Anreise keinerlei Angst haben musste, dass ein Mitfahrer verdurstet.

Schnell machte ich es mir in meinem hübschen Sechserabteil gemütlich. Die Wagon-Losfee hatte es gut mit mir gemeint und bescherte mir ein Abteil mit alten, tapferen Weggefährten sowie einem äu゚erst extrovertierten Optiker, alles in allem eine gute Runde. Rasch wurden die Plätze verteilt und die Liegen ausgelost, so dass ich nach einem kurzen Willkommensdrink zu meinem ersten Rundgang durch den Zug aufbrechen konnte.

Schnell hatte ich alle Bekannten begrü゚t, und erneut festgestellt, wie sehr dieses eine Spiel die Szene elektrisierte. Viele Gesichter aus vergangenen Tagen gesellten sich heute wieder in unserer Mitte, wobei Mitte hierbei auch die Mitte des Zuges meinen könnte, den Platz des ominösen Sambawagons, eines geradezu mystischen Ortes voller Geheimnisse. ワber den Gro゚teil der sich hier abspielenden Szenen sollte man getrost den Mantel des Schweigens legen, einige Dinge können aber der Nachwelt gegenüber nicht unerwähnt bleibe, da sie die Mitfahrer auf ihre eigene Art und Weise prägten. Zum einen ein gro゚es Dankeschön an das ständig gleiche Servicepersonal, die selbst dem trunkensten Fan noch ein Bier ausschenkte und auch nach 48 Stunden noch entspannt und freundlich war. Erfreulich auch der Musik Geschmack unseres DJs, der ,nachdem alle Offiziellen die Betten aufgesucht hatten, sich dankenswerter Weise dazu bereit erklärte, die Soundanlage zu bedienen. Leider verfügte er wohl nicht über die vorgeschriebene Kleidung, so dass er sich entschloss fortan gar keine mehr zu tragen. Er wird wohl als erster Unten-Ohne-DJ in die Geschichte des Sambas eingehen.

Irgendwann machte sich auch bei mir die Erschöpfung bemerkbar, so dass ich endlich mein Abteil aufsuchte, um mir dort eine verdiente Mütze Schlaf zu genehmigen. Nachdem ich einen etwas weltfremden Besatzer freundlich aus meinem Bett verwiesen hatte, durfte ich noch dem einschläfernden, beruhigenden Schnarchen meiner Mitstreiter lauschen, bevor ich endlich in ein gnädiges Koma verfiel…

Erholsame zweieinhalb Stunden später erwachte ich wieder, wir hatten bereits gro゚e Teile ヨsterreichs passiert und nur noch wenige Stunden Fahrt vor uns. Daher entschied ich mich nach dem Frühstück im Wesentlichen dem Ausnüchtern hinzugeben, um den zu erwartenden Problemen mit der italienischen Staatsmacht gegenüber gewappnet zu sein.

Wie sooft kam es aber anders als man denkt und so erreichten pünktlich zum Mittagessen die Stadt in den Südalpen. Hatte ich noch ein martialisches Polizeiaufgebot befürchtet, was alle Zugfahrer penibel kontrolliert und dann zum „Fanfest“ zwingt, wo wir modernem Fu゚ball sei Dank Diät-Cola und Waffeln verzehrend Ballermann-Klassikern lauschen dürfen, stellte sich die Realität ganz anders da. Lediglich zwei Carabinieri sowie einige Bedienste der Bahn empfingen uns bei unserer Ankunft. Auch der Weg in die Stadt war keineswegs versperrt, so dass wir uns tatsächlich frei bewegen konnten. Da man dies ja als Fu゚ballfan keineswegs gewohnt ist, sammelten sich erst einmal alle am Busbahnhof, wo den wenigen Einheimischen immer wieder zugerufen wurde, wer jetzt da ist. Da immer noch niemand Anstalten machte, uns irgendwo hinzuführen, teilte sich der Mob in kleine abenteuerlustige (nicht was ihr denkt…) Gruppen und erkundete die erstaunlich schöne Stadt auf eigene Faust (schon wieder nicht, was ihr denkt…).

Leider stellte sich aber schon schnell heraus, dass der Bürgermeister und seine willigen Lakaien das Alkoholverbot tatsächlich drastisch durchsetzten, so verlangte es schon die gewitztesten Typen und die cleversten Ganoven, um fantechnisch geeignete Lokalitäten zu finden. Selbstverständlich entstand ein Schwarzmarkt für Alkoholika und die einheimische Dorfjugend durfte sich sicherlich über einige leicht verdiente Euro für den Collegefond freuen, immerhin kostete eine Flasche 0,33 Bier bescheidene 3 Euro.

So entschieden sich die meisten dann doch lediglich der italienischen Küche zu frönen und sich zügig zum Stadio Friul zu begeben. Dort konnte man sogar problemlos bei den angereisten Bussen noch ein Bierchen trinken. Leider wussten nur die wenigsten, dass sich das Stadion direkt an der Stadtgrenze befindet, so dass man die sinnlosen Anweisungen der Behörden völlig legal hätte umgehen können.

Das 30.900 Zuschauer fassende Stadion sieht schon von au゚en typisch italienisch aus, mitten in der Peripherie gelegen hat man das Ding liebevoll verkommen lassen. Im typisch weiten Rund des Inneren waren schon weit vor Anpfiff nur die Fans des ehrwürdigen Ballspielvereins zu hören, die sich langsam auf die bevorstehende Schlacht einstimmten. Eine Frage muss man aber noch an die Verantwortlichen in Udine stellen, warum wird die komplette Hintertortribüne nicht geöffnet, die Nachfrage in Dortmund wäre sicherlich groß genug gewesen, um den kompletten Sektor zu füllen, schade, dass hier zu Gunsten der Sicherheit auf gute Stimmung und sogar Zusatzeinnahmen für den gastgebenden Verein verzichtet wurde.

