Wehrte Bichleserschaft,
einem mutmaßlich aktuellen Bezug geschuldet erreichte mich in den letzten Tagen der Leserwunsch bezüglich des Subjets dieser Sitzung. Die Begierde des nimmermüden Biergerdis bestand in der Aufklärung des Faktums des Erbrechens infolge erhöhten Zuspruchs ethylalkoholhaltiger Speisen und Getränke.
An dieser Stelle kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten ich sei der adäquate Ansprechpartner, schließlich wurde ich Anno 2004 im Altkreis Norden zum Großkotz des Jahres gekürt.
Bereits im 11. Jahrhundert konstatierte Avicenna „Vomitus fortis infantium curatio“. Vor was dieses mächtige Heilmittel uns bewahren soll ist jedoch immer noch unbekannt. Seither versucht die Menschheit Licht ins Dunkel der Unkenntnis zu bringen und die Wurzel des Unbehagens zu ziehen. Allgemein wird angenommen es müsse sich um eine generelle Vergiftung oder Unverträglichkeit handeln auf die unser Körper mit Erbrechen als Selbstschutz reagiert.
Eins und Eins zusammenzurechnen und den Alkohol sowie seine Menge als Übel auszumachen verkommt jedoch ganz klar zur Milchmädchenrechnung. Er kann gar nicht Schuld haben. Der Alkohol und insbesondere der heimische Gerstensaft haben uns in so vielen Krisen loyal und standhaft zur Seite gestanden, dass man ihm nichts Böses kann. Hätte Adenauer die Heimkehr der Zehntausend ohne den engagierten Griff zur Flasche bewerkstelligt? Wäre es ohne die Teilhabe von acht bis zwölf Weißbier jemals zur Wutrede von Rudi Völler gekommen? Ein Kasten hochprozentiger Endorphine hätte uns vor nunmehr vier Jahren beinahe vor Kanzler Merkel beschützt und dem Bierkanzler eine weitere goldene Legislaturperiode beschert. Man kann also in aller Deutlichkeit resümieren, dass Bier […] der überzeugendste Beweis dafür [ist], dass Gott den Menschen liebt und ihn glücklich sehen will (Benjamin Franklin). Auch der zeitgenössische Philosoph Campino schlussfolgerte unlängst Kein Alkohol ist auch keine Lösung. Und genau an dieser Stelle muss man konstatieren: Nur Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit.
Es muss also ein anderer Grund gefunden werden!
Eine der aktivsten Forschergruppen koordiniert ihre Untersuchungen über die ortsansässigen Schützenbruderschaften in ganz Deutschland. Insbesondere die ems-, münster- und sauerländischen Schützenbrüder haben sich hierbei als besonders motiviert herauskristallisiert. Ein entscheidendes Indiz zur Lokalisierung des Übeltäters konnten sie zwar nicht präsentieren, jedoch mündete ihre rege Studienarbeit in der für ländliche Gegenden zweitwichtigsten Erfindung nach dem Traktor: dem Speibecken.
Eine erste Spur führte Anfang des 21. Jahrhunderts ins nördliche Ruhrgebiet. Dort wurde eine nicht unerhebliche Kausalität zwischen dem thematisierten Vomitus sowie königsblauem Polyester entdeckt. Alternativ wird auch ein Partizipieren eines Mescheder Brauhauses in Betracht gezogen.
Ein weiteres, nicht unerhebliches Indiz führte an den Golf von Mexiko wo alljährlich die Elite der US-amerikanischen Hochschulen mit einem Gläschen Grappa auf die vorlesungsfreie Zeit anstoßen. An dieser Stelle wird angenommen, dass die degenerierte Physiognomie des Amis an sich scharfe Speisen, wie sie in Acapulco, Cancún und Cabo San Lucas gereicht werden nicht mehr verträgt und es deshalb zu dieser schwallartige Entleerung des Magen- oder Speiseröhreninhaltes entgegen der natürlichen Richtung kommt.
Eine dritte Möglichkeit, die in Betracht gezogen werden muss, ist die Tatsache einer tatsächlichen Vergiftung. Diese kann versehentlich durch verfallene und ungenießbare Getränke hervorgerufen werden. Berühmt berüchtigt ist hierbei das vorletzte Bier, welches in vielen Kneipen und Spielunken überproportional oft schlecht ist. Andererseits kann diese Lebensmittelvergiftung auch vorsätzlich verursacht werden indem der gute Ethylalkohol (C2H6O) mit minderwertigem und giftigem Methylalkohol (CH3OH) gestreckt ist. Letzteren kann man besser in sein Moped tun als sich damit oral zu verlustieren.
Die Ursache zum Übergeben kann natürlich auch darin begründet sein, dass einen einfach alles ankotzt! (Alles Gute für eure gemeinsame Zukunft Magnus & Romy!)
Zusammenfassend muss ich also mit der Erkenntnis schließen, dass es bis heute keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen übermäßigem Alkoholzuspruch und dem Erbrechen gibt. Tut mir Leid Gerdie – da müssen wir wohl weiter experimentieren!
Wir sehen uns beim Forschen!