So verirrten sich letztendlich enttäuschende knapp 10.000 Zuschauer in die triste Schüssel und lediglich der Gästeblock war pickepackevoll. Zum Intro präsentierten wir uns hinter der alten Ultras-Zaunfahne, also keinerlei optische Schmankerl. Dafür gaben wir sofort akustisch den Ton an. Angetrieben von Wolle und Daniel erreichte der Block in der Anfangsphase teilweise ohrenbetäubende Lautstärke. Der Funke schien sogar tatsächlich aufs Spielfeld überzuspringen, unser BVB dominierte die Partie und versuchte den Rückstand aus dem Hinspiel aufzuholen, die Einstellung stimmte, lediglich vor dem Tor agierten die Spieler glücklos.

Nachdem die Dortmunder Anfangsoffensive verpufft war, fanden die Italiener besser ins Spiel, auch die einheimischen Tifosi konnte man ab und zu vernehmen, vornehmlich bei lang gezogenen Schlachtrufen, in die das ganze Stadion inklusive überdachter Heimtribüne einstimmten.

Das Spiel verflachte nun zusehends und während sich schon alle in der Halbzeit wähnten, geschah das Unglaubliche: Der BVB ging in Führung! Nun war alles wieder offen, nur noch ein Törchen trennte uns von einer nicht mehr geglaubten Verlängerung. Die zweite Halbzeit begann wie die erste aufhörte – einer dicken Chance für den BVB, leider diesmal ohne zählbaren Erfolg. Angetrieben von den mitgereisten Fans drückten die Dortmunder aufs Tempo und fuhren Angriff um Angriff auf das Tor der Italiener. Obwohl die Uhr unerbittlich gegen uns lief, herrschte im Block eine greifbar optimistische Anspannung. Hier geht heute was, war wohl der am häufigsten gehörte Satz. Und gerade als man sich mit der Niederlage, dem Ausscheiden arrangieren wollte und Fans und Mannschaft lobte, drosch Hajnal noch einmal den Ball verzweifelt in Richtung Udinese Tor. Der Schuss verunglückte und schien nun Richtung Tor zu kullern – nur eine Frage der Zeit, bis ein Abwehrspieler oder der Torhüter ihn klären würde – doch nichts der gleichen geschah. TOOOR! Der Block verwandelte sich in ein schwarz-gelbes Tollhaus, eine riesige in alle Richtungen vibrierende Menschenmasse. Unvergleichlich, unermesslich, unvergesslich!

Die folgenden Minuten der Verlängerung verfolgte ich wie in Trance, noch nicht richtig hatte ich die Geschehnisse zuvor begriffen. Da ich nicht der einzige war, der die Ereignisse noch verarbeiten musste, verflachte nun die Stimmung zusehends. Nervöses Nägelkauen dominierte die Szenerie. Als der Schiedsrichter abpfiff und nun der Sieger im Elfmeterschießen ermittelt werden musste, konnten einige gestandene Ultras um mich herum die Spannung nicht mehr aushalten und wandten sich von den Geschehnissen auf dem Rasen ab oder verließen sogar den Block. Leider ist das traurige Ergebnis jedem wohl bekannt, schade, dass uns die Üワberraschung nicht gelungen ist.

Geknickt und enttäuscht ließen wir uns nach langer Blocksperre von den bereitgestellten Bussen zurück zum HBF bringen. Es wurde nicht viel geredet, Erschöpfung und Enttäuschung war allen anzumerken. Am Gleis angekommen stärkten sich einige Fans noch an den dortigen Automaten, bevor der Zug einfuhr. Dieser war selbstverständlich mit der typisch italienischen Gründlichkeit gereinigt worden, so dass wir in unserem eigenen Siff getrost gen Heimat aufbrechen konnten.

Da Zeit und Bier alle Wunden heilen, lockerte die Stimmung spürbar auf und als wir die italienische Grenze passierten und wieder in ヨsterreich verweilten, hatte sich die Meisten mit unserem Ausscheiden arrangiert. Letzte Kraftreserven wurden mobilisiert und erneut die Nacht zum Tag gemacht. Nicht wenige Treueschwüre zu Dortmund und dem BVB wurden in die Nacht geschmettert, bevor auch ich wieder den Matratzenhorchdienst antrat. Am nächsten Morgen erwachte ich kurz hinter Mannheim und machte mich zwecks Nahrungsaufnahme auf den Weg in den Sambawagen, wo mich die tatsächlich noch die kleinen トuglein einiger erschöpfter Recken begrü゚ten, die seit Abfahrt in Dortmund kein Auge zugetan hatten. Respekt!

Auch die letzten paar Hundert Kilometer vergingen wie im Fluge, so dass wir trotz zweistündiger Verspätung gut gelaunt und wohlriechend am Abend in Dortmund ankamen. Abgekämpft und todmüde, aber im Wissen einer einzigartigen Tour beigewohnt zu haben. Danke an alle Organisatoren, die diese Tage ermöglicht haben. Ihr habt zu einer weiteren Festigung der Dortmunder Fanszene beigetragen! Danke auch an alle Mitfahrer, die zu dieser gelungenen Veranstaltung beigetragen haben. Ihr seid die Besten und ohne Euch wäre alles grau!

Schlussendlich können wir sagen, dass wir uns und unsere Farben würdig präsentiert haben und erneut einen bleibenden Eindruck auf Europas Fußballkarte hinterlassen haben. Hoffentlich müssen wir beim nächsten Mal keine eintausendsiebenhundertsiebenundfünfzig Tage warten!

Udine 2008 – Wonderful Days!